Traumatisierte Afghanistan-Kriegsheimkehrer, Drogen- und Bandenkriminalität, Asyl- und Integrationsthematik: Es ist schon eine geballte Ladung Bitterkeit, die dem Kölner "Tatort: Fette Hunde" da aufgeladen wurde. Der finstere WDR-Krimi ist sicher nichts für Zartbesaitete, aber dranbleiben lohnt sich: Regisseur Andreas Kleinert schickt Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) durch die Kölner Nacht und das packendste Kölner "Tatort"-Szenario seit Langem.
Franziska (T. Mittelstaedt) bringt Ballauf (K. J. Behrendt, M.) und Schenk (D. Bär) auf Stand (Bild: WDR / E. L. …
Es beginnt in einem Regionalzug, und der Zuschauer weiß erst einmal nicht, was er mit dieser jungen, fremd aussehenden Frau (gespielt von der in Teheran geborenen Schauspielerin Maryam Zaree), die dort sitzt und "Grimms Mächen" liest, anfangen soll. Nicht anders geht es den Mitreisenden. Die Blicke sind misstrauisch und distanziert. Nein, Deutschland ist kein Märchenland für die Afghanin Amina Rahimi, die mit ihrem Bruder einreist - die Bäuche voller in Kondome verpackter Drogen, die sich nach und nach in den Organismus fressen. Es geht vom ersten Augenblick an um Leben und Tod. Die Uhr tickt ...
Die Geschwister Milad (R. Brojerdi) und Amina Rahimi (M. Zaree) sind auf der Flucht (Bild: WDR / E. L. Steingr …
Als ihr Bruder Milad (R. Brojerdi) stirbt und dessen Leiche aufgefunden wird, kommt die Mordkommission ins Spiel. Lange Zeit ist jedoch völlig unklar, welche Verbindung zwischen dem alsbald halbtot durch Köln hetzenden Mädchen Amina und der illustren Truppe deutscher Afghanistan-Heimkehrer bestehen könnte. Die Kommissare Ballauf und Schenk besuchen eine private Willkommensparty, die ihre ehemalige Assistentin Lissy (Anna Loos) ihrem Mann Sebastian (Roeland Wiesnekker) bereitet. Doch während die Daheimgebliebenen Party machen, wirkt der Heimkehrer seltsam durch den Wind. Nur noch im Kreise seiner Bundeswehr-Kameraden (Wanja Muess, Godehard Giese), zu denen er immer wieder flieht, scheint sich der Familienvater noch sicher zu fühlen.
Auch wenn hier manches sogar bis ins Detail an den ebenfalls ausgezeichneten Saar-"Tatort: Heimatfront" erinnert: "Fette Hunde" ist mit seiner rasenten, ungemein dichten Inszenierung ein hochspannender Themen-Krimi, der ohne didaktische Dialoge und erhobenen Zeigefinger auskommt, und deshalb unbedingt sehenswert.
("Tatort: Fette Hunde", Sonntag, 2. September, 20.15 Uhr, ARD)
