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Selten, nur ganz selten wird Tom Bartels von Emotionen übermannt. Doch es gibt sie, jene besonderen Sportmomente, in denen der 44-jährige ARD-Kommentator nicht mehr an sich halten will. Gold für die Schwimmerin Britta Steffen nach einer fulminanten Aufholjagd. Sven Hannawald gewinnt als Erster auch das vierte Springen bei der Vierschanzentournee. Damals kommentierte Bartels noch bei RTL. Inzwischen ist er wieder bei seinem Heimatsender, dem Ersten, angekommen. Dort gilt er, bei Zuschauern wie Verantwortlichen gleichermaßen, als Sympathieträger, der nicht mehr nur im Sport seine Heimat finden könnte. Am Donnerstag, 26.11., 20.15 Uhr, führt er gemeinsam mit Katarina Witt durch die Bambi-Verleihung.teleschau: Wie wird man "Bambi"-Moderator?
Tom Bartels: Schriftlich beworben habe ich mich nicht. Ich wurde einfach angerufen und gefragt. Ich gebe zu: Das hat mich sehr gefreut, aber auch überrascht. Ich sehe mich ja nicht auf einer Höhe mit Harald Schmidt.
teleschau: ...der in den vergangenen Jahren der Moderator war.
Bartels: Mir wurde aber überzeugend dargelegt, dass von mir keine kabarettistische Darbietung erwartet wird, sondern ich in meiner normalen Rolle auftreten soll. Dann sagte ich zu. Es ist ja auch eine tolle Gelegenheit, so etwas kann ich nicht ablehnen.
teleschau: Wie wird Ihre Moderation aussehen?
Bartels: Der Bambi steht diesmal auch unter dem Einfluss von 20 Jahre Mauerfall. Da wünschte man sich Moderatoren aus dem Osten und dem Westen. Also Katarina Witt und mich. Für mich geht es schlicht darum, unterhaltsam und nett durch den Abend zu führen. Und das traue ich mir zu.
teleschau: Der Bambi gehört zu den größten Preisverleihungen in Deutschland.
Bartels: Ich habe tatsächlich schon manches Mal in meinem Leben gedacht: Eine größere Herausforderung kann es für dich gar nicht mehr geben. Der Kommentar zum EM-Finale. Die Moderation von "Deutschlands größtem Gedächtnistest" Ende des vergangenen Jahres im Ersten. Aber schon jetzt merke ich: Der Bambi ist noch einmal etwas anderes.
teleschau: Sie wirken stets eher bodenständig und zurückhaltend. Sind Sie denn jemand, der sich vom Glamour angezogen fühlt?
Bartels: Sagen wir es so: Ich werde so moderieren, wie ich eben bin. Ich werde da keinen Glamour vorspielen, den ich nicht versprühe. Ich bin sicher niemand, den es zu den glamourösen Veranstaltungen hinzieht. Aber ich habe an dem Abend nur eine Nebenrolle. Es geht darum, die Preisträger hochleben zu lassen. Verstehen Sie mich richtig, aber ich möchte da dann auch nicht stören.
teleschau: Wenn Sie zum jetzigen Zeitpunkt Ihrer Karriere selbst einen Bambi zu vergeben hätten, wem würden Sie ihn geben?
Bartels: Ich könnte viele Leute nennen, von denen ich etwas gelernt habe. Marcel Reif zum Beispiel, er hat mich zu RTL geholt. Auch bei Günther Jauch habe ich mir einiges abgeschaut, unter anderem diese Normalität, die ihm eigen ist. Ein Mann, ganz ohne Stargehabe. Daran orientiere ich mich.
teleschau: Es ist schon das zweite außersportliche Engagement in den letzten Monaten. Ihr Name fällt nun öfter, wenn es um die Moderation von Unterhaltungssendungen im Ersten geht.
Bartels: Der "Gedächtnistest" wird wohl auch weitergehen. 2010 haben wir im Sport mit Olympia und der Fußball-WM eine Ausnahmesituation. Aber es stimmt schon: Ich höre auch öfter, dass mein Name fällt. Konkretes gibt es aber nicht. Glauben Sie mir: Ich würde es Ihnen sagen, wenn ich es a) dürfte und b) könnte.
teleschau: Woran liegt es, dass gerade im vergangenen Jahrzehnt Sportmoderatoren auch immer wieder Unterhaltungs- oder Talkformate übernahmen? Man denke an Kerner, Beckmann, Pilawa. Bei Ernst Huberty in den 70er-Jahren wäre keiner auf so eine Idee gekommen.
Bartels: Aber erinnern Sie sich an Wim Thoelke. Das gab es also früher auch schon. Ich kann mir es nur so erklären, dass Sportmoderatoren sehr flexibel, sehr spontan sein können, weil sie oft mit Live-Situationen zu tun haben. Das mag ein Grund sein.
teleschau: Bisweilen werden Sie auch Teil der kollektiven Erinnerung an ein großes Sportereignis. Man nehme nur den Zieleinlauf von Britta Steffen bei den letzten Olympischen Spielen in Peking. Das wurde bis heute unzählige Male gezeigt.
Bartels: Ja, ich bekomme immer noch SMS, wenn es irgendwo läuft. Aber mit mir hat das nichts zu tun: Sie hat gewonnen. Vorher war es der Tourneesieg von Sven Hannawald, nachdem er alle vier Springen der Vierschanzentournee gewonnen hatte und den ich bei RTL auch kommentierte. Das lief auch überall rauf und runter.
teleschau: Ist der Umgang mit Sport und den Sportlern eine Möglichkeit zur Erdung?
Bartels: Nun, manchmal wundert es mich, welche Bedeutung manchem Ereignis zugemessen wird. Und wenn du näher hinschaust, ist es doch nur ein Fußballspiel. Elf gegen Elf, mehr nicht, und jeder Satz wird auf die Goldwaage gelegt. Für mich ist es wichtig, solche Momente nicht überhöht darzustellen. Wir Kommentatoren sind austauschbar. Niemand schaut zu, weil ich kommentiere. Alle wolle nur Deutschland gegen Spanien sehen.
teleschau: Dennoch scheint über den Sportkommentar hinaus Interesse an Ihrer Person zu bestehen? Werden Sie eines Tages mit prominenten Gästen am Montagabend um 22.45 Uhr über deren Leben sprechen?
Bartels: Naja, es gibt schon Schlimmeres (lacht). Ich bin aber sicher gut beraten, nicht über den Moment, und den Bambi, hinauszudenken. Ich kann es nicht beeinflussen. Erst einmal zählt nur der Bambi. Und wer weiß: Vielleicht mache ich danach nur noch Sport (lacht).
teleschau: Auf diese Weise werden Sie aber beim Zuschauer auch zunehmend prominenter. Man erkennt Ihr Gesicht, nicht mehr nur Ihre Stimme.
Bartels: Auf meine Stimme werde ich oft angesprochen, das ist richtig. Aber ich glaube nicht, dass sich nach dem Bambi daran etwas ändern wird. Mag sein, dass das noch kommt. Ich beneide aber manche Kollegen nicht um ihre Popularität. Ich erinnere mich an Günther Jauch bei der Vierschanzentournee. Was da los ist, wenn er auftaucht. Er kann ja nicht mal ein Restaurant besuchen, ohne dass da plötzlich acht Leute um ihn herumstehen.
teleschau: Noch eine Fußballfrage: Mönchengladbach ist Ihr Verein.
Bartels: War mein Verein.
teleschau: Jetzt nicht mehr?
Bartels: Ich bin neutral, seit Langem schon. Ich weiß, Fußballfans können so etwas nicht verstehen, nachdem man in der Jugend mit dem Trikot daheim im Zimmer saß. Aber als ich Anfang der 90er-Jahre beim SWR begann zu arbeiten, war ich zunächst oft beim VfB Stuttgart, dann auch beim Karlsruher SC unterwegs. Es ergab sich eine Beziehung zu den Vereinen. Und irgendwann war Gladbach dann verschwunden. Der Fan hat sich einfach in Luft aufgelöst.
teleschau: Aber der VfL Osnabrück ...
Bartels: ... das ist etwas anderes. Lothar Gans, der dort Sportdirektor ist, war mein Trainer, als ich damals Landesliga spielte. Das ist dann schon eine Ausnahme.
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