Manche sagen, er sei die schwäbische Antwort auf Versace. Andere sehen ihn eher als Mensch gewordenes Neuschwanstein. Und wieder andere bemühen erst gar keine Metaphern, um das Konzept Harald Glööckler auf den Punkt zu bringen: Er ist der König des Kitschs, die Design-Diva des güldenen Firlefanz, „the Godfather of Strass". Vor allem ist Harald Glööckler jedoch eines: nichts peinlich. Wohl deshalb läuft die neue Vox-Doku über den operierten Paradiesvogel ein wenig ins Leere: (Noch mehr) bloßstellen kann man ihn nicht — und um ihn ernst zu nehmen, dafür ist man sich leider zu schade.
„Glööckler, Glanz und Gloria“: Paradiesvogel Glööckler ist ab sofort auf Sendung (Bild: Vox)
Bei Loddar hat's doch so prima funktioniert! Der einstige Star-Kicker ließ sich vom Privatfernsehen richtig schön durch den Kakao ziehen — und rührte die Milch dafür sogar noch selbst an. Eigentlich wollte er sich im Reality-Format „Lothar — immer am Ball" mal von einer ganz anderen, lockeren Seite zeigen. Am Ende aber trat er von einem Fettnäpfchen ins nächste, wurde im Nu zum Gespött Fernsehdeutschlands. Ein Image-Gau für Matthäus, ein Riesenerfolg für den TV-Sender Vox: Angeblich lieben's die Zuschauer ja, wenn „Stars" sich als absolute Vollpfosten herausstellen.
Exakt die gleiche Nummer will der Kölner Privatsender nun auch mit Harald Glööckler abziehen: In einer achtteiligen Doku-Soap begleitet Vox den extrovertierten Designer bei wichtigen Geschäftsterminen mit Versandhauskatalogen, zur Botox-Wartung beim Schönheitsdoktor und in die Luxuswanne mit integrierter Lichtorgel. Klingt nach der perfekten Vorlage, um den 46-Jährigen der Lächerlichkeit preiszugeben. Was der Sprecher mit einem ironischen „Oh" hier, einem blasierten „Ah" da auch überaus fleißig versucht. Das Problem ist allerdings: Herr Glööckler schämt sich für nichts.
Ein bisschen Bling Bling hier, ein bisschen Botox da: Einblick in Glööcklers Alltag (Bild: Vox)
Nicht für seine „pompöösen" Kreationen für einen Shopping-Kanal, genauso wenig für sein Klischee-Schoßhündchen und noch weniger für seinen generalüberholten Körper: „Ich musste die Hütte renovieren lassen, bevor sie zusammenfällt!" Doch nicht nur ist dem 46-Jährigen nichts davon unangenehm — ihm muss auch gar nichts peinlich sein. Der Erfolg gibt ihm ja schließlich Recht. Zu seiner Showroom-Eröffnung in Berlin Mitte kommen große Namen wie Liliana Matthäus und Brigitte Nielsen, zu seiner Autogrammstunde in die schwäbische Provinz immerhin noch eine große Horde Fans.
Zudem scheint Glööckler auch privat ein feiner Kerl zu sein. Immer wieder schwärmt sein Manager und Lebensgefährte Dieter Schroth von ihm: Er sei nicht nur ein „rischtischer Worgoholik", ein Arbeitstier also, sondern habe außerdem stets zu ihm gehalten, auch in der schwierigen Anfangsphase ihrer Liebe, als Schroth in Scheidung lebte und Geldprobleme hatte. „Das werde ich ihm nie vergessen", sagt er gerührt gen Kamera. Und das nimmt man ihm ohne Weiteres genau so ab. Hinter der geschminkten Glitzerfassade Glööckler, so viel ist spätestens da klar, steckt mehr.
Im Bad mit Glööckler: Auch privat leuchtet und glitzert es bei dem Designer (Bild: Vox)
Was das genau ist? Wohl einfach ein warmherziger Typ, einer, der sich vom Kaufhaus-Lehrling zum Großstadt-Designer hochgearbeitet hat und sich selbstironisch als „lebende Vernissage" („Bald verlange ich Eintritt!") bezeichnet. Da mögen sich ausgewiesene Fashion-Experten noch so sehr über seinen Hang zu Glitzer und Glamour lustig machen, der Meister selbst kann Häme und Spott gelassen sehen — weil ihm nun einmal genau das den Weg nach oben, sprich: in sein 1000-qm-Loft in Berlin Mitte geebnet hat. „Alle machen heute auf Understatement. Aber ich heiße ‚Pompöös' und nicht ‚Schlicht'!"
