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Wo waren Sie am 17. März 1994? Diese Frage könnten wohl die wenigsten Deutschen beantworten. Doch es kann sich fast jeder, egal ob im Osten oder im Westen aufgewachsen, auch 20 Jahre später noch genau erinnern, wo er sich am 09. November 1989 gerade aufhielt; und daran, was er bei der Nachricht empfunden hat, dass die Mauer offen ist. Selbst wenn er noch ein Kind war, im Ausland oder mit etwas beschäftigt, was mit der Wiedervereinigung nun überhaupt nichts zu tun hatte. An Staunen, Gleichmut, Glück und viele Fragen ... Hier denken einige TV-Prominente aus dem wiedervereinigten Deutschland an ihren ganz persönlichen 09. November 1989 zurück.Franz Dinda (26) - Der Schauspieler, der vor kurzem im ARD-Drama "Jenseits der Mauer" zu sehen war und den ProSieben-Mehrteiler "Go West - Freiheit um jeden Preis" (Arbeitstitel) abgedreht hat, wurde in Jena geboren und flüchtete kurz vor der Wende mit seiner Mutter in den Westen: "Ich saß mit meinen sechs Jahren in der Küche einer Darmstädter Sozialwohnung und konnte meiner Mutter damals in keiner Weise gerecht werden, als sie mir - wie vom Blitz getroffen - mitteilen wollte, was passiert war. Mein unbeteiligtes Kopfnicken muss für sie ziemlich absurd gewesen sein oder eben kindliche Logik: Wer braucht schon Mauern?!"
Andreas von Thien (42) - Der RTL-Sportmoderator war zu dieser Zeit Student in Leipzig: "Ich war dort, wo alles begann. In Leipzig. Es war Donnerstagabend, eigentlich ein Tag wie jeder andere im Studentenwohnheim. Zusammen mit anderen Journalistik-Studenten saß ich in unserem Zimmer, bis um kurz nach 19 Uhr ein Kommilitone die Tür aufstieß und brüllte: 'Ihr glaubt es nicht: Die Mauer ist auf!' Gemeinsam haben wir sofort die Nachrichten aus Ost und natürlich auch West im Fernsehen geschaut. Wir konnten es alle nicht fassen, es wurde überschäumend diskutiert, alle hatten einen gefühlten Puls von 200. Jeder einzelne schmiedete Pläne, jeder wollte so schnell wie möglich mal in den Westen fahren."
Hans-Werner Meyer (45) - Der in Hamburg gebürtige Schauspieler war zuletzt unter anderem in den DDR-Dramen "Prager Botschaft" (RTL) und "Wir sind das Volk - Liebe kennt keine Grenzen" (SAT.1) zu sehen: "Ich war auf der Schauspielschule in Hannover und hatte eindeutig andere Dinge im Kopf als den Fall der Mauer. Für mich war die DDR ein anderes Land und die Tatsache, dass so viele Menschen es verlassen wollten, eher eine bedrohliche Perspektive. Die Tatsache, dass der Drang nach Freiheit so stark sein kann, dass er in einer friedlichen Revolution mündet, die einen sich nur noch mit Gewalt über Wasser haltenden Staat hinwegfegt, war außerhalb meines Vorstellungsvermögens. Erst mit einem Abstand von 15 Jahren war es mir möglich, angemessen Freude und Stolz zu empfinden."
Stefanie Hertel (30) - Die Sängerin stammt aus den Vogtland: "Ich war zwar erst zehn Jahre alt, aber ich habe eine Menge mitgekriegt und kann mich gut erinnern - auch an das Eingesperrtsein. Wir lebten in Grenznähe, da war alles noch strenger. Am ersten Morgen, nachdem die Grenze auf war, fehlte in der Klasse eine Handvoll Schüler. Die sind gleich mit ihren Eltern rübergefahren. Ich musste warten - weil mein Vater gerade auf Tournee war und meine Mutter sagte: 'Wenn wir rüberfahren, dann gemeinsam.' Mit zwei Wochen Verspätung fuhren wir dann mitsamt der Omi im Auto nach Franken. Alle heulten, als wir die ehemalige Grenze passierten. Weil in Hof totaler Trabbi-Alarm war, fuhren wir nach Kulmbach, dort gab's vom Begrüßungsgeld eine Barbie-Puppe. Aber am lustigsten war für mich eine Apotheke mit automatischer Tür. Ich ging, glaube ich, 20-mal durch."
Michael Härle (41) - Der Schauspieler wurde in Bochum geboren und gehört heute zum Team der "SOKO Wismar" im ZDF: "Am 09.11.89 habe ich mit drei befreundeten Studenten in Marburg an der Lahn bei diversen Flaschen Rotwein zusammengehockt und mit glänzenden Augen darüber philosophiert, ob es vielleicht bald einen gemeinsamen deutschen Staat mit einem demokratischen sozialistischen System geben könnte, einen 'Sozialismus mit menschlichem Antlitz', anders als alles bisher da gewesene! Eine lange, weinselige Nacht, euphorisch, verträumt, blauäugig vielleicht ... Irgendwann, spät, ging ich schlafen, und am nächsten Morgen war die Mauer offen - ohne dass ich irgendetwas davon mitbekommen hätte!"
Loretta Stern (35) - Das Multitalent, das demnächst auch in die "Schillerstraße" zieht, ist ein Kind des Westens, aber mit dem im Osten gebürtigen Sprecher Matti Klemm verheiratet: "Ich war zu dieser Zeit im Rahmen eines Schüleraustauschprogramms in Frankreich, wohnte bei einer Familie nahe des internationalen Gymnasiums von St. Germain-en-Laye im Westen von Paris, und wir sahen alle zusammen im Fernsehen die unglaublichen Bilder. Alle bestürmten mich mit Fragen, wollten von mir wissen, wie sich das nun anfühlt, und was es für Deutschland bedeutet. Mit meinen damals spärlichen 15 Jahren Lebenserfahrung und ohne direkte Ostverwandtschaft war ich etwas überfordert mit der Auswertung der Situation! In einem der ersten Gespräche mit meinem aus Leipzig stammenden Mann wollte ich ihm 'meinen' 9. November berichten, startete die Erzählung aber unglücklicherweise mit den Worten 'Als die Mauer fiel, war ich in Paris...', worauf mein Lieblings-Sachse nur trocken anmerkte: 'Na, da wär' ich auch gerne gewesen!"
Stephan Luca (35) - Der Schauspieler, der unlängst für SAT.1 eine Zeitreise in die DDR des Jahres 1984 unternahm ("Mörder kennen keine Grenzen"), wuchs in Stuttgart auf und war zur Zeit des Mauerfalls 15 Jahre alt: "Ich interessierte mich damals eher für Sport und gehörte nicht der politischen Gruppe der Klasse an. Meine bleibende Erinnerung an den Mauerfall besteht darin, dass David Hasselhoff an der Mauer stand und 'I've Been Looking For Freedom' sang."
Oscar Ortega Sánchez (47) - Der in Mannheim gebürtige Schauspieler ist derzeit als türkischer Ermittler in der ARD-Reihe "Mordkommission Istanbul" zu sehen und stand damals am renommierten Hamburger Thalia Theater auf der Bühne: "Am 9. November 1989 befand ich mich in den Endproben von 'Dantons Tod', das heißt in völliger Unkenntnis der Dinge, die im realen Leben vor sich gehen. (Regie führte die schon immer mit allen Reisefreiheiten ausgestattete Ruth Berghaus, Gott hab sie selig, er möge ihr aber auch bitte die Boshaftigkeiten unter die Nase reiben, mit denen sie uns getriezt hat.) Als ich Anfang Dezember vom Mauerfall erfuhr, wurde mir schlagartig bewusst, warum es in Hamburg in den Wochen zuvor so entsetzlich nach Abgasen gerochen hatte. Aber glücklicherweise hat sich das ja mittlerweile geändert."
Andreas Schmidt (45) - Der Schauspieler ("Fleisch ist mein Gemüse") wuchs in West-Berlin auf: "Ich verbrachte mein ganzes Leben in Berlin. Und als die Mauer runterkam ... war ich im Engagement in Bonn! Da saß ich in einem Schwesternwohnheim und erlebte es vor dem Fernseher staunend mit. Ich freute mich wahnsinnig, aber es kamen auch schnell Gedanken wie: Was passiert jetzt? Sind mir nicht erst einmal die Menschen, die um mich herum sind - mein türkischer Gemüseverkäufer - näher als Leute aus Leipzig? Wie finden diese beiden Völker, die 40 Jahre lang getrennt waren, wieder zusammen? Wenn ich die Leute am Anfang direkt befragte, erzählten sie noch nicht offen, da wurde ich mit Vorsicht betrachtet. Das veränderte sich im Laufe der Jahre. Bei der Arbeit erlebte ich, wie wichtig es gerade für den Westen war, dass die Mauer fiel. Ich finde, die Filmemacher im Westen lernten eigentlich erst durch Leute wie Andreas Dresen, Wolfgang Kohlhaase oder Bernd Böhlich, deutsche Geschichten zu erzählen."
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