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    DSDS Finale 2012: Sweetie, Bad Boy und der Moderator aus der Hölle

    Alles nur Fake? DSDS — eine Schummel-Show? Dass auf der RTL-Ticket-Website am Mittwoch — drei Tage vor dem Finale — zeitweise vom „neuen Superstar" Daniele Negroni die Rede ist, sorgt für Aufruhr bei den Fans: Steht am Ende längst fest, wer diese Staffel gewinnt? Nein, dementiert man bei RTL, nur dumm gelaufen. Ein technischer Fehler hat die Ticketverkaufsseite, die vorsichtshalber für beide Kandidaten angelegt wurde, vorzeitig sichtbar gemacht. Natürlich fällt die Entscheidung erst am Samstagabend. Statt „Lug und Trug bei RTL" heißt die Devise jetzt: „Anrufen!".

    Gegeneinander im Duett: Luca Hänni und Daniele Negroni im DSDS Finale 2012 (Bild: Getty Images)Gegeneinander im Duett: Luca Hänni und Daniele Negroni im DSDS Finale 2012 (Bild: Getty Images)

    Lady Cascada und der Fernsehnationalfeiertag

    Das Angebot ist überschaubar: Da ist zum einen die Schweizer Schmusebacke Luca, der sich mit ganz viel Gefühl in die letzte Sendung gehaucht hat. Raubein Daniele hat dafür eher mit rostigen Nägeln gegurgelt und sich extra zum Finale eine sechsfarbige Frisur zugelegt. „Lady Cascada", „der Vulkan der Gefühle" und „der Jury-Chef" aka Natalie, Bruce und Bohlen sind ebenfalls da. Mit Paillettenherz (Natalie) und weißem Anzug (Bohlen) haben sie sich extra schick gemacht, doch das rettet sie — und uns! — leider nicht vor Marco Schreyl. Mit flachen Witzchen und Formulierungen à la „Fernsehnationalfeiertag" ist er auch heute wieder der RTL-Moderator aus der Hölle.

    Viel Schmalz und Nebel: Luca beherrscht die Ballade perfekt (Bild: Getty Images)Viel Schmalz und Nebel: Luca beherrscht die Ballade perfekt (Bild: Getty Images)

    Der Schmelz für Titanic-Eisberge

    Dem wahren Fan sind solche Details egal — er hat nur Augen für LUCA oder DANIELE. Schlägt sein Herz für Luca, sieht er heute erst acht Finalisten-Nasen zu „Good Feeling" von Flo Rida hampeln, bevor *kreisch* der Schönste im Aufzug einschwebt. Glückselig sieht er den champagnerfarbenen Luca zum dancigen „There She Goes" von Taio Cruz singen, nur der rappende Papagei nervt leicht. Zum Glück ist beim nächsten Song „Allein, Allein" (Polarkreis 18) Programm und Luca performt die Uptempo-Nummer solo auf einer Plattform. Dass Luca beim Refrain einen niedlichen Schluchzer eingebaut hat, bemerkt nicht nur die Jury *kicher*. Und die Ballade „The A-Team" (Ed Sheeran) geht mit Klavier und Nebel sowieso mitten ins Fanherz. Glaubt man Bohlen, hätte Luca so sogar die Titanic-Eisberge zum Schmelzen gebracht. Da ist es egal, wenn Luca im eigens von Bohlen komponierten Siegersong „Don't Think About Me" ein paar Töne mehr versemmelt.

    Rocky Roststimme

    Daniele-Fans sehen alles naturgemäß anders. Sofort würden sie beim rotzigen „Dance With Somebody" (Mando Diao) einspringen und mit Daniele im bunten Lasergewitter grooven. Danach würden sie genauso ausdauernd „Da-nie-le" rufen wie Bruce und umarmen würden sie ihn natürlich auch! Super lässig übrigens, wie Daniele zu Caligolas schnellem „Forgive Forget" breakdanced, während Totenköpfe im Hintergrund wackeln. Und die Jury hat schon recht: Die „rocky Roststimme" (Bruce) bringt's total, sogar Kitschnummern reist die raus. Das Duett der beiden Finalisten — „Almost Lover" von A Fine Frenzy — funktioniert zum Beispiel nur wegen Daniele. Das Klaviergeklimper dazu ist allerdings eher grenzwertig. Auch den Siegersong „Don't Think About Me" bringt Daniele schmissiger und nicht ganz so lahmarschig rüber wie unser aalglatter Schnulzenheini Luca. Bohlens Fazit „Jubel, Trubel, Heiserkeit" schließt der Fan sich an.

    Mimt den Bad Boy: Daniele bei seiner Mando Diao-Performance (Bild: Getty Images)Mimt den Bad Boy: Daniele bei seiner Mando Diao-Performance (Bild: Getty Images)

    Astra für alle

    Luca- wie Daniele-Fans dürfte freuen, dass in den Einspielern vor den Songs der bisherige Weg der Kandidaten noch einmal gaaanz ausführlich nacherzählt wird. Den durchschnittlichen Zuschauer dagegen nervt so viel Wiederholung und Detailverliebtheit eher. Das gilt auch für die Cross-Promotion, die sich RTL nicht verkneifen konnte. So wird „Kinder-DSDS" gefeatured und während alle auf die Entscheidung warten, bekommen Luca und Daniele unvermittelt noch ein Auto vom Hauptsponsor geschenkt. Naja. Irgendwann bringt Notar Dr. Fleischhauer dann aber doch den Umschlag mit dem Ergebnis: Luca ist der neue Superstar. Der Schweizer kann das erst gar nicht fassen. Dass Tränen kullern, ist Moderator Schreyl eher schnuppe. Nach einer gefühlten halben Minute schubst er Luca auf die Bühne, damit er den Bohlen-Titel noch einmal singt. Daniele wird einfach danebengestellt. Als er heftig zu weinen anfängt, wünscht man sich einen doppelten Boden für ihn. So viel ungeschützte Ehrlichkeit muss doch nicht sein. A propos Ehrlichkeit: Zumindest ist bewiesen, dass die Ticketseite für den vermeintlichen Superstar Daniele tatsächlich ein technischer Fauxpas war. Denn Konzerte ihres Favoriten wird es für Daniele-Fans wohl erst einmal nicht geben.

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