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(tsch) Das zerfurchte Gesicht, die Narben und das riesige Tattoo auf der Brust sind Danny Trejos Markenzeichen - und seine Mahnmale. Sie erinnern den US-Schauspieler, der für Das Vierte am 11. und 12.04. ein Tarantino/Rodriguez-Wochenende anmoderieren wird, jeden Tag daran, wie er einmal war. Und wie er nie wieder sein möchte. Dieser raubeinige Kerl ist nicht nur der Inbegriff des mexikanischen Gangsters, den er in "From Dusk Till Dawn" (12.4., 23.40 Uhr), "Heat" und in fast jedem anderen seiner mittlerweile über 150 Filme verkörpert. Er war lange Zeit ein Krimineller und verbrachte einen Großteil seiner Jugend in Höllenlöchern wie Tracy, San Quentin oder Folsom. "Ich betrachte die erste Hälfte meines Lebens als Charakterstudie", sagt der 63-Jährige im Interview. Es klingt nicht einmal verbittert. Hätte er die Chance, von vorne anzufangen, würde er denselben Weg noch einmal gehen - wohlwissend, dass es kein leichter war.Eine erstaunliche Wahl, aber verwunderlich ist sie nicht. Danny Trejo scheint ein schicksalsergebener Mensch zu sein, zutiefst gottesfürchtig und - man mag es aufgrund seiner einschüchternden Erscheinung kaum glauben - die Freundlichkeit in Person. Aber das war nicht immer so. Früher sei er ein richtiges "bad ass" gewesen, sagt er. Aufbrausend, gewalttätig, kaltblütig.
Man kommt nicht umhin, Danny Trejos Leben aus zwei verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Da gibt es die Zeit vor dem Knast, in der er allenfalls an die unheilige Dreifaltigkeit aus Geld, Drogen und Alkohol glaubte. Über seine Kindheit verrät Trejo nicht viel - außer, dass sie ziemlich farbenprächtig war. Mit acht rauchte er seinen ersten Joint, mit zwölf war er auf Heroin.
Sein Weg ins Verderben schien vorgezeichnet zu sein, zumal die ersten Verurteilungen wegen bewaffneten Raubüberfalls und Drogendelikten - einmal versuchte er, einen Kofferraum voll Koks an einen FBI-Undercover-Agent zu verkaufen - nicht lange auf sich warten ließen. "Ich wuchs auf wie die Typen, die ich heute spiele. Es gab nicht viele Möglichkeiten für mich: Arbeiter oder Verbrecher. Letzteres war wesentlich leichter." Die 60er-Jahre hat er deshalb größtenteils im Gefängnis verbracht. "Die erste Regel, die ich dort lernte: erst schlagen, dann fragen." Das konnte Trejo ziemlich gut. Während seiner Zeit in San Quentin gewann er diverse Box-Meisterschaften, seine Hoffnungen auf eine Profikarriere wurden jedoch immer wieder durch lange Haftstrafen zunichte gemacht.
Er erzählt sie gerne, die Geschichte seiner Box-Erfolge, aber auch die seiner Läuterung, wie sie auch das kürzlich erschienene Buch "Mugshots: A Celebration of the Journey From Ruin to Redemption" von Jason Porath und Jonas Mohr beschreibt. Während eines Gefängnisaufstandes in Soledad 1968 erkannte Trejo, dass er sein Leben ändern muss - oder den Rest davon hinter Gittern verbringen würde. Zusammen mit zwei Todeskandidaten griff er bei den Unruhen die Wächter an, traf einen mit einem Stein. "Wir saßen jedenfalls ziemlich in der Scheiße. Da fing ich an zu beten: 'Gott, wenn du da bist, hol mich hier bitte raus. Wenn nicht, bin ich geliefert.'" Gott intervenierte. Keiner der Wärter sagte gegen Trejo aus.
Nach einem mehrstufigen Rehabilitationsprogramm ließ er in den 70-ern die Finger von den Drogen - mehr noch: Er wurde Drogenberater. Fortan half Trejo anderen Menschen, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Das war die neue Aufgabe, die Gott für ihn bereithielt, wie er heute sagt. Und sie führte ihn ins Filmbusiness, als ihm bei einem Treffen der Anonymen Kokain-Schnupfer 1985 ein junger Mann ansprach und ihn um Hilfe bat. Trejo sagte zu und landete am Set von Andrei Konchalovskys "Runaway Train" (Donnerstag, 1.5., 23.15 Uhr, Sat.1), wo er nicht nur so manches Drogenproblem löste, sondern auch dem Schauspieler Eric Roberts das Boxen beibrachte und letztlich eine Rolle als dessen Gegner angeboten bekam. Vermittelt hatte den Job ein ehemaliger Zellgenosse, Eddie Bunker.
Der Rest ist das zweite Leben von Danny Trejo - eine Erfolgsgeschichte, wie sie wohl nur Hollywood schreiben kann. Trejo wirkte fortan in unglaublich vielen B-Movies mit, von denen er die meisten selbst nicht einmal gesehen hat. "Es passiert mir oft, dass ich den Fernseher einschalte und plötzlich denke: 'Hey, das bin ja ich! Was zum Teufel ist das für ein Film?'" Vor allem in den späten 80-ern drehte er "einen Arsch voll mieser Streifen" über Gefängnisse. Später stand der "mexikanische Typ mit dem Riesentattoo" für einige Filme vor der Kamera, die zu echten Klassikern wurden - in erster Linie jene, bei denen sein Cousin Robert Rodriguez Regie führte. Bis zum Dreh von "Desperado" (1995) wusste Trejo gar nichts von dem Verwandtschaftsgrad. Erst ein Onkel klärte beide darüber auf. Aktuell dreht er wieder mit Rodriguez ("Sin City"): den bewusst trashig gehaltenen Streifen "Machete". Ein Film, entstanden aus einem Gag-Trailer in der Rodriguez-Tarantino-Produktion "Grindhouse" und schon jetzt kultverdächtig.
Warum also sollte er etwas ändern in seinem Leben? "Ich mag, was aus mir wurde. Hätte ich die Dinge damals anders angepackt, wäre ich heute vielleicht eine andere Person. Alles Gute, was mir bislang wiederfahren ist, geschah, weil ich jemandem helfen konnte. Deshalb besuche ich noch heute in regelmäßigen Abständen Schulen, Drogenzentren und Gefängnisse, um Menschen davon abzuhalten, dieselben Dummheiten wie ich zu begehen. Und sie hören mir zu, weil ich damals den gleichen Weg einschlug, auf dem sie sich gerade befinden." Sagt einer, der gezeichnet ist vom Leben, nicht vom Alter.
Das Tarantino/Rodriguez-Weekend bei Das Vierte:
Freitag, 11. April: 22.35 Uhr "Jackie Brown" (1997)
Samstag, 12. April: 22.10 Uhr "El Mariachi (1992), 23.40 Uhr "From Dusk till Dawn" (1996)