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(tsch) So richtig leicht macht es einem der "große Sat.1-Film", der den schönen Titel "Bis dass der Tod uns scheidet" trägt, wirklich nicht. Zu viel weiß der Zuschauer allzu früh: dass da eine junge Frau von ihrem Mann eifersüchtig beobachtet wird, dass er sie mit Wohlstand in einen goldenen Käfig sperrt, dass er sie aber auch immer wieder verprügelt, wenn er glaubt, sie könnte ihm entfliehen. Alleine das zu zeigen, wäre ein lohnendes Psychodram. Doch das Movie hält es mit dem Genre des Thrillers. Die junge Frau, die Muriel Baumeister spielt, entschließt sich zur Flucht. Sie fingiert einen Unfall auf hoher See. Das Vorhaben gelingt nahezu, doch dann wird der Mann vom Misstrauen gepackt ..."Wenn jemand so lebt, kommt nichts anderes", sagt Muriel Baumeister, wenn man sie ein wenig skeptisch zur Rolle der in Abhängigkeit gehaltenen Susanne befragt. Keineswegs unglaubwürdig sei diese Susanne, die gleich einen Unfall inszeniert, statt sich auf andere Weise von ihrem gewalttätigen Mann zu trennen. "Schauen Sie mal, was mit Frauen passiert, die unter Druck gesetzt werden", so legt sie nach. "Ich habe mich kundig gemacht, ich habe in Frauenhäusern nachgefragt." Sie weiß: "Wenn man geschlagen und missbraucht wird, dann wird das Selbstvertrauen zerstört. Die Person ist dann oft nicht mehr stark genug, um sich zu wehren."
Eine Dokumentation über persönliche Werdegänge wolle der Sat.1-Film freilich nicht sein. Es werde hier nicht gezeigt, wie und woher das komme, dass eine Frau in die Abhängigkeit von einem Mann gerät. Nein, sie selbst könne in sich nichts von der Susanne im Film entdecken. "Beim Spielen fällt es mir am leichtesten, wenn ich mit der Rolle persönlich so gut wie gar nichts zu tun habe", verriet sie gegenüber Sat.1 und fügt für den, der's womöglich nicht verstehen will, hinzu: "Ich muss die Figur ja spielen, aber nicht sein."
Zumindest in Teilen ist "Bis dass der Tod ..." auch die Geschichte einer Emanzipation. Sehr oft hat Muriel Baumeister, jetzt 36, die geschmeidigen blonden Geliebten gespielt. Die Besetzungsliste legt nahe, dass man sehr oft, vielleicht zu oft, nach dem Äußeren, nach den verträumten Augen, dem volllippigen Mund, dem Figürlichen ging.
Die etwas abrupte Selbstfindung im Sat.1-Movie ist nun ein weiterer Schritt, um herauszukommen aus dem von ihr gelegentlich beklagten Schubladendenken der Regisseure und Caster. Mehr noch: Gegenwärtig steht sie - nach 20 Karrierejahren - erstmals als Schauspielerin auf einer Theaterbühne. An der Seite ihres früheren Partners Pierre Besson spielt sie im Potsdamer Schlosstheater, einem Ableger des dortigen Hans-Otto-Theaters, die lebenslustige Alceste in Molières "Der Menschenfeind". Jene Frau also, nach der sich der misanthropische Titelheld so vernunftwidrig sehnt.
Für Muriel Baumeister war es eine späte Genugtuung, endlich auf der Bühne zu stehen - und dann auch noch "eineinhalb Stunden lang" in Molières Alexandrinern zu "brabbeln", wie sie flapsig sagt. Ihr Ex-Freund, ein "altes Theatertier" aus der berühmten Familie Besson, hat ihr dabei als Partner geholfen. "Wir prügeln uns nicht", sagt sie, man müsse sich doch vertragen. "Schließlich haben wir eine zweijährige Tochter zusammen." Vor der Kamera haben die beiden schon häufig zusammen gespielt (zuletzt in "Das Bernsteinamulett"). Auch auf der Bühne soll das künftig öfter so sein.
Sie wolle "unbedingt immer wieder" Theater spielen, sagt Muriel Baumeister, auch wenn sie sich selbst "eher als Kameraschauspielerin" sieht. "Das Leise", so sagt sie, "liegt mir mehr." Dass es mit den Rollen nicht immer zum Besten stehe, liege nicht zuletzt auch an den Sendern. Die böten immer mehr Seichtes, gingen auf Sicherheit, statt Risiken zu wagen. "Wir müssen alle arbeiten", stellt sie schließlich noch klar, "ich habe zwei Kinder."
Ihr Sohn ist jetzt 14, die Tochter zwei Jahre alt. "Man braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen", lautet ein afrikanisches Sprichwort, das sie zitiert. Ein Dorf ist es im Falle Baumeister noch nicht, das bei längeren Dreharbeiten zusammenwirkt. Aber immerhin kümmern sich bislang neben ihr selbst: ein Kindermädchen, die beiden Väter - und ziemlich häufig auch ihre Mutter daheim in ihrem Geburtsort Salzburg. Dort fährt die Wahlberlinerin jederzeit hin, wenn sich ihr die Gelegenheit bietet.
Ansonsten gibt sie nur wenig von ihrem Privatleben preis. "Man muss der Öffentlichkeit nicht alles auf die Nase binden", sagt sie nach einigen bitteren Erfahrungen. Beruf und Familie versucht sie, in streng getrennten Bereichen zu halten. Kein Einwand, Euer Ehren.