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Brooke Shields, Schauspielerin und selbst einst Kinderstar, war sicher auch in diesen Zeiten für ihn da. Ihr Rede rührte, klang nach dem ehrlichen Abschied einer guten Freundin. Schön auch, dass man von ihr erfährt, wie gern und herzlich der Mann lachte, der uns vor allem in den letzten Jahren vom Boulevard als bemitleidens- bis verabscheuenswerte Karikatur seiner selbst vorgeführt wurde. Genüsslich zoomten die Titelseiten auf sein zerstörtes Gesicht, suhlten sich in seinen Schuldenbergen und mokierten sich übers Masken-Versteckspiel des Stars in der Öffentlichkeit.
Doch wie normal soll sich ein Mensch denn benehmen, der nie Normalität kennen gelernt hat. Der als Kind brutal auf Erfolg getrimmt wurde, dessen gigantisches musikalisches Talent ihn von einem Höhenflug zum nächsten trug, dessen verletzte Seele nur im selbsterschaffenen Nimmerland Ruhe fand, der nie auf die Straße gehen konnte, ohne Hysterie auszulösen und der schließlich mit den schlimmsten Anschuldigungen vor Gericht gebracht wurde. Dass er dort freigesprochen wurde, war wichtig - doch sein Ruf konnte damit nicht wieder hergestellt werden. Sicher, keiner von uns kann sagen, was wirklich geschah. Doch sollten wir nicht im Zweifel für den Angeklagten sein?
Öffentliches Trara?
Die schlimmsten Zeiten kamen bei der Feier im Staples Center in L.A. kaum zur Sprache. Vielleicht gut so, denn schließlich sollte hier Werk und Leben gefeiert werden. Und das ist auch gelungen - selbst wenn Jackos Vertraute Liz Taylor das ganze missbilligend als "öffentliches Trara" bezeichnet haben soll. War es ja auch, aber ein gutes. Und schließlich: Wie hätte man einen der größten Entertainer der Welt besser verabschieden können, als mit so einer grandiosen und respektvollen Show, die von Hollywood nicht besser inszeniert worden sein könnte? Kaum einer wird nicht feuchte Augen bekommen haben, als Jermaine Jackson solo das Lieblingslied seines Bruders sang. Wie passend: Es ist das Lied, dass ein anderer kindlicher Megastar und Unterhaltungsgigant komponierte: Charlie Chaplins "Smile".
Der beste Vater
Nicht der einzige Gesangsauftritt der Gänsehaut erzeugt: Mariah Carey singt engelssanft "I'll be there", Stevie Wonder setzt sich mit einem für Michael umkomponierten Song ans Klavier, die schwangere Jennifer Hudson packt ein Meer an Gefühlen in "Will you be there". Auch Lionel Richie ist da, singt "Jesus is love".
Ein weiterer bewegender Moment, als Usher Jacksons "Gone to soon" performt, an den Sarg tritt und in Tränen ausbricht. Die Familie, die in der ersten Reihe sitzt, steht auf, um ihn zu umarmen und zu trösten. Auch Michaels Kinder sind da. Töchterchen Paris stellt sich sogar ganz am Ende der Trauerfeier selbst vors Mikrofon. Viel ist es nicht, was die weinende 11-Jährige herausbringt, doch es ist so wichtig: "Michael war der beste Vater, den man sich wünschen kann."
Gut, dass das die Welt gehört hat - und noch einiges andere, was das hoffnungslos verzerrte Bild eines der größten Künstler unserer Zeit zurechtrückte. Michael war ein liebender Vater, er war ein Showbiz-Genie und ein Jahrhunderttalent, er lachte gern, er kümmerte sich um andere Menschen, er versuchte mit seinen Mitteln sein Möglichstes, um die Welt, wie er selbst sang, zu einem besseren Ort zu machen. Für sich selbst ist ihm das am Ende nicht gelungen
Was wäre besser
Wer nicht mehr ohne Schmerzmittel leben kann, für den ist die Welt kein schöner Ort. Was nicht nahe legen soll, dass es - wie man es dieser Tage gelegentlich hört - vielleicht besser für ihn gewesen ist, so früh zu sterben und unsterblich zu werden. Das ist grundfalsch: Es wäre besser für ihn gewesen, ein Comeback zu erleben und so viel Liebe, wie sie ihm im Tod entgegengebracht wurde. Es wäre besser gewesen, wenn er seine Kinder hätte aufwachsen sehen können. Es wäre besser gewesen, wenn er als alter Mann mit einer alten Brooke Shields noch hätte kichern können. Und es wäre besser gewesen, wenn er hätte genießen dürfen, dass ihm die Boulevardwelt Respekt erweist, statt ihn bei jedem Auftritt in einer Text- und Bild-Autopsie zu zerfleddern.
Doch das konnte er nicht - und das ist furchtbar traurig. Gut, dass wir via TV wenigstens einen würdigen Abschied nehmen konnten.
Eure Kate
Der Abschied: Hier gibt's die besten Bilder ...Zurück zum TV Blog | Im Forum diskutieren
_____________________________________Fotos: © gettyimages
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Benutzer Kommentare
schön geschrieben!!
Posted by: danida_de on Mi 11:36 08.Jul. | Missbrauch meldenIhr Artikel war sehr gut und wird den Leistungen von Michael Jackson gerecht. Warum hätte man alte Geschichten aufwärmen sollen. Schließlich wurde Michael freigesprochen. Mir tut das alles sehr leid. Ich habe ihn gemocht und seine Musik war grandios
Posted by: gschirmuli on Mi 11:37 08.Jul. | Missbrauch meldenals journalistin kann ich da nur sagen sehr guter artikel kate wo waren sie alle, als es ihm schlecht ging? tina
Posted by: tina_meuren on Mi 11:42 08.Jul. | Missbrauch meldenSchön geschrieben... Er wird immer bei uns sein. Rest in Peace Jacko... we will never forget you....
Posted by: anju.p1988 on Mi 11:43 08.Jul. | Missbrauch meldenEs ist sehr schade das ein so grosser Künstler viel zu früh gehen musste.
Posted by: smitsastrid on Mi 11:46 08.Jul. | Missbrauch meldendanke kate! wir richten über menschen als hätten sie keine seele und wollen nicht sehen sehr wir sie und auch uns damit verletzen... da war so viel freude, energie und liebe in ihm - jeder der ihn auf der bühne erlebt hat kann/konnte das spüren... leb wohl michael!
Posted by: a.ll_is_one on Mi 11:57 08.Jul. | Missbrauch meldenIhr Artikel ist wie mit meinen Worten formuliert. Ich möchte nur noch zu den Anschuldigungen ergänzen, daß ich der Meinung bin, daß die Verantwortlichen nur Michaels Geld haben wollten, ihm seinen Erfolg nicht gegönnt haben. Soll er jetzt in Frieden und Geborgenheit ruhen. Dort wo er jetzt ist kann man ihm nichts mehr böses antun. Er wird mit seinen Bildern und Musik immer in meinem Herzen bleiben
Posted by: galloberlin2000 on Mi 11:58 08.Jul. | Missbrauch meldenRest In Peace, King Of Pop......
Posted by: bitter.rolf on Mi 12:05 08.Jul. | Missbrauch meldenSehr gut geschrieben.Als seine Tochter sprach konnte auch ich meine Tränen nicht zurückhalten.Was wissen wir welches Verhältnis er zu seiner Familie, zu seinen Kindern hatte. Aber im Urteilen und Verurteilen sind wir ja immer gross. Er passte nicht in dieses Schema wie sämtliche andere "Stars", ob Schauspieler, Sänger oder Sportler. Schlägt man die Zeitung auf sollte man zuerst die Unterzeile der Bilder lesen, damit man weiss mit welchem Retortenstar man es zu tuen hat.Unterscheiden lassen sie sich nämlich kaum noch, da sie sich immer der Modemarktlage angepassen. Michael Jackson war einer der wenigen ganz Grossen, ob es einem passt oder nicht.
Posted by: sabidenia on Mi 12:10 08.Jul. | Missbrauch meldenHat denn jemand die Trauerfeier aufgezeichntet? Oder weiß jemand, wann oder ob ne Wiederholung kommt?? Ich hätte es so gerne gesehen!
Posted by: simone15777 on Mi 12:39 08.Jul. | Missbrauch melden