Cem Özdemir ist wirklich einiges gewöhnt. Er kommt aus Stuttgart, war schon einmal arbeitslos und hat früher „au bissle kriminelle Sachen g'macht". Das Leben war sicher nicht immer nett zu ihm. Doch als er nach gefühlt einer halben Minute aus dem Castingraum fliegt, kostet das sogar ihn Nerven. „Das war grottenschlecht!", muss er hören — und das vom netten Ross. Im Recall müssen er und die anderen Nervenwracks raus, wieder reinkommen und „Hollywood Hills" noch einmal singen. Von vorne! Das Leben kann so hart sein, wenn man 20 ist, Straßenmusiker, und bei „Popstars" auf seinen Durchbruch hofft.
Cem würde die Straße gerne gegen die Bühne eintauschen (Bild: ProSieben)
Traumbody und Sachertorte
Doch von Anfang an: Die dritte Folge der aktuellen Staffel spielt mal wieder in Berlin, wo die Popstars-Allstars-Jury mit D! und seinem neuen Traumbody noch immer für den Workshop auf der Insel castet. Wo der Traumbody so plötzlich herkommt, wird zwischendurch in der Werbung erklärt, ansonsten sitzen Big Sister Senna, „Mutti" Ross, Kumpel Lucy und der unvermeidliche D! am Pult und harren der Kandidaten. Ein Trend ist diesmal unverkennbar: Die Gitarrenjungs kommen. Cem hat sich eine um den Hals gehängt, aber auch sein Freund, der smarte Patrick (19), langt in die Saiten, während er sich an „DJ Got Us Falling in Love Again" versucht. Leider lässt die Jury Patrick die Klampfe gleich wieder heimtragen. Dem blassen Skater Martynas („Ich gehe gerne in die Kirche in meiner Freizeit") bringt die Gitarre Glück. Vielleicht ist die Jury aber auch vom Businesskonzept des Jungen überzeugt, der sich seine Ausbildung zum Bürokaufmann selbst finanziert. Auf jeden Fall darf er weiter. Der sensibel-langhaarige Physiotherapeut Alex und die Österreicher Chris und Fabian sind zwar keine Gitarrenjungs, punkten aber am Keyboard und indem sie Sachertorte an die Jury verfüttern. Guten Appetit!
„Ross, oh mein Gott, Ross hat meinen Namen gesagt"
Die Mädchen wiederum verzichten weitgehend auf musikalische oder essbare Accessoires, das heißt aber nicht, dass ihnen nichts einfallen würde. Schülerin Zerna (16) aus Marbach hat das mit dem niedlich gucken schon zum ziemlich gut drauf. „Bei Popstars, da wird man gefördert", lispelt sie hoffnungsfroh und wickelt Ross und Senna so glatt um den Finger. Die schüchterne Mira dagegen retten Pole-Dancing-Kenntnisse in die nächste Runde. Auch wenn das mit dem Singen eigentlich nichts war — Senna hätte nichts gegen ein bisschen Unterricht an der Stange einzuwenden. „Ross, oh mein Gott, Ross hat meinen Namen gesagt!", quiekt Promoterin Sylvia (23). Sie kichert viel, trifft bei „Aint't No Mountain High Enough" aber ebenfalls kaum einen Ton. Für Ross ist die Performance — nicht sehr überraschend — trotzdem drei Punkte wert.
Trotz Yogaübungen mit Detlef: Lisa kann nicht punkten (Bild: ProSieben)
Noch mal von vorne! Und zwar als Band!
Überhaupt sitzen bei Ross die Punkte diesmal besonders locker. Immer wieder gibt er die drei Punkte, die die Kandidaten dann doch noch in den Recall bringen. Einfach mal sehen, wie sich die Talente entwickeln, so seine Devise. Das ist einerseits sehr sozial, sorgt aber regelmäßig für dicke Luft in der Jury, wenn Ross mal wieder der Einzige war, der das Feuer in den Augen der Kandidaten gesehen haben will. Und es bewirkt, dass der Recall diesmal übervoll ist und drei statt zwei Gruppen gegeneinander antreten müssen. „Wenn D! dich fertig macht, genieß es", gibt Ross den Kandidaten mit auf den Weg. Tatsächlich gerät der Recall dann zum Kandidaten-Massaker. Viele von Ross' Schützlingen enttäuschen jetzt. Vor allem die Gruppe mit Chris, Fabian, Martynas und Cem bekommt einen gehörigen Dämpfer, als alle zu „Hollywood Hills" erst einmal gegeneinander anbrüllen. Das wird sogar dem lieben Ross zu blöd: Noch mal von vorne! Und zwar als Band! Schaut euch an!, heißt es jetzt. Und siehe da: Es wird.
Cem Özdemir, übrigens, hat recht schnell verstanden, wie man schauen muss, um das Publikum für sich zu gewinnen. Er kommt weiter. Vielleicht sollte er irgendwann in die Politik gehen.
