WAS IHRE FREUNDE LESEN

    „Das perfekte Promi Dinner im Schlafrock”: Müde Ballermänner

    Fliegenbrillen, Schlagerklänge und Sparwitze ohne Ende — wer regelmäßig „Das perfekte Promi Dinner" schaut, hat in dieser Woche ein Déjà-vu. Waren Mickie Krause, Loona und Jürgen Drews doch schon 2009 bei Kochversuchen auf Mallorca zu bewundern. Die Folge, in der die Stimmungsmacher sich erst beim Niveaulimbo unterboten, bevor sie in Krauses Hain einträchtig Zitronen pflückten, gehört zu den unterhaltsamsten „Promi Dinnern" überhaupt. Von der Neuauflage mit Übernachtung lässt sich das leider nicht sagen.

    Die Ballermann-Crew trifft sich beim perfekten Promi Dinner diesmal in der Heimat (Bild: VOX)Die Ballermann-Crew trifft sich beim perfekten Promi Dinner diesmal in der Heimat (Bild: VOX)

    „Er meint, dass diese Fäkalinjurien dazugehören."

    Ob es daran liegt, dass Ballermänner und Ballerdame diesmal in ihren Erstwohnsitzen kochen? In Köln, Dülmen, Wettringen und dem holländischen Zandvoort bleibt die Stimmung zumindest auf dem Boden. „Big Brother-Legende" Jürgen Milski, der als Neuzugang den ersten Abend bestreitet, tut seinen Teil dazu: Seine Gäste lässt der nämlich erst ins Haus, nachdem die ihre Schuhe ausgezogen oder in Plastik eingeschweißt haben. Danach erfüllt er mitnichten Loonas Hoffnung, er würde sein Menü „auf seinem Körper darbieten tun", sondern serviert gebackenen Spargel auf Salat und Blumen, Kalbsfilet mit Risotto und Dreierlei von der Schokolade konventionell. Zwischen den Gängen traktiert er seinen Besuch mit einem drögen Ratespiel, bei dem sie einen Prominenten erraten müssen, der sich in einem Sack versteckt — Schäfer Heinrich. Zur Krönung darf Schlafgast Mickie Krause unter sauber aufgehängten Goldenen Platten nächtigen.

    Jürgen Drews, der den zweiten Abend bestreitet, ist nicht in Form. Ließ er sich früher keine Peinlichkeit entgehen, zeigt er sich heute in seinem repräsentativen, sehr weißen Haus vor allem müde. Er lässt Ehefrau Ramona machen, der er — so viel Imagepflege muss sein — noch ab und zu pflichtbewusst auf den Hintern tatscht, während sie Lachstartar schneidet, Kokosbällchen formt oder Hähnchen rollt. Auf Wortgefechte mit „Erzrivale" Mickie Krause lässt er sich dagegen nicht groß ein und ärgert sich nur etwas über dessen Gossensprache: „Er meint, dass diese Fäkalinjurien dazugehören", dabei müsse das bei Tisch nicht sein. Zu so viel Bodenständigkeit passt, was wir in dieser Folge über den wenig exzessiven Alltag der Malle-Stimmungskanonen erfahren: Alle fliegen einmal pro Woche für ihren Auftritt auf der Insel ein. Drews, der montags singt, schläft außerdem ausgiebig vor und stellt sich drei Wecker, damit er den Auftritt nicht verpasst.

    Schlagersänger unter sich: Da darf die Klampfe zum Dinner nicht fehlen (Bild: VOX)Schlagersänger unter sich: Da darf die Klampfe zum Dinner nicht fehlen (Bild: VOX)

    Zahnbürstenopfer Krause

    Krause, der erneut die Übernachtungszahnbürste erwischt, kann dagegen die ganze Nacht über nicht schlafen. Dass er am nächsten Tag als Gastgeber ran muss, kann man durchaus als gerechte Strafe fürs Dauerflachwitzeln sehen. Denn sobald Krause den Mund aufmacht, fallen Geschmacklosigkeiten. Mal meint er „Nice shoes, wanna fuck?" zu Loona, mal beleidigt er Jürgen Milskis Kumquat-Cappuccino („Zum Kacken reicht's"). Teilweise ist das witzig, öfter nicht, vor allem aber hat es sich schon in der ersten Auflage totgelaufen — und wirkt im Remake endgültig schal. Da ist es eine nette Abwechslung, dass Krause sich als Gastgeber auch von einer bürgerlichen Seite zeigt: „Ich finde, jedes Kind sollte ein Musikinstrument erlernen", referiert er. Später spielt der Musikzug der freiwilligen Feuerwehr ein Medley aus den größten Hits der gerührten Gäste und ein Butler fährt sie auf dem Traktor durch das Dorf. Die Möhrensuppe, den Lachs, den Himbeer-Blätterteig-Cognac-Schinken-Salat und das „dänische Tiramisu aus Holland" hat Krause übrigens selbst zubereitet. Sehr löblich.

    Was allerdings nervt, ist, dass das Dinieren zum Schluss hin einigermaßen versext gerät. Milski muss zum Beispiel wissen, ob Eurodancerin Loona tatsächlich eine Affäre mit Möchtegern-It-Girl Gina-Lisa hatte (ja). Als Loona bei Krause übernachtet, spielen beide eine Affäre vor, als Krause in der nächsten Nacht bei Loona übernachtet, auch. Überhaupt sind die Männer an Loonas Abend — es gibt Tom-Kha-Gai-Suppe, Nudeln mit Tomatensoße und Gebäck — ziemlich aufgekratzt und machen blöde Kifferwitzchen. Loona scheint's nicht weiter zu stören, der Zuschauer aber steigt bereits vor Krauses und Drews' Doppelsieg aus. Er wurde schon besser unterhalten.

    Quizaction