Foto vergrößern
Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude: Allen Kicker-Fans verspricht das Erste jetzt schon ein Festjahr. "Die geraden Jahre sind immer die tollen Sportjahre", freut sich Bernhard Cromm, Geschäftsführer der ARD-Tochter AS&S, die für den Werbezeitenverkauf der Senderfamilie zuständig ist. In der anstehenden Fernsehsaison 2010 ist für die ARD, die zusammen mit den ZDF-Kollegen von der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika berichten wird, jedoch nicht nur der Ball am Rollen. Bei einer Präsentation der Höhepunkte in München punktete die ARD auch mit tollen Spielfilmen und einer rasanten neuen Actionserie, auf die die Zuschauer nun aber schon das zweite Jahr warten müssen.Fußball-WM in Südafrika, Handball-Europameisterschaft und die Olympischen Winterspiele in Vancouver: Sportfans können sich jetzt schon auf ein abwechslungsreiches Sportjahr 2010 freuen, bei dem sie - wie es der alte Werbespruch verspricht - tatsächlich häufig in der ersten Reihe sitzen werden. Jetzt schon die La-Ola-Welle geübt haben die ARD-Manager, die auf der Vorschauveranstaltung "Preview 10" die Höhepunkte der anstehenden TV-Saison bejubelten. Klappern, trommeln und tröten gehört zum Geschäft, doch wenigstens, was den Sport angeht, braucht sich das ARD-Programm tatsächlich nicht verstecken.
Doch die zwei Großereignisse bieten auch aus Zuschauersicht angenehme Eigenheiten: Die Winter-Olympiade in Kanada, die von 12. bis 28. Februar das tägliche ARD-Programm dominieren wird, sendet nämlich aus einem Land mit sehr strikten Werberichtlinien. Deswegen wird es für die TV-Kameras der Welt keine Werbebanden zu sehen sein - und die Skifahrer wedeln durch eine nahezu unberührte Landschaft ohne störende Reklame-Logos. Wegen der Zeitverschiebung von neun Stunden fällt für die zeitintensiven langen Rennen der beliebten Biathleten der Startschuss in Kanada zur Hauptsendezeit hierzulande, was viele Berufstätige freuen dürfte.
Naturgemäß spielt bei den geplanten ARD- und ZDF-Übertragungen aus dem WM-Gastgeberland Südafrika der Blick auf die Uhr keine Rolle, da das Land am Kap in der gleichen Zeitzone wie Mitteleuropa liegt. Daher können sich Fußball-Fans in der heißen Turnierphase vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 über Länderspiele zur vertrauten Anstoßzeit freuen. Die Erleichterung, dass sich das deutsche Team trotz nicht immer lupenreiner Leistungen für die WM-Teilnahme qualifiziert hat, war dem in München warm gelaufenen Fußball-Moderator Tom Bartels, dem ARD-Programmdirektor Volkers Herres eben erst eine große Zukunft bei der Sendergruppe vorhergesagt hatte, sichtlich anzumerken. Ganz Profi führte Bartels charmant durch die Münchner Sportpräsentation.
Dass auch das interessanteste Programm nichts nützt, wenn nicht ordentlich Wirbel dafür gemacht wird, ist die Lebensweisheit, die einen eher kleinwüchsigen Mann mit Stirnglatze antreibt, der jedoch zu den witzigsten Rhetorikern der ARD-Führungsriege gehört. "Wir haben viermal die Hauptdarstellerin ausgewechselt", schwärmt Dietmar Pretzsch, der als Leiter Programmmarketing die Sendungen des Ersten nicht nur bewirbt, sondern selbst auch liebt. "Die Zuschauer konnten wir damit nicht aus der Ruhe bringen." Die Rede ist vom ARD-Dauerbrenner am Nachmittag, der Herz-Schmerz-Serie "Sturm der Liebe", die Pretzsch vollmundig als "das erfolgreichste TV-Format Europas" anpreist.
Kein Wunder, selbst im Romantik-verwöhnten Fernsehland Italien, wohin die ARD die Serie verkauft hat, schluchzen die "Sturm der Liebe"-Fans die Taschentücher nass. Am 26. Januar 2010 strahlt das Erste die 1.000. Folge der Nachmittagsschmonzette aus - ein Termin, den Fans sich jetzt schon im Kalender rosarot vormerken sollten.
Beim Filmprogramm kann Pretzsch 2010 aus dem Vollen schöpfen: Nach dem Vorbild der an ARD-Hits wie "Mogadischu" oder "Der Baader Meinhof Komplex" angedockten Dokumentationen und angegliederten Diskussionsrunden setzt das Erste auch 2010 auf zuschauerstarke Film-Info-Kombinationen. Zu den fürs nächste Jahr angekündigten Kinoerfolgen, die nach kurzer Zeit schon ihren Weg ins Erste finden werden, zählt Sönke Wortmanns Bestseller-Verfilmung "Die Päpstin", "Die Wüstenblume" von Sherry Hormann oder Michael Hannekes eindrucksvoller Schwarz-Weiß-Film "Das weiße Band", der in Cannes die Goldene Palme gewann.
Eine Fernsehproduktion, auf die das Erste besonders stolz ist, ist die Henning-Mankell-Verfilmung "Kennedys Hirn", in dem Iris Berben eine Archäologin spielt, deren Sohn bei einem mysteriösen Todesfall, offiziell ein Selbstmord, ums Leben kam. Auf einem Buch von Amelie Fried basiert "Rosannas Tochter", in der eine Film-Ehe von den Schauspiel-Größen Veronica Ferres und Fritz Karl arg strapaziert wird, als sie unerwartet Familienzuwachs bekommen. Wer intelligente TV-Unterhaltung der Champagnerklasse schätzt, darf sich jetzt schon auf den neuen Dieter-Wedel-Film "Glanz und Gloria" freuen. Ulrich Tukur und Devid Striesow brillieren in der Gaunerkomödie, die locker auf der authentischen Geschichte des Hamburger Millionenbetrügers Jürgen Harksen beruht. "Damit geht das Jahr schon mal gut los", sagt Pretzsch. Die Ausstrahlung des Zweiteilers fällt bewusst in die erste Januarhälfe, in der die Zuschauer gerne fernsehen - "und das Wetter hoffentlich schlecht ist", so Pretzsch.
Ein weiterer Höhepunkt des Fernsehjahres 2010 hat schon einige Gewitterstürme und Kälteeinbrüche überstanden: Es geht um die mit Max Riemelt hochkarätig besetzte Actionserie "Im Angesicht des Verbrechens", bei der Star-Regisseur Domink Graf Regie führt. "Das wird eine Serie, wie man sie noch nie in der ARD gesehen hat", lobt Dietmar Pretzsch. Erzählt wird die Geschichte zweier Polizisten, die sich in Berlin mit der Russenmafia anlegen - ein Stoff, mit dem das Erste auf ein deutlich jüngeres Publikum zielt. Produzent ist Marc Conrad, der mit taffen Polizeistoffen wie "Abschnitt 40" oder dem wenigstens von Kritikern geliebten SAT.1-Vierteiler "Blackout" eine sichere Hand bewies. Einziger Schönheitsfehler: Der lautstark als Serienhit für den Herbst 2010 angekündigte Höhepunkt, in dessen Werbetrailer SEK-Einsatzkämpfer martialisch durchs Bild poltern, war schon mal der Serienhit 2009. Die Fertigstellung von "Im Angesicht des Verbrechens" verschob sich um mehr als ein Jahr - weil Conrads Produktionsfirma Typhoon in finanzielle Schwierigkeiten kam. Außerdem gab es immer wieder Gerüchte um den sehr fordernden Arbeitsstil von Dominik Graf. Da müssen die jungen Fans noch warten - und nicht zu schnell altern.
Bei der Unterhaltung schließlich sind sich die ARD-Granden ganz sicher, dass es mit der Programmverjüngung diesmal klappt. Immerhin hat man wie auch 2010 Ende Februar die Übertragung des renommierten Musikpreises "Echo" im Programm. An ähnlicher Front soll diesmal Stefan Raab für die ARD-Unterhalter den Karren aus dem Dreck ziehen. Gemeinsam mit dem ProSieben-Quotenhelden sucht das Erste in einem groß angelegten deutschen Vorentscheid "unseren Helden für Oslo". Ermittelt werden soll der Künstler, der anders als in den Vorjahren üblich, beim "Eurovision Song Contest" den Deutschen Glück bringen soll. Acht Sendungen sind geplant, drei davon laufen im Programm des Ersten. "Da wird eine emotionale Welle durchs Land laufen", ist sich Dietmar Pretzsch jetzt schon sicher. "2010 wird ein glückliches Jahr für das Erste." WM-La-Ola und die Raab-Welle: Die ARD macht sich locker.
(c) Teleschau - der Mediendienst GmbH