Sie haben viel Kritik einstecken müssen, machten manche Veränderung mit, aber sie sind sich dabei immer treu geblieben: Einen "Polizeiruf 110"-Film werden sie im Sommer noch drehen, dann ist Schluss für die Hallenser Fernsehkommissare Herbert Schneider (Wolfgang Winkler) und Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz). "Raubvögel", der jüngste Fall der beiden in die Jahre gekommenen Ermittler, machte nachdrücklich deutlich, dass es gute Gründe gibt, ihnen nachzutrauern. Ganz im Ernst: Soll das nostalgische Duo wirklich in den Ruhestand gehen?
Hauptkommissar Schmücke (Jaecki Schwarz) fragt sich, was Maria Wanka (Esther Zimmering) zu verbergen hat. (Bild: …Als die Sympathieträger am Ende auf dem Tandem durch die Landschaft davonradelten, war man beinahe versucht, eine Unterschriftenaktion zu starten, auf dass der MDR seine Entscheidung nochmals überdenken möge. Denn solche Motive dürfen durchaus als Sinnbild gelten: Dieser "Polizeiruf 110" hebt sich heraus aus all den experimentellen, thematisch überfrachteten, übermäßig temporeichen und schlicht anstrengenden Krimis am Sonntagabend. Eindeutig fiel denn unlängst auch das Votum in einer Umfrage auf "Bild online" aus. Ob die Kommissare zu schnarchig seien, wurde da provokativ gefragt: "Keineswegs. Für mich ist das die Entspannung am Sonntagabend!" antworteten 64 Prozent der User.
Auch wenn diesmal manches anders war - Schmücke, vom Arzt eigentlich zu Innendienst verdonnert, zog auf eigene Faust los -, war es doch über weite Strecken ein klassischer Fall für das Team aus Halle. Gar nicht schnarchig, sondern mit Ruhe und Bedacht, mit Herz und Verstand, lösten die beiden ihren Fall, wiederum tatkräftig unterstützt von der ebenso hübschen wie patenten Oberkommissarin Nora Lindner (Isabell Gerschke), die sich bestens eingefügt hat. Vor schönster sachsen-anhaltinischer Sommerkulisse wurde der Mord an einem Piloten aufgekärt - und man durfte zur Abwechslung einfach nur ganz entspannt dabei zusehen.
Der Mann wurde in einem Naturschutzgebiet, einem ehemaligen Sowjet-Armee-Areal, erschlagen. Das gab die inhaltliche Richtung vor - in einer solchen Region geht beides: Man kann dort seltene Vögel beobachten, und schräge Vögel können verbotene Dinge tun. Ornithologen, ominöse Geschäftsleute, windige Bauträger, ökologisch engagierte Hotelbetreiber, Falkner, Canabisanbauer ... In diesem breiten menschlichen Kosmos wühlten die drei Kommissare nach Motiven. Was vor allem deshalb Spaß machte, weil im Zentrum zwei wirklich griffige Frauenfiguren standen, die, jede auf ihre Art, faszinierten: Mehr und mehr drehte sich der Fall um die Geliebte des Opfers, Jenny Münzer (Henny Reents), und dessen Ex-Frau Marie (Esther Zimmering). Dass Letztere sich am überdrehten Ende als Täterin entpuppte kam für den Zuschauer allerdings ebenso von ungefähr wie das Mordmotiv. Wann wurde je wegen seltener Adler-Eier gemordet? Unterm Strich konservatives Fernsehen, aufgehübscht mit politisch-korrekter Originalität - es gibt wirklich Schlimmeres.
