WAS IHRE FREUNDE LESEN

    DSDS Kids: Harmoniesuppe für alle!

    Kinder gegen die Quotenkrise — geht's noch? Als bekannt wurde, dass RTL Superstars zwischen 4 und 14 Jahren sucht, hagelte es Kritik. „DSDS Kids", vermutete man, soll vor allem die schwachen Quoten der Hauptshow auffangen. Dabei ist deren Konzept laut Jugendschützern für die Kleinen kaum geeignet. Zu grausam sei die Jury-Kritik in der Sendung, zu traumatisch die Spätfolgen, wenn Casting-Kids auf dem Schulhof gemobbt werden. Aber kann man „Deutschland sucht den Superstar" und „DSDS Kids" einfach in einen Topf werfen? Und ist der Ableger wirklich so schlimm?

    Jury-Mitglied Bohlen hat sich mit DSDS Kids eine Castingshow für die Jüngsten ausgedacht (Bild: RTL)Jury-Mitglied Bohlen hat sich mit DSDS Kids eine Castingshow für die Jüngsten ausgedacht (Bild: RTL)

    „Die netteste Jury in ganz Fernsehland"

    Bei RTL will man die Vorwürfe natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Schon im Vorfeld wurde eine Show für die ganze Familie angekündigt, mit süßen Kindern und großen Emotionen. Am Samstagabend nun wird die Grundharmonie dick aufgepinselt. Während sich Marco Schreyl bei DSDS gerne mal im Ton vergriff, hat Moderator Daniel Aßmann bei Super RTL gelernt, wie man sich pädagogisch zu Kindern runterbeugt. „Wie sieht's bei dir aus, kleine Maus?", fragt er lieb und kündigt mit Michelle Hunziker, Dana Schweiger und Dieter Bohlen „die netteste Jury aus ganz Fernsehland" an. Bohlen erklärt, dass er sich die Show nur ausgedacht hat, weil dauernd süße kleine Kinder bei DSDS mitmachen wollten. Un-be-dingt. „Alles wunderbar", versichern uns in den Vorstell-Einspielern auch die Eltern. Gefühlt klingt das bei allen so: Seit das Kind mit ca. zwei Jahren sein musikalisches Erweckungserlebnis hatte, singt es non-stop. Freiwillig! Es ist auch von Natur aus eine selbstbewusste Rampensau, macht Sport und hat ganz, ganz viele Freunde. Okay, Message verstanden.

    Die freche Skyla fühlt sich auf der Bühne der Großen richtig wohl (Bild: RTL)Die freche Skyla fühlt sich auf der Bühne der Großen richtig wohl (Bild: RTL)

    Die Prinzessin mit der Rockröhre

    Die Kinder, so viel muss man RTL lassen, sind geschickt ausgewählt. Zwischen acht und 13 Jahre sind sie alt, viele haben einen Migrationshintergrund. Es gibt die freche Kleine (Skyla), genauso wie das Harry Potter-Lookalike (Samuel), die Prinzessin mit der Rockröhre (Gala) oder den Jungen mit der Riesenbegabung (Besnik). Timmy (11) kann Breakdance-Moves und der leicht streberhafte Julius ist top in PR-Floskeln: „Unsere Band", schwäbelt er. „Wir sind alle gute Freunde. Wir spielen Pop, Rock und Charts." Das hätten die „Großen" auch nicht glatter formuliert! Überhaupt haben sich die Kids viel von der Hauptshow abgeguckt: Das routinierte „Ruf für mich an!"-Handschütteln zum Beispiel, aber auch die Songauswahl kommt einem seltsam bekannt vor. Bruno Mars, Leona Lewis, Adele oder Andreas Bourani sind auch bei DSDS gelaufen.

    Schräg singen ist gar nicht so schlimm

    Ob Achtjährige unbedingt von einem Besäufnis singen müssen („Tik Tok") und Zehnjährige vom Schwangerschaftstest ihrer Freundin („Easy"), steht auf einem anderen Blatt. Solche Feinheiten gehen allerdings in dem Riesen-Wohlwollen unter, das die Jury den kleinen Kandidaten aufdrückt. Demonstrativ geherzt werden sie, vor Alysha kniet Dieter Bohlen sogar nieder, nachdem sie mit „Tik Tok" (Kesha) fertig ist. Immer wieder bekommt Michelle Hunziker eine Gänsehaut und Dana Schweiger weint gerührt. Die Musik ist nebensächlich. Selbst bei der versägtesten Performance sind die Kids immer noch mutig, haben Charisma oder sehen total niedlich aus. Da ist es auch gar nicht so schlimm, dass nur Alysha, Besnik und Timmy eine Runde weiterkommen. Dürfen eh alle Kids ins Fantasialand. Süß!

    Timmy, Alysha und Besnik (v.l.) dürfen ins Finale von DSDS Kids einziehen (Bild: RTL)Timmy, Alysha und Besnik (v.l.) dürfen ins Finale von DSDS Kids einziehen (Bild: RTL)

    Das Harmonie-Dilemma

    Unnötige Grausamkeit kann man den Machern von „DSDS Kids" also nicht unterstellen. Doch die große, allumfassende Harmoniesuppe ist auch das Dilemma dieser Sendung. Einerseits muss man mit Kindern tatsächlich sensibel und freundlich umgehen, andererseits artet so viel Verständnis schnell aus: Es wird unheimlich viel geredet und die Sendung — die auch in der Erwachsenenversion schon ziemliche Längen hatte — entschleunigt so noch einmal zusätzlich. Stellenweise wird es echt zäh. Und wenn man ehrlich ist, haben Bohlens Bösartigkeiten in der Hauptsendung auch Spaß gemacht. Niedliche Kinder und liebe Juroren allein tragen dagegen keine 135 Minuten. Vermutlich haben die Jugendschützer in einem Punkt recht: „Deutschland sucht den Superstar" und Kids passen nicht richtig zusammen.

    Quizaction