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    “Einsatz in 4 Wänden – Spezial”: Vrederun in der Mittelalter-Hölle

    Vrederun Adig hatte es als Kind bestimmt nicht leicht. Sie wohnte mit Eltern und Geschwistern in einem Haus, das ihr Vater in der Nähe von Freiburg selbst gebaut hatte. Leider glaubte der Hippie-Künstler, dass Wasser- und Stromanschlüsse unnötiger Luxus seien und ließ sie beim Bauen einfach weg. Was es für eine zarte Kinderseele bedeutet haben mag, darüber hinaus auch noch auf Pizza und Ghostbusters verzichten zu müssen, können wir nur erahnen. Warum Vrederun auch mit ganzen 34 Jahren dennoch nicht aus dem — gelinde gesagt — etwas unbequemen Hort ihrer Kindheit ausgezogen ist, allerdings auch. Denn zwischenzeitlich ist das Haus zur reinsten Wohnkatastrophe mutiert. Oder wie es bei „Einsatz in 4 Wänden - Spezial" heißt: zur Mittelalter-Hölle.

    Sie schlägt wieder zu: Tine Wittler ist ab Juli mit neuen Folgen im "Einsatz in 4 Wänden - Spezial" (Bild: RTL)Sie schlägt wieder zu: Tine Wittler ist ab Juli mit neuen Folgen im "Einsatz in 4 Wänden - Spezial" (Bild: RTL …

    „Mann, Mann, Mann, Lebensgefahr"

    Tine Wittler kehrt ab Juli mit neuen Folgen ihrer Sendung „Einsatz in vier Wänden — Spezial" zurück. Zum Auftakt gibt es Extra-Schmankerl der besonders harten, bereits ausgestrahlten Fälle. Bei Nummer Eins der „Best of The Worst" ist die zu Hilfe gerufene „Wohnexpertin" Tine Wittler natürlich total geschockt, als sie vor dem Haus, oder eher Verschlag, der Familie steht. Landschaftsgärtnerin Vrederun und ihre Mutter Gabriele sind 18 Jahre nach dem Tod des Familienoberhaupts noch immer auf Linie: Sie heizen mit einem rußigen Ofen und das „Bad" ist nichts weiter als eine Ansammlung von bunten Kübeln. Durch die Löcher in der Decke regnet es immer wieder herein. „Mann, Mann, Mann, Lebensgefahr", flüstert Wittler verstört. Wenig später sammelt sie sich allerdings wieder und schickt Mutter und Tochter in eine Übergangswohnung. Pferde, Schafe und Gänse kommen vorübergehend ins Tierheim: freie Bahn für eine extra große Ausräum-Mannschaft, die mit schwerem Gerät ganze 18 Tonnen Sperrmüll aus der Wohnung holt — darunter auch Tierkadaver. Wittler rettet noch schnell das künstlerische Gesamtwerk des Vaters (Dramen, Gedichte und Bilder) vor der Müllpresse. Dann geht es erst einmal nicht weiter, denn Strom- und Wasserleitungen sowie der Anschluss an die Kanalisation fehlen. Ein nahe gelegener Fluss muss untertunnelt werden, um die Familie wieder an die Errungenschaften moderner Zivilsation anzubinden. Wie schön, dass sich das alles unkompliziert lösen lässt, indem RTL mal eben die Kamera auf die Planer hält. Plötzlich ist Wittlers Wunschtermin gar kein Problem mehr.

    Kaffeetrinken ohne Holzhacken

    Während Vrederun zum ersten Mal in ihrem 34-jährigen Leben Kaffee trinken kann, ohne vorher Holz zu hacken, fliegen zuhause die Hausverkleidungen und Dachschindeln in den Container. Eine betont fröhliche Off-Stimme verkündet die totale Zerstörung des Dachs. Danach wird wieder aufgebaut, Balken werden eingezogen und ein Schornstein eingefügt. „Nichts für schwache Nerven", behauptet die Off-Stimme jetzt. Bevor der Zuschauer noch Herzprobleme bekommt, wechselt RTL schnell die Szene. Wir sehen, wie Doreen, die längst ausgezogene Schwester Vrederuns, den Sozialpädagogen Daniel ehelicht. Das hat zwar mit dem Haus nichts zu tun, ist aber weniger peinlich als die demonstrativen Grabbesuche der Familie. „Papa ist stolz auf uns", glaubt Vrederun. Ob das, was die Handwerker-Heerschar mit dem Haus anstellt, so unbedingt im Sinne des Künstlers gewesen wäre, darf bezweifelt werden. Was der wohl zu der Wellness-Oase gesagt hätte? Immerhin bemühen sich die Handwerker um Naturmaterialien auf dem Dach (Schiefer), bauen eine Solaranlage und sorgen für Öko-Strom. Das Hausinnere dagegen wird vor allem weiß gespritzt, auch die Möbel fallen sehr hell aus. Wohnexpertin Wittler verteilt ein paar Blümchen hier und ein paar Limetten da.

    Sound-Katastrophe statt Wohn-Katastrophe

    Was folgt, ist das Übliche: Bei der Präsentation der neuen Wohnlichkeiten gibt es erst eine Runde Ausflippen im Eingangsbereich, dann werden den Familienmitgliedern die Augen verbunden, auf dass sie jedes Mal wieder ausrasten, wenn ihnen die Binde abgenommen wird. Das klappt erfahrungsgemäß bei den ersten Zimmern — Vrederuns „traumhafter Kuschelkammer" und Mutter Gabis Landhaus-Refugium  — gut: von Gefühlen überwältigt wird geweint und umarmt, was das Zeug hält. Später, beim Badezimmer, der Wohnküche und der Orangerie, haben sich die Damen schon ans Überraschtwerden gewöhnt und bleiben cool. Macht aber nichts, denn RTL gleicht den Mangel an realer Emo-Action einfach mit einer Mischung aus Balladen, Soul und 80ies-Powerpop akustisch aus. Sowieso ist „Einsatz in 4 Wänden" wohl die Sendung mit dem penetrantesten Soundteppich überhaupt. Eigentlich absurd, dass man klanglich so zugemüllt wird, während man anderen beim Aufräumen zuschaut. Sound-Katastrophe statt Wohn-Katastrophe — der Zuschauer hat es eben auch nicht leicht.

    RTL-Erstausstrahlung: 9. August 2010
    "Einsatz in 4 Wänden Spezial": Neue Folgen ab 16. Juli, 20:15 Uhr

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