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Im letzten Jahr sorgte Marcel- Reich-Ranitzki für einen Eklat, als er den Ehrenpreis ablehnte. Das Niveau des Fernsehens war ihm zu niedrig. Darauf musste der diesjährige Gastgeber Sat1 irgendwie reagieren - und schickte Anneliese und Wolfgang ins Rennen.
Kräftig ausgeteilt
Eine gute Entscheidung: Die beiden waren als perfekte und total überzeichnete Kopie eines volkstümelnden Heile-Welt-Paars bissiger als Reich-Ranitzki - und mit Sicherheit witziger. Schon im Eingangslied teilten sie kräftig aus - nahmen unter anderem Giulia Siegels TV-Männersuche in derben Worten aufs Korn. Als Muntermacher zwischendurch zeigten sie einen genialen Zusammenschnitt aus Szenen der nominierten Werke, in denen sie dank Computertricks plötzlich selbst die Hauptrolle spielten. Darin erfuhr man dann auch, dass eigentlich Wolfgang und Anneliese dafür verantwortlich waren, dass 1989 die Grenze geöffnet wurde. Ein Satz von ihnen genügte, um Geschichte zu schreiben: "Ey Zonenseppel, mach die Schranke hoch."
Schlechte Witze und die Folgen
Selbstverständlich wahrten sie bei Zwischenmoderationen, Preisübergaben und Gesangseinlagen immer schlagerparaden-taugliche Harmonie. Nun - fast immer. Als der Wolfgang nämlich anfing, den Saal mit allzu lauen Witzen unterhalten zu wollen ("Was bestellt ein Hund im Restaurant? - Bellkartoffeln!"), schritt Anneliese schließlich ein: "Wolfgang, wennst Du net aufhörst, hau ich Dir gleich in die Zähne". Das wirkte. Und schließlich ist das Moderieren ja auch nicht sooo schwer: "Des hat sogar schon der Marco Schreyl geschafft," lästerten sie frech.
Doch was wären die beiden für Comedians, wenn sie nicht auch Marcel Reich-Ranitzki und seine Medienschelte ein wenig auf die Schippe nehmen würden. So erklärte Anneliese: "Der Fernsehpreis hat halt a großes Herz. Deswegen sind au wieder Sendungen dabei, die ned so guad sind." Auch am Ende, als der diesjährige Ehrenpreisträger Alfred Biolek geehrt werden sollte, konnte Anneliese eine Spitze gegen den Literaturpapst nicht lassen. "Ich freu mich, dass der diesjährige Ehrenpreisträger noch da ist."
Unterhaltungsveteran
Doch das Wichtigste am Fernsehpreis sind ja eigentlich die Preisträger, auch wenn die neben Engelke und Bastewka fast blass aussahen. Der erste war Thomas Gottschalk, der für die Moderation von „Wetten dass..." ausgezeichnet wurde. Zufall? In seiner Dankesrede erinnerte Gottschalk ebenfalls an den Literaturkritiker, indem er ihn imitierte. Damit hatte er die Lacher natürlich auf seiner Seite. Und auch der Abschluss seiner Rede blieb im Gedächtnis, als er ankündigte, auch weiterhin Moderator von "Wetten dass...?" bleiben zu wollen: "Es hat noch kein Moderator geschafft, diese Sendung in Grund und Boden zu moderieren. Aber ich versprech's ihnen, ich werd' mich weiter darum bemühen."
Dicke Kinder
Auch der nächste Preisträger lieferte einen starken Auftritt ab - der Gewinner in der Kategorie "Bester Schauspieler Hauptrolle", Josef Hader, der für seine Rolle in "Ein halbes Leben" ausgezeichnet wurde. Er setzte sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen: Axel Milberg und Matthias Schweighöfer. Launig betonte der Österreiche, wie viel ihm der Preis bedeutet: "Ich war immer sehr schlecht im Sport und hab' nie was bekommen. Es ist schön für uns dicke Kinder, dass dann beim Deutschen Fernsehpreis doch noch was geht." Obwohl eigentlich Kabarettist und daher in Sachen Schauspielerpreise nicht allzu versiert, wusste Hader ganz genau, bei wem er sich zu bedanken hatte: "Vielen Dank an das ZDF für die großzügige Gage!" Endlich mal ein Schauspieler, der ehrlich ist.
Nach einigen weiteren Preisen durften dann auch Anneliese und Wolfgang wieder auf die Bühne, dieses Mal als Laudatoren, die zunächst einmal den "Jugendwahn im ZDF" beanstandeten. Sie durften den Förderpreis der Stifter überreichen, der mit 30.000 Euro dotiert ist. Darüber freuten sich nicht nur die sechs Hauptdarsteller aus "Die Wölfe", sondern auch die junge Dokumentarfilmerin Eva Stotz. Denn auch Dokumentationen sind wichtig, wie Anneliese ganz auf ihre Art ausdrückte: "Des is net immer so hahaha..."
Beste Filme
Sowohl in der Kategorie "Beste Regie" als auch für den "Besten Fernsehfilm" waren die gleichen Filme nominiert. Nikolaus Leytners "Ein halbes Leben", Roland Suso Richters "Mogadischu" und Nicole Wegmanns "Ihr könnt euch niemals sicher sein". Während der Preis für die "Beste Regie" an den Österreicher Leytner ging, durfte sich Richter mit seiner Crew über die Auszeichnung in der Kategorie "Bester Fernsehfilm" freuen. Christian Berkel, der in "Mogadischu" Altbundeskanzler Helmut Schmidt spielt, brachte in seinem Dank nicht nur seine tiefe Bewunderung für Schmidt zum Ausdruck, sondern ehrte auch diejenigen, die die Entführung der "Landshut" 1977 wirklich miterleben mussten. Ein starker Auftritt. Anneliese und Wolfgang konnten es natürlich nicht lassen, auch noch ihren Senf zu den nominierten Filmen dazuzugeben. Anneliese: "Ich find ja, dass alle drei Filme des verdient hätten." Wolfgang: "Bis auf die zwei, die halt ned so guad warn."
„Eigentlich muss ich pullern..."
Nach der Preisverleihung in der Kategorie "Beste Serie", in der die RTL-Serie „Der Lehrer" das Rennen machte, gab es noch ein Highlight und zwar als die besten Nebenrollen ausgezeichnet wurden. War der männliche Gewinner Florian Bartholomäi schon recht witzig, weil er seinen Dank mit einigen "Äähh"'s einleitete, so flogen der weiblichen Preisträgerin Anna Fischer die Herzen zu. Nicht nur weil sie mit ihrem Hut aus der Reihe der "normal" gekleideten Kollegen herausstach. Auch ihre Rede blieb beim Publikum hängen, besonders der Anfang: "Eigentlich muss ich pullern - seit zwanzig Minuten..." Besser kann man eine Dankesrede eigentlich kaum anfangen. Auch am Ende konnte die 22-jährige Schauspielerin wieder mit ihrer Ehrlichkeit punkten, als sie beschrieb, welch einprägsamen Momente sie zusammen mit ihrer Agentin erleben durfte, zum Beispiel als "ich heute über den roten Teppich gegangen bin und mich keiner erkannt hat." Nach diesem Auftritt dürfte ihr so etwas in Zukunft eigentlich nicht mehr passieren.
Sentas Freude
Vor der Verleihung des Preises für den "Besten Mehrteiler" (der zum ersten Mal verliehen wurde) und des Ehrenpreises kam die Kategorie "Beste Schauspielerin Hauptrolle", die Senta Berger für sich entscheiden konnte. Ausgerechnet Senta Berger, die Wolfgang schon zu Beginn persönlich angesprochen hatte: "Die größte deutsche Schauspielerin, die wir auf der Welt haben." Und das war noch harmlos, Wolfgang setzte noch einen drauf: "Die Senta ist ein scharfes Ding". Besonders witzig war auch, wie Anneliese die Laudatoren der Kategorie Hans-Werner Meyer, Dieter Pfaff und Friedrich von Thun begrüßte: "Da find ich zwei davon echt gut - sorry, Hans-Werner!" Senta Berger selbst überzeugte in ihrer Dankesrede vor allem dadurch, dass sie ihrer großen Freude über den Preis Ausdruck verlieh - man musste ihr einfach glauben.
Ehrenpreis angenommen
Und am Ende nun also die Verleihung des Ehrenpreises. Alfred Biolek wurde für seine Verdienste um das deutsche Fernsehen ausgezeichnet. Zu Recht, wie man nach der Ansprache von Laudatorin Alice Schwarzer, die als gute Freundin des Moderators sprach, und Filmausschnitten aus seinem Leben zugeben musste. Bio selbst zeigte sich sehr gerührt, man meinte sogar ein paar Tränchen aufblitzen zu sehen. Nach Schwarzers Ansprache wurde Bio auf die Bühne gebeten und wollte schon zu seiner Rede ansetzen, als ihn Schwarzer unterbrach. Er hatte ja seine Trophäe noch gar nicht bekommen. Die wurde dem Moderator von zwei Kindern aus Nairobi gebracht. Eine wunderschöne Geste, die Bioleks Engagement im Kampf gegen Armut zum Ausdruck brachte. Und dann endlich durfte er reden. Er richtete seine ersten Worte an seinen Vorgänger als Ehrenpreisträger: "Verehrter Marcel Reich-Ranitzki, ich bitte um Verständnis. Ich nehme den Preis an!" Es geht also auch anders!
Alles in allem, war es ein echt spannender Abend. Vor allem auch durch die gelungene Moderation von Anneliese und Wolfgang. Habt Ihr das auch so empfunden? Und findet Ihr auch, dass der Fernsehpreis gezeigt hat, dass das deutsche Fernsehen nicht immer so schlecht ist, wie Herr Reich-Ranitzki denkt?
Ich freue mich auf Eure Meinung!
Eure Susu
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Fotos: © Gettyimages
Den Fernsehpreis verpasst? Auf Sat1 gibt's alles zur Show
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