Die ruinieren wir! Das ZDF macht's möglich: "Der schwarze Kanal kehrt zurück" (Mo., 09.11., 23.50 Uhr)

30/10/2009 0:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern "Achtung Satire!", heißt's am Anfang: "Die folgende Geschichte ist frei erfunden." Und am Ende noch mal: "frei erfunden." Wirklich! Man kann nicht sicher genug gehen. Gerade als Zweites Deutsches Fernsehen, das zum Mauerfalljubiläum politisch korrektes Wendepathos am Fließband serviert. Da kann so ein kleiner, gemeiner Magenschlag ins nationale Wonnegefühl schnell mal falsch verstanden werden. Dabei sprechen die Namen der Verantwortlichen bereits Bände: "Der schwarze Kanal kehrt zurück" geht auf das Konto von Werner Doyé und Andreas Wiemers, sonst zuständig für die Satirerubrik "toll!" im ZDF-Magazin "Frontal 21". Die beiden tischen mitten im Festtagstrubel starken Tobak auf: "Die Geschichte der DDR - wie sie wirklich war ..."

Spät Geborene werden ihn kaum kennen: "Der schwarze Kanal" war eine Art Agitprop-Sendung des DDR-Fernsehens, in der ab 1960 der Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler zur medialen Schlammschlacht gegen das TV-Programm des Klassenfeinds blies. Noch 1997 pries der unverbesserliche Hardliner übrigens den Segen der Berliner Mauer: "Na Gott sei Dank haben wir die gebaut! Das war völlig richtig." Reichlich unverständlich. Aber mit dem Verständnis, so lernen wir nun in der ZDF-Neuauflage des Gift-und-Galle-Klassikers, ist das eh so eine Sache. Die Geschichte muss umgeschrieben werden. Mindestens mal.

Denn die lustigen Figuren - Chauffeure, Historiker, Sekretäre, Offiziere und sonstige "Zeitzeugen" -, die sich in vertrauter Dr.-Knopp-Manier vor schwarzer Tapete äußern, haben Erstaunliches zu berichten. Die DDR war ein gutmütiges Attrappenland und die Bewohner nur auf dreierlei scharf: das tolle Ostfernsehen, Uniformen und Dauerurlaub an der Ostsee. Und warum bitteschön dann der Mauerfall? Na, um den Westen endgültig zu ruinieren. Die Finanzkrise und die Verstaatlichung von Banken wurden vor 20 Jahren klug eingefädelt. Ossis an der Spitze der Bundesregierung und der Fußballnationalmannschaft! Hallo? Steht alles in der geheimen Honecker-Agenda.

Gewiss, ein bisschen bemüht ist der satirische Ansatz manchmal schon. Aber inmitten des angestrengt geschichtsträchtigen Wendejubels auch wirklich eine Wohltat. Zumal sich die schönsten Pointen kein Gagschreiber hätte ausdenken können. "Blühende Landschaften in drei, vier Jahren", verspricht da ein gewisser Helmut Kohl, seines Zeichens "Kanzler der Einheit". Der Mann ist nicht zu toppen.

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