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Die ewige Diskussion: Verblödet man vor der Glotze, schadet es nix oder wird man sogar schlauer? Sicher ist, dass manche Sendungen gut sind für die kleinen grauen Zellen und die Allgemeinbildung. Andere stören die Hausfrau nicht beim Bügeln und bei wieder anderen schwanken die Gefühle zwischen Frust, Faszination und Verzweiflung. Bei Formaten aus der letzten Kategorie wäre Abschalten die sinnvollste Reaktion. Doch irgendwas haben manche dieser Mattscheiben-Machwerke an sich, dass man doch nicht zur Fernbedienung greift. Vielleicht weil man sich so schön aufregen kann, weil das Hirn auf entspannten Leerlauf schaltet oder weil es einfach unfassbar ist, dass es so was wirklich gibt.
Pam-Pam-Pam
Mit dem Untertitel "Du & Ich" startet am 20. August 2009 auf ProSieben die neue Staffel der Castingshow. Selbstverständlich ist auch diesmal wieder Detlef "D!" Soost Jurymitglied Nummer eins. Und das ist auch schon der größte Kritikpunkt. Motto des Tanzcoachs: "Bis einer heult". Mit Tränen macht man Quote - und deshalb unternimmt der von sich selbst übermäßig eingenommene Berliner alles, um die Möchtegern-Berühmtheiten zum Zusammenbruch zu bewegen. Ob er sie in Drill-Instructor-Manier zu Boden brüllt, mit fiesen Psychospielchen ausknockt oder einen auf großer Bruder macht. Bisher hat er es noch bei fast jeder geschafft. Und wer nicht mitspielt beim selbstinszenierten Gesangs-Drama, fliegt eben raus. Erstaunlich, dass trotzdem das eine oder andere Talent bis zum Ende durchhält.
Tauschweiber auf Kriegsfuß
Wie bringt man Menschen dazu, sich zu hassen? RTLII hat den Dreh raus. Im leider recht erfolgreichen Format "Frauentausch"
hetzt man bemitleidenswerte Existenzen aufeinander, die sich im
Idealfall gegenseitig zerfleischen, einen Nervenzusammenbruch kriegen
oder vor Wut austicken. Klappt oft genug. Weil die Macher penible
Putzteufelinnen in Chaoshaushalte schicken, Dicke zu Fitnesswütigen,
leidlich Emanzipierte zu Megamachos, Beschränkte zu eingebildeten
Klugen. Mal abgesehen davon, dass man schon komisch drauf sein muss, um
so was überhaupt mitzumachen. Und deswegen wird in den zwei
Tausch-Haushalten regelmäßig auf unterstem Niveau gepöbelt, getriezt und gehetzt. Das ist nicht nur schlechtes Fernsehen, das ist auch moralisch fragwürdig.
Krumme Bestecktour
Ob sich die Löffel bogen, weil sie den geballten Mystery-Grusel-Quatsch
genauso wenig ertragen konnten, wie wir Zuschauer? Staunende B-Promis
und so genannte Mentalisten, die eigentlich Trickzauberer sind: Das
Paket wollte uns der Uri in "The Next Uri Geller"
als faszinierende Show der unfassbaren Phänomene verkaufen.
Schwachsinnig statt übersinnlich - so das Fazit dieser Castingshow auf
ProSieben. Das Beste daran - wenn man es überhaupt länger mit
Rabenflüsterern und Pseudo-Gedankenlesern aushielt - war die
unfreiwillige Komik, wenn mal wieder ein Trick nicht recht
funktionieren wollte oder es einer der Mystery-Helden mit der
Geheimnistuerei übertrieb.
Ab in den Keller
Neues Thema für Aiman Abdallah: Wie wäre es denn, wenn er das Kompetenzteam von "Galileo Mystery" auf die Frage ansetzt, warum wir den pseudowissenschaftlichen TV-Quark
ansehen, den sie produzieren. Zumindest ein paar von uns. Wäre
jedenfalls interessanter, als darüber nachzugrübeln, ob das US-Militär
Aliens versteckt, ob man Geister fotografieren kann oder ob ein ganz
gemeiner Magnetsturm unsere Erde bedroht. Und man könnte prima das
übliche Arsenal der ProSieben-Formats einsetzen: flackernde
Bildschirme, lichtlose Kellergänge, Verschwörerminen und so genannte
Experten.
Wer Frösche küsst...
Manchmal kriegen wir, was wie verdienen. So auch Giulia Siegel, die sich mit ihrer Männersuche auf ProSieben dem Gespött der TV-Kritiker preisgab. Weil die Romanze mit dem glücklichen Sieger schneller zerbrach, als Vater Ralph einen neuen Grand-Prix-Hit komponieren kann, wäre dieses Format eigentlich prädestiniert für eine Fortsetzung. Vermutlich fänden sich mehr Typen zwischen Neandertaler, Naivling und Publicity-Abstauber, die erneut um das Herz der Blondine wetteifern würden. Doch die Quoten sprechen eher eine andere Sprache: Giulia wird also wie wir alle selbst auf die Suche nach dem Traummann gehen müssen. Falls es Fans da draußen gibt: Ab demnächst versuchen Desiree Nick, Sabrina Setlur und Maja von Hohenzollern auf Sat.1 den Partner fürs Leben zu finden.
Und täglich grüßt die Vorabendserie
Wie wär's mit einer Umbenennung in SZSZ? "Schlechte Zeiten, Schlechte Zeiten" passt besser zum Dilettantischsten, was die deutsche Schauspiellandschaft zu bieten hat. In "GZSZ" versuchen die mäßig talentierten Jungs und Mädels, unfallfrei durch die abstrusen Stories der Soap zu stolpern. Warum die trotzdem schon so lange funktioniert? Grund: Vermutlich der Mix aus prima Sendeplatz (Einstiegsentspannung am Feierabend) und dem guten alten Cliffhanger-Prinzip. Man will halt wissen, ob die Freundin des Mannes der mutmaßlichen Mörderin nun eine Affäre mit dem durchgeknallten Bruder des Cafébesitzers hat oder ob der unheimlich süße Verkäufer doch alles erfunden hat, um die potentielle Mutter seines Kindes davon zu überzeugen, dass er nicht fremdflirtet sondern an seiner Karriere als Tangotänzer arbeitet. Oder so ähnlich.
Germany's Next Noname
Was soll schon rauskommen, wenn man eine Werbeikone und einen Showpraktikanten in eine Jury setzt. Gut, DJ Bobo war auch dabei. Der ist zwar kein wahnsinnig anspruchsvoller Künstler, aber ein professioneller Entertainer, der sein Handwerk versteht und nebenbei auch noch ein netter Typ ist. Doch mit Verona und Elton am Entscheiderpult bei "Germany's Next Showstars" war das ProSieben-Konkurrenzformat zum "Supertalent" von Anfang an trashverdächtig. Gehofft hatte man wohl auf ein Überraschungsknaller wie Susan Boyle oder Paul Potts. Doch entweder gibt es solche Rohdiamanten hierzulande nicht, oder sie haben Besseres zu tun. Pikant: Die tatsächlichen Gewinner, eine Tanztruppe, wollten zwischenzeitlich ihren Gewinn nicht - die Teilnahme an DJ Bobos Europa- Tournee. Angeblich, weil die Gage zu klein war. Nun sollen sie doch dabei sein...
Mission:Impossible
Die "Mission Hollywood" war verdientermaßen nicht erfolgreich. Dabei könnte es spannend sein, angehenden Kinostars die Daumen zu drücken. Allerdings nicht, wenn Til Schweiger Regie führt. Der holte die gute alte Casting-Couch vom Dachboden und ließ die jungen Frauen stöhnen, Erotikszenen spielen und Männer bespringen. Keinohrhase Til saß mittendrin und fühlte sich offenbar pudelwohl. Brrr, das war Schmuddel-TV der zweituntersten Schublade. Wollen wir nicht mehr sehen und müssen wir wohl auch nicht. "Mission Hollywood" wurde von Beginn an mit überschaubaren Einschaltquoten abgestraft, dann vom Sender RTL auf einen unattraktiven Sendeplatz verlegt. Die Gefahr einer zweiten Staffel scheint gering.
Volkstümelei
Schwiegermütterträume, die Vollplayback-Künstler durch die kitschigen Kulissen hetzen, sind noch so ein mickriges Pflänzchen unserer TV-Flora. Wobei natürlich nix dagegen einzuwenden ist, wenn sich die meist etwas ältere Zielgruppe an volkstümlichen Melodien erfreut. Doch muss es in so einem Rahmen geschehen? Ob die Herren nun Maxi Arland heißen, Florian Silbereisen oder Hansi Hinterseer: Sie alle trällern sich mit einer Heitschibumbeitschi-Fröhlichkeit durch Shows, die mit Volksmusik nicht mehr viel zu tun hat. Sicher sind sie und ihre Kollegen auch ehrenwerte, hart arbeitende Entertainer. Aber ein bisschen mehr Ehrlichkeit, Echtheit und Qualität dürfte doch drin sein. Wenn das die heile Welt ist, ist die kaputte besser!
Cornwall-Kitsch mit falschen Briten
Sie heißen "Zerrissene
Herzen" oder "Preis der Liebe" und spielen in Großbritanniens
schönsten Landschaften. Die zumindest kann man im Öffentlich-Rechtlichen bestaunen und
den nächsten Urlaub in Wales oder Cornwall planen.
Auch eine zu 110 Prozent vorhersehbare Handlung ist verzeihlich als Relaxtherapie für alltagsgeplagte Gemüter. Weniger schön:
deutsche Schauspieler der Mittelklasse, die in den Rosamunde-Pilcher-Filmen
einen auf Engländer machen und dabei inmitten all der Landsitzpracht so unbritisch wirken, wie ein Schweinebraten mit
Knödeln. Auch nervig: deutsche
Schauspieler der Mittelklasse, die beim skandinavischen Pilcher-Pendant
"Inga Lindström" einen auf Schweden machen - mit ebenso wenig
Überzeugungskraft.
Eine Top Ten reicht kaum: "Big Brother" haben wir noch nicht genannt - oder das unsägliche "Sommermädchen 2009". Und sicher stehen schon einige Formate in den Startlöchern, die diesen "Favoriten" den Rang ablaufen könnten. Ich bin gespannt, werde vermutlich wieder vieles davon anschauen und mich angenehm gruseln...
Wie ist es mit Euch? Weitere Flop-Vorschläge?
Ich bin gespannt
Eure Kate
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Benutzer Kommentare
Passen Sie dieses auf: http://www.youtube.com/watch?v=doGoiU6e7O0
Posted by: matic1one on Mi 02:10 19.Aug. | Missbrauch meldenlol
Posted by: bartimaeus5000 on Di 12:24 25.Aug. | Missbrauch meldennoch mehr kritik gibt es übrigens auch bei http://fernsehkritik.tv/ da ist alles auf video empfehlenswert
Posted by: arne.schrader on Fr 19:01 28.Aug. | Missbrauch melden