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    „Auf Brautschau im Ausland”: Kolonialismus unterm Reality-Soap-Deckmantel

    In der ersten Episode lernten wir sie kennen — jetzt fürchten: Die so schlichten wie adipösen Muttersöhnchen, die bei Sat.1 „Auf Brautschau im Ausland" gehen, daten sich in Woche zwei um Kopf und Kragen. Da werden Plumpsklos besichtigt, selbst geschmierte Butterstullen als Romantik-Picknick verkauft und Liköreier legende Plüschhühner (ja, so was gibt's tatsächlich!) zur Riesengaudi verklärt. Mit den willigen Weibern aus'm Schwellenland kann Mann es ja machen, so die krude Denke der urlaubenden Flirt-„Spezis". Kein Wunder, dass sich nun eine Frauenrechtsorganisation über das Kuppel-Format aufregt — und dessen schnelle Absetzung fordert.

    Braut ja, Kinder nein! Der Badespaß währt für Sascha und seine Christina nur kurz (Bild: Sat.1)Braut ja, Kinder nein! Der Badespaß währt für Sascha und seine Christina nur kurz (Bild: Sat.1)

    Das Ausland ist ihre letzte Chance. Mit Bierbauch, einfachem Gemüt und Macho-Getue (Harry: „Warum soll ich einer Frau in die Augen sehen, Augen habe ich selber") konnten die Flirt-Legastheniker von Sat.1 bei den deutschen Frauen nämlich nichts reißen. Darum versuchen sie's jetzt bei Thailänderinnen, Philippinas und Russinnen, die sie gar nicht erst von sich, sondern höchstens von ihrem „Wohlstand" überzeugen müssen.

    Das ist schwer mitanzusehen. Wenn etwa Bauer Jürgen seine rumänische Angebetete Crina bei der ausführlichen Begutachtung ihres Plumpsklos über deutschen Lebensstandard aufklärt („In Deutschland: Toilette im Haus!"). Oder wenn Bernd, seines Zeichens „humorvoller Hutträger aus dem tiefsten Thüringen", Slowakin Rena mit einem kargen Mahl aus der Tupperdose zu bezirzen versucht. Die findet die improvisierte Brotzeit zwar irgendwie romantisch, weiß im Gegensatz zum Publikum aber (noch) nicht, dass Bernd den Feingeist nur heuchelt — und in Wahrheit ein Geizhals vorm Herrn ist.

    Aus diesem Grund bunkert er Stullen vom Frühstücksbuffet, deshalb sägte er seine letzte Freundin ab: „Sie hat geraucht, das waren fünf Euro am Tag!" Da kommt so eine bescheidene Ausländerin aus einfachen Verhältnissen natürlich gerade recht: Die kann man schließlich auch mit wenig bis gar nichts beeindrucken. Eine zynische Vorstellung, die sich auch der „schüchterne Sportsfreund" Sascha zu eigen gemacht hat: Er bietet nichts (wohnt noch bei Mama, hat keine beruflichen Zukunftspläne, dafür offensichtliches Übergewicht), erwartet von Date Christina aber alles. Gutes Aussehen, süßes Lächeln, Deutsch-Kenntnisse, keine Vergangenheit. Mit Letzterem allerdings kann die 32-jährige Mutter von zwei Kindern im Teenageralter nicht dienen. Ergo tönt es prompt aus dem Off: „Sascha will Christina nicht wiedersehen."

    Was für eine „spannende" Entwicklung, freut sich da Moderatorin Claudia Bischoff. Was für ein unglaublicher Affront, findet hingegen die weltweit agierende Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes": Sie gab am vergangenen Montag eine Pressemitteilung zu „Auf Brautschau im Ausland" heraus, in der sie das Format zu Recht als „frauenfeindlich" und „sexistisch" kritisiert. Laut Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle normiert Sat.1 „mit der Sendung den ‚Handel' mit der ‚Ware' Frau und unterstützt eine auf Benachteiligung angelegte Partnerschaft." Das erinnere an „Kolonialismus", habe mit Unterhaltung nichts zu tun und gehöre schnellstmöglich aus dem Programm gekickt.

    Eine Kritik, die bei Sat.1 auf taube Ohren stößt: „Warum sollen deutsche Männer nicht auch in Asien oder Osteuropa auf Partnersuche gehen dürfen?", fragte eine Sprecherin des Münchner Privatsenders anschließend scheinheilig. Ist doch alles furchtbar harmlos. So harmlos es eben sein kann, wenn der „treue Trachtenträger" Andreas sich abends in Thailand eine Prostituierte mit aufs Hotelzimmer nimmt. Unterhaltsam ist an dieser Episode nur eines: dass sich Andreas' Professionelle später als Mann in Frauenkleidern („Ladyboy") entpuppt. Ganz so einfach ist's halt auch mit den ausländischen „Frauen" nicht.

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