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    “Anwälte der Toten” bei vox: Rechtsmediziner-Doku für Blut-Voyeure

    Lange waren Rechtsmediziner die Nerds im Ermittler-Team. Heute haben sich die schrulligen Weißkittel zu heimlichen Krimi-Stars gemausert: Jan Josef Liefers alias Karl-Friedrich Boerne aus dem Müster-"Tatort" macht gerade Werbung für ein Hybridauto. Die neue vox-Reihe "Anwälte der Toten - Rechtsmediziner decken auf", die am späten Donnerstagabend startete, hängt sich dran an den Hype um die unverhofften Sympathieträger aus dem Leichenlabor. Die Pseudo-Doku gibt vor, die Zusammenarbeit zwischen Kriminalbeamten, Staatsanwälten und Rechtsmedizinern bei der Aufklärung von Verbrechen zu zeigen. Um den Informationsgehalt für den Zuschauer geht es aber nicht wirklich. Vielmehr um die Lust am Morbiden - und das um jeden Preis.

    Die Ermittler der Spurensicherung sind die ersten am Tatort. (Bild: vox / S. Gregorowius)

    Die erste Folge startete mit dem obligatorischen Prostituierten-Mord: 1994 werden am Rande einer Autobahn bei Lübeck Teile einer Leiche gefunden. Die Ermittler vermuten, dass der Täter Metzger oder Arzt ist, kommen aber nicht weiter. Der Fall wird schließlich zu den Akten gelegt. Zwei Jahre später erstattet die junge Prostituierte Greta M. Anzeige, weil ein Freier sie brutal misshandelte und beinahe erdrosselte. Ein Team aus Staatsanwalt, mehreren LKA-Kommissaren und Rechtsmedizinern erkennt die Parallelen zwischen den beiden Fällen und arbeitet Hand in Hand, um den Täter zu finden. Wie diese Zusammenarbeit genau vonstatten geht, bleibt im aber Dunkeln.

    Ermittler, Mediziner und die Spurensicherung arbeiten Hand in Hand. (Bild: vox / S. Gregorowius)Ermittler, Mediziner und die Spurensicherung arbeiten Hand in Hand. (Bild: vox / S. Gregorowius)Wer erwartet hatte, neuartige wissenschaftliche Arbeitsmethoden erklärt zu bekommen oder Neues über die Arbeitsweisen der Staatsanwälte, LKA-Beamten und Rechtsmediziner zu erfahren, wurde enttäuscht. "Anwälte der Toten" verschenkt das informative Potenzial des Themas ganz und gar und konzentriert sich stattdessen auf die blutigen Einzelheiten der Gewalttaten. Die Interviews mit den Beteiligten sind bloße Nacherzählungen der Tathergänge, die rekonstruierten Szenen heizen sich geradezu auf am Erwürgen, Erstechen und Zerstückeln.

    Auch im Anschluss blieb es brutal: Ein erwürgter Zehnjähriger, eine erstochene Taxifahrerin und zwei erschlagene Rentner waren die Bilanz der zweiten Folge. Wieder kam man zu dem Schluss: So viel Voyeurismus muss nicht sein. Aber offensichtlich braucht es solche Mittel, um die Zuschauer am Donnerstagabend nach 23 Uhr noch vor den Bildschirmen zu halten. Schade, dass den Machern der wissenschaftliche Aspekt kriminalistischer nicht spannend genug zu sein schien.

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