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    „Lothar – immer am Ball”: Eigentor für Lothar Matthäus und die Frühstückseier

    Viererketten im Kühlschrank, Cola zum Frühstück und Stilberatung für die Freundin — Lothar Matthäus möchte weg vom Negativimage. Weil er nicht mehr länger als notorischer Frauenheld und „Laber-Loddar" gelten mag, konzentriert er sich auf seine Kernkompetenzen. Doch leider versteht der Ex-Weltmeister darunter nicht (nur) sein geballtes Fußballwissen: Nein, die Nation soll vor allem den echten, den privaten Lothar Matthäus kennenlernen. Am besten funktioniert das, glaubt er, mit einer Personality-Doku. Klingt absurd? Ist es auch: Mit „Lothar — immer am Ball" hat sich Matthäus keinen Gefallen getan.

    Keine gute Idee: Lothar Matthäus gibt Einblicke in sein Privatleben (Bild: VOX)Keine gute Idee: Lothar Matthäus gibt Einblicke in sein Privatleben (Bild: VOX)

    „Sie hat dolle Merkmale, wo die Männer auch hinschauen"

    Schon vor Ausstrahlung der ersten Episode ließ Vox-Chefredakteur Kai Sturm durchsickern, dass man im Sender nicht glücklich mit dem Endergebnis sei; deswegen habe man das Format auch ins Spätprogramm verfrachtet. Matthäus, der sich prompt via „Bild"-Zeitung zur Wehr setzte, hatte bei einem derart rüden Foul wohl einige Sympathien auf seiner Seite. Am späten Sonntagabend ändert sich das allerdings — je länger die Sendung läuft, umso besser versteht der Zuschauer Sturm. Und das liegt nicht nur an der ungnädigen Off-Stimme, die — nachdem sie pflichtschuldig Lothars Fußballerkarriere heruntergebetet hat — hämisch kommentiert, was vor der Kamera passiert. Es liegt genauso an Lothar Matthäus.

    Der Lothar, den wir hier kennenlernen, hat genaue Vorstellungen davon, wie die Dinge zu sein haben. Dabei ist ihm nichts zu banal. Als „Linienrichter" rückt er in seiner Budapester Wohnung erst einen Läufer vor dem Aufzug zurecht und erläutert dann ausführlich, wie er die Joghurts im Kühlschrank sortiert — in „Viererkette" natürlich, nach Verfallsdatum aufgereiht. Später checkt er das Outfit von „Partner" Joanna Tuczynska (27). Tuczynska hat er auf der Feier zu seinem 50. Geburtstag kennengelernt, besonders stolz ist er auf ihre Figur: „Sie hat dolle Merkmale, wo die Männer auch hinschauen." Jetzt meint er: Das weiße Kleid ist top, doch zur Berlinale-Party darf das Unterwäschemodell aus Polen nur ohne Strumpfhose. Hat Lothar so in New York gesehen. Und überhaupt: „Wer schön sein will, muss leiden."

    Im Rampenlicht: Lothar und seine Freundin Joanna auf einer Promi-Veranstaltung (Bild: VOX)Im Rampenlicht: Lothar und seine Freundin Joanna auf einer Promi-Veranstaltung (Bild: VOX)

    „Eier schrecklich, nicht gut, nicht lecker"

    Auf der Party bleiben Lothar und Joanna dann nur 50 Minuten: Die Fotografen wollen nicht aufhören zu knipsen und die versammelte Presse nervt mit Fragen. „Eigentlich soll man überhaupt nichts sagen", meint Matthäus. Die deutsche Presse, ist er überzeugt, hat ihn sowieso auf dem Kieker. Sie weigert sich konsequent, ihn als den freundlichen, fairen und kooperativen Genießer darzustellen, der er nun einmal ist. Die Frage, warum er mit dieser Einstellung überhaupt auf einschlägige Promi-Events geht (und eine Vox-Personality-Soap dreht!), stellt sich Matthäus nicht. Genauso wenig beißt er sich auf die Zunge, als Joanna nach der strumpfhosenlosen Nacht in Berlin erkältet ist. „Das ist das Problem mit euch Frauen: Ihr zieht immer zu wenig an", stichelt er. Schuld sind immer die anderen.

    Man kann es Joanna fast nicht verübeln, dass sie nach solchen Frechheiten Lothars große Bodenständigkeitsinszenierung sabotiert: Konkret geht es dabei um das Frühstück. „Ich mache gerne Frühstück", betont Matthäus — dass das die wichtigste Mahlzeit des Tages ist, sagt schließlich auch Kaiser Franz. Wie der Rekordnationalspieler mit Eiern, Speck und Cola hantiert, wirkt dann aber nicht besonders überzeugend. Wenn da nicht mal die Übung fehlt… Joanna gelangweilt zum Endprodukt: „Eier schrecklich, nicht gut, nicht lecker".

    Foule Eier? Lothar überrascht seine erkältete Freundin mit Frühstück (Bild: VOX)Foule Eier? Lothar überrascht seine erkältete Freundin mit Frühstück (Bild: VOX)

    Zugegeben: Ein, zwei schöne Momente gibt es in der Sendung. Wie Lothar im Büro seines Managers einen Wäschekorb Fanpost Stück für Stück abarbeitet, ist trotz allem Kalkül rührend. Und als er sein Gesellenstück zur Inneneinrichter-Prüfung — einen gepolsterten Stuhl — zeigt und darüber nachdenkt, wie sein Leben wohl ohne Fußball verlaufen wäre, würde man gern mehr wissen. Man hat das Gefühl, hier tatsächlich etwas zu erfahren, das nicht dem Klischeebild entspricht, das man schon immer von Lothar Matthäus hatte. Der Rest der Personality-Doku schlägt allerdings in genau diese Kerbe. Und das ist, wie gesagt, keine gute Idee.

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