Fast Forward: Romantik, immer nur Romantik
Ende gut, alles gut: Es gibt wohl wenige Orte auf der Welt, wo dieser Sinnspruch mehr Gültigkeit besitzt als in deutschen Kuppel-Dokus. Dass in den letzten Wochen ein paar Dinge nicht so liefen, wie sie laufen sollten, es hässliche Gerüchte über die tatsächliche Profession einiger Landwirte gab und einige der Gefühle nur gespielt waren, das lächeln Inka Bause und ihr Team freundlich weg. Dass es zu einigen Vollkatastrophen kam — wir erinnern uns an den glücklosen Bauern-Opi Friedrich oder Leistenbruch-Rolf mit seinen latent sexistischen Fotografier-Aktionen — ebenfalls. Am Ende der zehnten und letzten Folge von „Bauer sucht Frau" heißt es: „Amor hat seine Pfeile über das ganze Land geschossen — und getroffen."
Philipp und Veit glücklich vereint beim Kaffeeklatsch mit Familie (Bild. RTL)
Ja, die Romantik. Sie ist es also, die die letzte Folge dominiert. Da wird über die „wunderschöne Zeit" räsoniert, die Gerold und seine Petra im Friesland verbrachten. Und natürlich wird gefrühstückt. Wenn man etwas über diese Staffel von „Bauer sucht Frau" sagen kann, ist es ohnehin: Ständig wurde gefrühstückt. Ein Gesichtspunkt, der in der letzten Folge ein wenig in den Hintergrund gerät, kann man jetzt doch schon einige echte Küsse sehen, etwa zwischen Uwe (wir erinnern uns: der Schweinebauer mit der mächtigen Nase) und seiner Iris. Die schleppt ihren neuen Mann gleich mal ins Möbelhaus, wo die beiden ein Bett kaufen. Ein Wasserbett. „Uwe und Iris können ihre erste gemeinsame Nacht im Wasserbett kaum erwarten", sagt Inka Bause aus dem Off. Und wir sind sehr froh, dass vor allzu vielen Zärtlichkeiten die Kamera abdreht.
Monique packt mit an in Gerhards Kuhstall (Bild: RTL)
Auch ansonsten herrscht Harmonie pur: Babette hilft ihrem Horst bei der Feldarbeit, er schenkt ihr dafür sein Kälbchen. Und Philipp und Veit, bekanntermaßen das Traumpaar der Staffel, empfangen Veits Familie zum gemeinsamen Kaffee und Kuchen. Alle sind nett zueinander, die Oma sagt Gedichte auf, und am Ende werden nicht nur zwei neue Babyschweine vorgestellt, sondern auch Ringe getauscht. Hach. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir die nicht bald wieder im Fernsehen sehen.
Die Highlights: Eine wirkt ehrlich
Auch Monique hat gebacken, und zwar eine ziemlich massive Schwarzwälder Kirschtorte, die sie mitsamt der Familie ihres Schwarzwaldbauern Gerhard verspeist. Was an Monique toll ist: Sie packt die Dinge pragmatisch an. Und das zeigt sich auch am Ende ihrer Hofwoche. Keine Krokodilstränen, sondern nur ein paar Worte, in denen sie sagt, dass sie sich wohl gefühlt hat. Und so wirkt sie beim Abschied eher wie ein abreisender Feriengast als eine frisch Verliebte. Das ist nicht unbedingt im Sinne der Sendung, aber vielleicht realistischer als beim großen Rest.
Abschiedstränen bei Gerold und Petra (Bild: RTL)
Die Lowlights: Second-Hand-Liebe im Friesland
Das beste Beispiel für Gefühle, denen man irgendwie nicht ganz über den Weg traut, ist die Zweitverwertung im Doku-Liebesland: Die „patente Petra", so sickerte in den letzten Tagen durch, sucht ihre Liebe offenbar nicht zum ersten Mal über die Mattscheibe: Vor einigen Jahren war die Floristin bereits Kandidatin bei „Schwiegertochter gesucht" und dabei durchaus erfolgreich. Doch wo dort die junge, offensiv zur Schau gestellte Liebe leider, leider nicht hielt, sagt sie jetzt zu ihrer Beziehung mit dem immer etwas wunderlich wirkenden Gerold: „Ich bin froh, endlich da angekommen zu sein, wo ich immer hin wollte." Na klar. Wir sehen sie dann vermutlich in drei, vier Jahren — vielleicht bei „Schwer verliebt"? Das nötige Format würde sie mitbringen.
