"Wer wird Millionär?"-Jubiläumsshow - ein WWM-Abend wie jeder andere

Mo 11:13 14.Sep. von Susu

Günter Jauch kann auf 10 erfolgreiche Jahre zurückblicken "Wer wird Millionär?" wird 10 - das ist RTL immerhin drei Jubiläumsshows wert. Aber wo waren die erhofften Überraschungen? Wer einen runden Geburtstag feiert, hat ja wohl ein wenig mehr verdient als nur doppelte Sendezeit.

Zugegeben, die eingeladenen Gäste waren interessant. Aber so etwas hat man auch in einer ganz normalen Folge. Und dass Günther Jauch immer wieder für einen lockeren Spruch gut ist, weiß inzwischen jeder mehr oder weniger treue WWM-Zuschauer. Zumindest einen Promi, der Jauch gratuliert, hätte ich gerne gesehen. Oder wenigstens eine Geburtstagstorte. Aber was bleibt dann eigentlich von der so heiß angepriesenen Jubiläumsshow? Gehen wir den Abend doch noch einmal durch.

Nichts Besonderes
Bei der Vorstellung der Kandidaten merkte man schon, dass die ganz interessant sind: Jeder hatte ein ungewöhnliches Hobby, einen spannenden Beruf und/oder sah anders aus als die Norm - was dem ersten Kandidaten Oliver Schmidt aber nicht automatisch zur Million verhalf. Es war eher traurig mitansehen zu müssen, wie der Einzelhandelskaufmann aus Bückeburg an der 8.000 Euro-Frage scheiterte. Aber sympathisch war er, der junge Mann mit den rotgefärbten Haaren und den vielen Tätowierungen. Apropos Tätowierungen: Er erzählte Günther Jauch, was er mit der Million machen würde - und dieses Vorhaben schien dann wohl auch ausschlaggebend gewesen zu sein, dass Herr Schmidt in die Jubiläumsshow gekommen war. Er wollte sich (mal wieder) tätowieren lassen. Und zwar einen Dackel. Jauch schaute etwas irritiert angesichts der Tatsache, dass man auf Schmidts Körper auf den ersten Blick keine freie Stelle mehr sehen konnte. Naja. War auf jeden Fall eine ganz nette Unterhaltung. Aber eben auch nichts Besonderes. Oliver Schmidt ging also mit 500 Euro nach Hause, für ihn setzte sich Karola Lünsmann auf den heißen Stuhl - und jetzt wurde es interessant...

Fischfrau gegen Jauch
Sie war die Frau, die den Abend retten sollte: Karola Lünsmann, Fischfrau aus Scheesel. Gleich zu Beginn fing sie mit ihrem "Herrn Jauch" eine Diskussion über Sternzeichen an und konnte dabei auch ihren geschiedenen Mann nicht aus dem Spiel lassen "Ich konnte nichts machen. 14 Jahre damit. Der blieb immer Jungfrau...was soll ich damit, Herr Jauch?" In diesem Stil sollte es dann auch weitergehen. Es gab wohl kaum jemanden im Publikum, der die sympathische Dame nicht sofort ins Herz geschlossen hatte. Und wenn Günther Jauch gekonnt hätte, hätte er ihr die Million auch einfach so gegeben. Frau Lünsmann legte eine so gewinnende Art an den Tag, dass der Moderator einfach nicht anders konnte, als ihr zu helfen. Und wenn Frau Lünsmann mal wieder bei einer Frage gerade so noch die Kurve bekommen hatte, merkte man Günther Jauch die Anspannung deutlich an: "Es ist so aufregend mit Ihnen!" - "Herr Jauch, ich werd noch ruhiger." Ein leeres Versprechen. Aber wer WWM anschaut, will es ja auch nicht anders. Bei 16.000 Euro angekommen, stellte Jauch dann die unvermeidliche Frage danach, was Frau Lünsmann mit dem Geld anfangen wolle. Die Antwort kam prompt: "Ach, Herr Jauch, das ist schon alles verplant.... Alle haben schon Ansprüche gestellt. Ich möchte nur eine neue Brille." Zum Knuddeln, die Frau Lünsmann - bei dieser Kandidatin ging wohl jedem das Herz auf. Doch irgendwann ist für jeden Kandidaten Schluss. Karola Lünsmann stieg bei der 64.000 Euro-Frage aus, nachdem sie alle Joker verbraucht hatte. Und hatte noch ein (unmoralisches) Angebot für Günther Jauch parat: "Machen Sie mit mir, was Sie wollen, Herr Jauch. Ich kann kochen, Herr Jauch, ich kann auch im Garten was tun." Zumindest einen Moment lang scheint der Moderator drüber nachgedacht zu haben... Frau Lünsmann hatte also 32.000 Euro gewonnen. Und war irre stolz darauf. Mit ihren Schlussworten sammelte sie dann noch mal jede Menge Sympathiepunkte: "Einmal wollt' ich allen zeigen, dass man auch als Fischfrau nicht so dusslig ist!"

Auf Tauchgang
Nach dem Auftritt der Fischfrau aus Scheesel konnte es jeder weitere Kandidat ja nur schwer haben. Und auch Michael Schüler schien im Vergleich zu Frau Lünsmann nicht besonders spektakulär zu sein. Bis er von seiner Nebentätigkeit berichtete: Der gute Mann hat nämlich mit seinem besten Freund eine Firma gegründet. An sich nichts Besonderes. Nur was diese beiden tun, findet man nicht alle Tage: Sie tauchen auf Golfplätzen nach Golfbällen! Das war selbst Günther Jauch neu - und er hat in 10 Jahren WWM bestimmt eine ganze Menge skurrile Geschichten gehört. Dann ging's los mit den Fragen - bei 300 Euro angekommen gab's die erste (!) Werbepause. Nach einer knappen Stunde Sendezeit! (An dieser Stelle ein Dankeschön an RTL - es tut gut, wenn eine Sendung mal nicht alle zehn Minuten unterbrochen wird.) Nach der Unterbrechung marschierte Schüler dann mit Hilfe seiner Joker durch bis zu 32.000 Euro. Zwischendurch gab es kaum noch Höhepunkte. Außer einem interessanten Detail aus Herrn Schülers Leben, worauf ihn Günther Jauch ansprach: Schüler war mal in der "Bravo". Und warum? Seine damalige Freundin hatte ohne sein Wissen Fotos von ihm eingeschickt - und prompt gewann er den zweiten Platz bei der Boy-Girl-Wahl 1992. Ein echtes Schnuckelchen also, der Michael. Das war aber auch schon alles, was man über den Mann aus Trebur sagen konnte. Die 64.000-Frage ging der Vater einer kleinen Tochter nicht mehr an und verabschiedete sich mit 32.000 Euro in der Tasche.

Nochmal 32.000
Auch die letzte Kandidatin der Show verabschiedete sich mit 32.000 Euro aus der Show. Aber immerhin war Anna Pröschild aus Stuttgart die erste, die die Risikovariante spielte. Ob das was mit ihrem Hobby, dem Rollerderby zu tun hatte, dass sie etwas mehr wagte als die anderen? Eine übrigens eher brutale Sportart, bei der Frauen auf Rollschuhen Bodychecks verteilen und ihre Gegnerinnen zu Fall bringen. Aber das nur nebenbei. Pröschild hatte ihren Freund mitgebracht, der eine für Deutschland ebenfalls eher seltene Sportart pflegt: American Football. Also war Günther Jauchs Sorge unbegründet, dass er zuhause unter dem Pantoffel stehen könnte. Am Lustigsten war es dann auch, als es um Frau Pröschilds Freund ging und wie sie ihn kennen gelernt hatte: "Ich bin hin, hab' gesagt 'Los, tanz mit mir!' und dann hab' ich ihn mitgenommen!" Tja, nach der ersten gemeinsamen Nacht konnte sich der gute Basti an kein Gesicht mehr erinnern - zum Glück hatte er den Zettel mit der Emailadresse noch. Sonst wäre aus den beiden womöglich nie ein Paar geworden. Aber zurück zur Show. Pröschild fuhr immer Risiko - und fuhr damit gut, auch wenn es Günther Jauch die ein oder andere Schweißperle auf die Stirn trieb. Aber bei 64.000 Euro reicht es auch einer Zockerin - lieber 32.000 Euro als 500 Euro!

Es war unterhaltsam, keine Frage. Aber es war eben auch ein WWM-Abend wie jeder andere - nur eben ein wenig länger. Trotzdem werde ich die anderen beiden Jubiläumsshows auch anschauen - vielleicht passiert ja noch was. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Wie ist es mit Euch? Hättet Ihr auch gerne etwas mehr Action gehabt? Und werdet Ihr Euch die nächsten Geburtstagssendungen anschauen?

Eure Susu

 

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Fotos: © RTL / Stefan Gregorowius

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