Mal ehrlich: So langsam ist man etwas skeptisch, was den Wirklichkeitsgehalt der ständigen RTL-Kuppelei angeht. In der dritten „Bauer sucht Frau"-Staffel etwa foppten der „raubeinige Rinderwirt" Bernhard und seine Beate den Sender und gaukelten einen Streit vor - so konnten sie ihre „Kennenlernwochen" verbringen, als die Kameras das Anwesen längst verlassen hatten. In der fünften und letzten Staffel war Maurizio kein Bauer, sondern Forstwirt mit einer Dreizimmerwohnung: Den Hof lieh er sich kurzerhand aus. Und Teilnehmer Claus Clausen, so wurde bekannt, suchte eigentlich gar keine Frau. Bei „Schwiegertochter gesucht" nahmen zuletzt dagegen einige Bräute teil, die man bereits aus ähnlichen Formaten kannte. Ist Deutschland vielleicht leergecastet? Gibt es gar keine einsamen Herzen mehr, die mit Hilfe der immer gütigen Inka Bause und einiger Kameras glücklich werden wollen? Man wird's in den nächsten Wochen sehen: „Bauer sucht Frau" geht in die nächste Runde. Neun Single-Landwirte möchte Inka Bause unter die Haube kriegen.
„Der lustige Ackerbauer Willy" ist ihr erstes Problem. Ein Hesse, dessen Liebesleben „praktisch gar nicht stattgefunden hat". Willy isst ein Brot mit sehr, sehr viel Wurst, während Inka Bause ihm seine Liebespost zeigt: Der erste Brief, den er sich aus dem Korb nimmt, ist tatsächlich auf Diddl-Briefpapier geschrieben, stammt aber dennoch von einer erwachsenen Frau. Als zweites ist Rinderwirt Lukas, der erschreckenderweise kein Adjektiv zugewiesen bekommt, an der Reihe. Der ist mit 21 Jahren recht jung für die Sendung, lebt noch mit seiner Mutter zusammen und war bisher „im Endeffekt zu schüchtern" zum Flirten. Der „rüstige Hühnerwirt Gerhard" ist mit 68 Jahren der Senior der Truppe. Er trägt wirres Haar, hat wenige Zähne und wünscht sich „keine modebewusste Heidi Klum". Das ist immens beruhigend und vermutlich ein Zugeständnis an die Realität: Dass Klum ihren Seal für Gerhard, seine Tiere, seinen im 40er-Jahre-Stil eingerichteten Hof und seinen großen Misthaufen verlassen würde, ist eher unwahrscheinlich.
Und so geht es weiter. Flott werden die einzelnen Bauern vorgestellt. Dem „munteren Milchbauern Volker" folgt der „romantische Biobauer Johannes", der sich vor allem durch seine 70er-Hardrock-Frise und seinen sanften Ausdruck auszeichnet. Marcel ist „herzlicher Hesse" und „möchte keine Ökotante", Martin „schüchterne Schwabe". In Mittelfranken wartet der „charmante Schweinebauer Harald", in der Eifel Landwirt Lämmes, der „ehrliche Schäfer". Sie alle ähneln sich nicht, vorgestellt werden sie aber auf immer die gleiche Art und Weise. Denn sie mögen einsam sein, aber hey: Sie leben auf dem Land - und das sieht aus, wie im Heimatfilm. Inka trifft sie im Garten, sitzt mit ihnen auf idyllischen Parkbänken, die zufällig im Hofgarten herumstehen oder auf hübsch gestapelten Heuballen. Im Hintergrund blöken die Schafe oder muhen die Kühe. Getränke werden in tönernen Krügen gereicht, und stets scheint die Sonne.
Aber wer möchte, dass die Idylle zu einem richtigen Liebesnest wird, der muss sich anstrengen. Und so packen die Bauern nicht nur ihren feinsten Zwirn ein, sondern auch allerhand Kitsch für die Damen, deren Herz sie erobern wollen. Denn es steht das „Scheunenfest" an - die Party, auf der die Bauern und ihre Gattinnen in Spe - jeder Bauer durfte aus den Zuschriften zwei Kandidatinnen aussuchen - erstmals aufeinandertreffen.
Die Vorbereitungen darauf zu sehen, ist fast traurig. „So, ich bin der Gerhard, freut mich sie kennenzulernen. Meine Frage ist: Wie stehen sie zu der Landwirtschaft" fragt etwa der älteste Bauer - aber eben nicht seine Auserwählten Sigrun und Barbara, sondern zunächst nur den Spiegel. Und man würde ihm so gerne sagen, dass das doch etwas zu gezwungen ist.

Aber das mit dem Zusammenbringen erledigt zum Glück Inka Bause mit ihren Karteikärtchen in einer stocksteifen Zeremonie. Die Dreiergrüppchen werden formell vorgestellt und anschließend an kleine Stehtischlein entlassen, die hübsch zwischen Stroh drapiert wurden. Erst später bringt Gerhard die Frage an. Eigentlich ist die natürlich ein bisschen blöd. Denn wer bei einem Format wie „Bauer sucht Frau" mitmacht, dürfte prinzipiell ein Interesse an Landwirten haben.
Bei den jüngeren Kandidaten geht es unterdessen frivoler zu. Lukas fackelt nicht lange - und schickt schon nach ein paar Minuten eines seiner beiden Mädchen aus dem Raum. Läuft die MTV-Datingshow „Dismissed" jetzt etwa bei RTL? Wird gleich ordentlich geknutscht? Nein, nein, so schnell schießen Rinderwirte dann doch nicht. Aber dass Regina ihm sagt, sie würde ihn gerne „so richtig umsorgen", führt auf jeden Fall zu einem bemerkenswerten Flackern in seinen Augen.
Klar, es fällt allen schwer, sich zu entscheiden, welche der Bewerberinnen die „Hofwoche" bestreiten darf. Schweinebauer Harald wählt Janet, eine Kubanerin, deren Deutsch-Kenntnisse durchaus einem Vergleich mit denen von „Bauer sucht Frau"-Legende Narumol standhalten. Lukas nimmt wie erwartet Regina, Gerhard entscheidet sich für Barbara. Passt - die ist von Beruf Melkerin. Und Inka Bause? Die strahlt und zapft Biere, während sich in der Dämmerung die frischen Vielleicht-Paare näher kommen. Eitel Sonnenschein, also? Nö. Lämmes tanzt mit der rassigen Tattoo-Braut Moni, die - Achtung, jetzt wird's kompliziert - eigentlich für Johannes bestimmt gewesen wäre. Seiner ursprünglich Auserwählten, einer etwas biederen Sekretärin namens Anne, gibt er nicht einmal Bescheid. Aber woher soll der „ehrliche Schäfer" auch wissen, dass das nötig wäre? Schließlich hatte er mit Frauen bisher ganz genau gar nichts zu tun.
Bilder: RTL

