Die Kleinen sind noch nicht im Bett, da lockt RTLs Familienshow „Let's Dance" schon mit dem vollen Erwachsenen-Programm. Popoklatscher, Peitschen-Geschwinge und Puff-Jacken (Hartwich: Für Roman Frielings Jackett „musste keine Schlange sterben, nur ein Sofa aus'm Bordell!") inklusive. Da wird Rebecca Mir zur „Sau auf der Fläche" (Massimo Sinató), beweist Magdalena Brzeska pure Leidenschaft beim Paso Doble, lässt selbst die sonst so steife Joana Zimmer ihre Hüften ansatzweise sexy kreisen. Und Stefanie Herzel, äh, Hertel? Die macht mal eben den schlimmsten Alptraum ihres Volksmusik-Ziehvaters Heino wahr: Sie tanzt an der Stange. Ganz schön verrucht. Andererseits: Kann denn Unterhaltung Sünde sein?
Letzte Runde für Joana Zimmer: Die Sängerin scheidet im Viertelfinale aus (Bild: Getty Images)
Im Viertelfinale geht's bei „Let's Dance" so langsam an die „Operation Titelgewinn" (Hartwich). Da ziehen die vier verbliebenen Kandidatinnen natürlich die Samthandschuhe aus — und die bis zum Bauchnabel dekolletierten Paillettenfummel an. Allen voran zeigt Stefanie Hertel halbbekleidet, was sie hat und vor allem: was und WER sie mal kann. Auf Heinos moralinsaures „Bild"-Statement, in dem er sich über die „Fisimatenten" des früher doch so „anständigen Mädchens" aufregt, ihr gar eine Zweitkarriere auf der Reeperbahn empfiehlt, hat Hertel nämlich die einzig richtige Antwort parat: Sie steht drüber. Und zwar auf einem Pole-Dance-Podest, auf dem sie sich für ihren Paso Doble aufs Parkett räkelt.
Das dürfte dann wohl der Moment sein, in dem bei Schunkel-Urgestein Heino endgültig die Schnappatmung einsetzt. Immerhin, „Karl Moik hat noch nicht angerufen", freut sich Moderator Daniel Hartwich. Leider etwas zu früh: Denn die Gefahr einer weiteren Spießbürger-Schelte besteht sehr wohl. Dazu genügt ein Blick auf Rebecca Mir — und ihren knackigen Allerwertesten. Beim Jive zu „Marry Me" mimt sie eine kesse Braut, die sich — Achtung Hannelore, hol' schon mal die Herztropfen — schamlos unters eh schon sehr minimalistisch ausgefallene Hochzeitskleid gucken lässt. Eine im wahrsten Sinne des Wortes Schlüpfer-ige Einlage. Und auch tänzerisch eine geradezu unanständig „tolle Show" (Llambi).
Viel Pailletten, wenig Stoff: Die vier Kandidatinnen und ihre Outfits (Bild: Getty Images)
Was Rebeccas Erfolgsgeheimnis ist? „Zuckerrohr und Peitsche" von Partner Massimo, „aber die Peitsche zuerst." Nach der geballten Erotik-Show gibt es (fast) harmlose Schwoferei. Denn obwohl Joana Zimmer bei der Samba für ihre Verhältnisse ungewöhnlich viel südamerikanisches Feuer an den Tag legt, gerät ihr zweiter Tanz (ab dem Viertelfinale müssen alle Paare zwei Solotänze abliefern) zur unschuldigen Kitsch-Nummer. Im Flatterkleid und zu Schnulzenmucke („Break Away") legt sie mit Profi Christian Polanc einen Wiener Walzer hin und verzaubert so vor allem Maite Kelly, die hörbar „mit den Worten" (und der Grammatik, Anm. d. Red.) ringt: „Sie haben wie eine Fee über den Parkett geschwebt!"
Joana und Tanzpartner Christian werden von Jury und Showkollegen verabschiedet (Bild: Getty Images)
Oder eben wie Aschenputtel. Die jedoch, das lehrt uns schon das gleichnamige Märchen der Gebrüder Grimm, muss den Tanzball schon um Mitternacht verlassen. Oder im Fall von „Let's Dance": um 5 vor 12, also zwei Sendungen vor dem Finale. Joana scheidet — trotz starker Leistung — wenig überraschend aus. Als Blinde gegen Top-Tänzerinnen wie Hertel, Mir und besonders Magdalena Brzeska zu bestehen, die mit ihrem Slowfox sogar Kritik-Kaiser Joachim Llambi Standing Ovations und zehn Punkte (!) abringt, das war eh nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Aber Joana hat gekämpft und am Ende für uns alle gewonnen. Die Erkenntnis zum Beispiel, dass „Tanzen jedem von uns gehört, auch Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung." (Maite) Und die Moral von der Geschicht'? Hör auf die weise Kelly — und auf den biederen Heino lieber nicht.
