„Germany’s Next Topmodel”: Von Supermodels und Molotow-Cocktails

Alles Theater. Dass „Germany's Next Topmodel" den Alltag aufstrebender Nachwuchsschönheiten nicht realistisch abbildet, ist keine Neuigkeit. Zum Glück, denn mal ehrlich: Wer möchte schon zuschauen, wenn disziplinierte Profimodels sich erst einen Ast warten und dann eine Absage nach der anderen kassieren? Niemand. Die abgedrehten Shoots und hibbeligen Kandidatinnen in Heidis Modelzirkus sind schließlich um einiges interessanter. Unterhaltung zum Mitfiebern — mehr will Germany's Next Topmodel nicht sein. Dumm nur, wenn es sich — wie in der letzten Folge — mit weniger zufrieden gibt.

„Naomi-Campbell-Fetischistin"

Der Auftakt ist vielversprechend: Luftballons mit Monster-Highheels treiben auf dem Pool der Modelvilla und kündigen ein spektakuläres Catwalktraining an. In schwarzen Badeanzügen wartet die versammelte Modelschar wenig später auf einem Hochhaus auf seine Lektion, als — Oh mein Gott! — Naomi Campbell das Dach betritt. Kreisch! Kasia ist so aus dem Häuschen, dass sie sich aus Versehen als „Naomi-Campbell-Fetischistin" outet. Aber auch die anderen können es kaum fassen: Unglaublich, die redet mit einem! Krass, sie haut gar nicht, wenn man Fehler macht! Offensichtlich hat das für seine Launen berüchtigte Supermodel heute einen guten Tag: Bereitwillig plaudert sie aus dem Nähkästchen, gibt Tipps („Be confident!") und lobt. Hach. Dass kurz danach Thomas und Thomas auftauchen, bringt die Kandidatinnen auf den Boden der Tatsachen — ist doch die Jury-Mannschaft meistens nur bei Rausschmissen komplett. Tatsächlich muss nach einer schwachen Laufstegleistung Laura ihre Sachen packen. So wird schon zu Beginn „hart ausrangiert" (Sarah).

Catwoman und der Molotow-Cocktail

Anschließend sehen wir die Models eine beknackte Challenge bestreiten, bei der sie erst Passanten ihre Klamotten abschwatzen müssen, um sie dann nach den Mottos „Maskulin/Feminin", „Colourblocking" und „T and T" zu kombinieren. Ein Lückenfüller, der dadurch besonders lächerlich wirkt, dass Rath und Hayo die Aufgaben offensichtlich furchtbar ernst nehmen. Ob beim Spontanstyling „modisch sinnhaltig etwas dahintersteckt" (Rath), ist dem Zuschauer doch egal. Der freut sich eher, dass das Shooting diesmal etwas extravaganter ausfällt. Die Mädels werden in Fantasy-Outfits gesteckt und sollen einen „künstlerischen Fashionfilm" drehen. Regisseur Nabil Elderkin hat sich dafür eine Szene ausgedacht, in der Catwoman aka Heidi Klum einen Molotow-Cocktail in eine Bar wirft. Dem müssen die Models kunstvoll ausweichen — und zwar jede auf ihre Weise. Was spannend klingt, läuft sich leider schnell tot. Die meisten Mädels müssen sich schlicht nach hinten fallen lassen, der Unterschied liegt nur darin, ob sie dabei wie Inga irre lachen, wie Evelyn Puder verstreuen oder wie Lisa ein Glas ausgießen. Und der ist eben nicht so groß, dass man jedem Mädchen einzeln dabei zusehen müsste.

Fischnetz, Leder, Lack und Bling Bling

Immerhin kommt die zweite Entscheidung als eine Art Modenschau daher. Die Mädchen tragen dabei die Kreationen der eher mittelbekannten Designerin Catherine Malandrino, die auch in der Jury sitzt. Was Thomas Rath als „sexy french" bezeichnet, lässt den Zuschauer an die 80er Jahre denken: Fischnetz, Leder, Lack und Bling Bling. Kann man mögen, muss man aber nicht. Eindeutig ärgerlich ist dagegen der Versuch der Jury, die versandete Spannung durch eine Art Catwalk-Pranger wieder zurückzuholen. Die Models, die mit der absurden Drehscheibe im Livewalk nicht zurechtkommen oder in der Woche geschwächelt haben, müssen sich neben den Laufsteg stellen. Von dort aus können Sarah-Anessa, Luisa oder Kasia zuschauen, wie sich ihre Konkurrentinnen anstellen, ihr hoffnungsvoll missgünstiger Blick wird dabei natürlich groß von der Kamera abgefilmt. So viel konstruierte Gehässigkeit macht die Sache nicht unbedingt spannender. Dass diesmal Inga gehen muss, hat der Zuschauer sowieso schon geahnt. Ihr fehlten schlicht die Highlights. Über diese GNTM-Folge lässt sich Ähnliches sagen.

SIND SIE GNTM-EXPERTE?

Suchen

Der GNTM-Blog von Model Marie Nasemann

Der GNTM-Blog von Model Marie Nasemann

Marie Nasemann hat das geschafft, wovon tausende Mädchen träumen: Sie stand 2009 im Finale von „Germany’s Next Topmodel“! Danach startete die 23-jährige Münchnerin als Model richtig durch. Mittlerweile moderiert (EinsPlus Chartshow im SWR) und schauspielert („Ein Sommer in Amalfi“ – bald im ZDF zu sehen) Marie auch. In ihrem wöchentlichen Blog auf Yahoo! TV verrät sie uns, wer die größten Chancen auf den Titel „Germany’s Next Topmodel“ 2013 hat.

Jetzt ansehen: Mit Marie unterwegs auf der Fashion Week Berlin