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    Letzter “Tatort” mit Mehmet Kurtulus: Show-down in Sin City

    Langsam. Jetzt bitte nicht gleich "Spoiler!" rufen. Dass der Hamburger Undercovermann Cenk Batu seinen letzten "Tatort"-Einsatz nicht überleben würde, ist schon länger bekannt. Der Erste, der es in die Öffentlichkeit trug, war ein "Bild"-Leserreporter, der am Rande der Dreharbeiten einen verräterischen Schnappschuss machte. Auch im Film wird mehrfach in Vorausblenden das blutige Ende vorweggenommen. Autorenregisseur  Matthias Glasner erzählt "Die Ballade von Cenk und Valerie" also als Tragödie. Der Abschied vom wackeren Mehmet Kurtulus in der imposanten, vom Publikum aber ungeliebten Ermittlerrolle stimmt denn auch traurig. Aber leider aus den falschen Gründen.

    Denkwürdiger Abgang: Mehmet Kurtulus als Cenk Batu (Foto: NDR / S. Hoever).Denkwürdiger Abgang: Mehmet Kurtulus als Cenk Batu (Foto: NDR / S. Hoever).

    Viele Beispiele fallen einem nicht ein, dass ein ausgezeichneter Regisseur bei einer formidablen Reihe derart den Bogen überspannt hat. Diagnose: überambitioniert. Und zwar rettungslos. Für die Sehgewohnheiten des breiten Krimi-Publikums waren die Fälle mit dem türkischstämmigen Undercoverpolizisten ohnehin immer eine Zumutung. Weil der Konventionsbruch sozusagen immer schon zum Konzept gehörte, reichte das zum Finale offenbar nicht mehr. Da musste noch eine Schippe drauf. Und die ist eine Schippe zu viel.

    Alleine dieser Fall! Batu wurde verdeckt auf einen Finanz-Trader angesetzt, der verdächtigt wird, illegale Transaktionen im großen Stil durchzuführen. Wie sich herausstellt, schlummern bei der Zielperson noch ganz andere kriminelle Energien. Der völlig durchgeknallte Yuppie hat eine zuletzt in den 60er-Jahren aktive Profikillerin, „Künstlername" Valerie (Corinna Harfouch), mit der Ermordung des neuen Bundeskanzlers (Kai Wiesinger) beauftragt. Und zwar einzig aus Renditegeilheit (bitte jetzt nicht nach dem Warum fragen). Die Mietmörderin plagt sich aber mit einem schlimmen Hustenleiden, weshalb sie sich außerstande sieht, den Auftrag selbst auszuführen. Ihre Lösung: Sie verschleppt Gloria (Anna Bederke), die neue Freundin von Cenk, den sie irgendwie enttarnt hat, und verlangt vom Polizisten für ihre Freilassung den Kanzlermord. Und das bitteschön vor laufenden Fernsehkameras.

    Die Profikillerin, der Bundeskanzler, die bösen Bänker. Noch dicker auftragen konnte Matthias Glasner wirklich nicht, der sich nach eigener Aussage am Stil der Graphic Novel orientiert hat. Aber mit Verlaub: Der „Tatort" ist nicht „Sin City", und er sieht auch hier trotz einiger stilisierter Bilder nicht danach aus. Dieser eitel „Ballade" getaufte Krimi mit seinen überdrehten Theaterdialogen wirkt über weite Strecken wie eine unfreiwillige Parodie.

    Da bricht Batu dem Bänker den Finger, ohne dass die Figur später mit Gips oder anderweitig gehandicapt zu sehen wäre. Corinna Harfouchs Killerin (vom Husten hört man irgendwann auch nichts mehr) ist angeblich unfähig, mit anderen Menschen mitzufühlen, was ihr maschinenhaftes Spiel unterstreichen soll. Fernsehpreis-Gewinner Jonas Nay ("Homevideo") spielt ihren Sohn, von dem es heißt, dass er vor Gloria noch nie ein Mädchen gesehen hat, denn er wurde 18 Jahre lang in einer Hütte im Wald großgezogen. Ist klar.

    Und Cenk Batu? Nimmt's alleine mit allen auf. Im Regen kniet er danieder, vom Schmerz übermannt, und am Ende opfert er sich tapfer für die Liebe. Fünfmal hat Mehmet Kurtulus diesen herausfordernden Typen zuvor gespielt. Interessant war's immer, manchmal auch brillant. Dass sein sechster Fall sein letzter sein sollte, wurde vom Feuilleton angemessen betrauert. Kurtulus, Liebling der Kritiker, geht, Til Schweiger, das Feindbild, kommt. Die Fronten schienen abgesteckt, und nun muss man völlig unverhofft sagen: Der Nachfolger kann es eigentlich nur besser machen.

    ("Tatort: Die Ballade von Cenk und Valerie", Sonntag, 6. Mai, 20.15 Uhr, ARD)

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