Seine schwere Verletzung konnte Stefan Raab nicht stoppen. Der ProSieben-Quotengarant gewinnt die 35. Ausgabe seiner Erfolgsshow — und treibt den Jackpot in Richtung neuer Rekordhöhen.
Trotziger Siegerwille: Das vierte Mal in Folge war Stefan Raab nicht zu schlagen. (Foto: ProSieben/Willi Weber …
Den Hammersprüchen von Frank Buschmann, dem genial frotzelnden Kommentator, ist manchmal einfach nichts hinzuzufügen. „Dieser Ehrgeiz von Raab ist abartig", sagt er, als am Samstagabend zur vorgerückten Stunde die wie immer nervenaufreibend spannende Live-Show ins hochdramatische Schlussdrittel einschwenkt. Und schon wieder war Blut geflossen. Allerdings war es diesmal keine wirklich gefährliche Wettkampfverletzung, die Stefan Raab leiden ließ, weil er im unerbittlichen Gewinnenmüssen-Rausch wieder Kopf und Kragen riskierte.
Raab kennt keine Angst vor blutigen Schwielen. (Foto: ProSieben/Willi Weber)
Es war eine schwielige Blase, die sich der Marathon-Mann des deutschen Fernsehens — übrigens genauso wie sein Herausforderer, der sympathische Kölner Kinderarzt Peter — beim kräftezehrenden Durchsäbeln von 50 Hanfseilen mit einer Papierschere zugezogen hatte. Ein schmerzhaftes Wehwehchen gewiss, aber eben kein kriegsentscheidendes. Um gegen Dreiviertel eins, einer für „Schlag den Raab"-Verhältnisse frühen Schlusszeit als strahlender Sieger der 35. Ausgabe dazustehen, benötigte Raab diesmal keine Herkuleskräfte. Und die hätte er im streckenweise erbitterten, weil immer wieder ziemlich ausgeglichenen Show-Fight auch gar nicht mobilisieren können.
Nur drei Wochen vor dem aktuellen Waffengang hatte sich Raab bekanntlich beim Speerwerfen vor laufender Kamera einen doppelten Innenbandriss zugezogen, natürlich trotzdem weitergemacht — und schließlich noch gesiegt. Trotzdem trat der Extrem-Entertainer diesmal mit einem Handicap an: Seine Hartschalen-Sportschiene über dem rechten Knie schränkte seine Bewegungsfähigkeit deutlich ein. Besonders schweißtreibende Athletik-Disziplinen, die Raab sonst so liegen, wurden wohlweislich gestrichen. Man wolle ein „klitzekleines bisschen Rücksicht auf Stefans Verletzung nehmen", warnte Moderator Steven Gätjen die Zuschauer gleich zu Beginn vor.
Allerdings sollten sich die Raab-Gegner nicht in falscher Sicherheit wiegen. „Professor Hinkebein ist heiß", lautete die Parole. Mitleid hatte der „Terminator von ProSieben", als den ihn Off-Sprecher Buschmann bezeichnet, tatsächlich keines verdient. Aus Fairness-Gründen fehlten zwar diesmal die absolut Adrenalin-lastigen Disziplinen. Stattdessen gab es viele Buzzer-Spiele zum Knobeln und Taktieren sowie mehrere eher ruhige Geschicklichkeitsaufgaben wie die Übung, sich hinter dem Rücken aus Handschellen zu befreien. Oder eben das Pfannkuchen-Hochschleudern und sichere Wiederauffangen, mit dem Stefan Raab im 14. Spiel seinen Gegner letztlich besiegte — und nach dem vierten Sieg in Folge den „Schlag den Raab"-Jackpot auf 2,5 Millionen Euro steigerte.
Letztlich brachte Kinderarzt Peter auch sein Hufeisen kein Glück. (Foto: ProSieben/Willi Weber)
Beim Hufeisenschleudern, einer Disziplin, in der sich der oft vielleicht zu wenig entschlossene Herausforderer Peter behauptete und Raabs zuvor souveränen Vorsprung deutlich verkürzte, traten beide aus einer Distanz an, die sonst bei offiziellen Wettkämpfen in den USA für die Über-70-Jährigen reserviert ist. Ähnlich muskelschonend war das Krocket-Spiel angelegt, das ebenfalls Peter für sich entschied. Allerdings blamierte Raab seinen Gegner beim Auto-gestützten E-Ball, einer Outdoor-Variante des beliebten Computerspiels, bei dem die Spieler am Steuer von zwei Elektro-Fahrzeugen die Cursor-Bewegungen steuerten, schamlos. Merke: Immer wenn ein Motor läuft, ist Raab fast nicht zu schlagen. Und bei Fragen, bei denen es gilt, selbstbewusst mit popkulturellem Allgemeinwissen zu punkten, natürlich auch nicht.
Stefan Raab (rechts) kostete die Triumphe über Herausforderer Peter aus. (Foto: ProSieben/Willi Weber)
Wie so oft waren es allerdings wieder einmal die Spielideen, die junge Eltern bedenkenlos auf jedem Kindergeburtstag einbringen könnten, die „Schlag den Raab" zu einem gleichzeitig charmant altmodischen wie mitreißenden Erlebnis machten. Obwohl Raab so gar nichts von einem Gourmet an sich hat (geschweige denn vorzeigbare Tischmanieren kennt), schmeckte der gelernte Metzger bei der Blindverkostung natürlich das Salamistückchen heraus. Und die Spielbretter von Klassikern wie „Halma" oder „Siedler von Catan" erkannte er in Rekordgeschwindigkeit. Kinderarzt Peter schlug sich tapfer. Dass er letztlich doch verlieren würde, lag mal wieder an den abgebrühten Steherqualitäten des TV-Champs. Und der berühmten Nervenstärke.
Mit gleich fünf Geldkoffern à 500.000 Euro wird Steven Gätjen nach der Sommerpause am 15. September die neue Spielrunde eröffnen. Raabs Ziel steht schon jetzt fest: Er möchte selbstverständlich wieder gewinnen — und Schritt für Schritt den bisherigen Jackpot-Rekord von 3 Mio Euro aus der 17. „Schlag den Raab"-Ausgabe überbieten. Deswegen wird er natürlich wieder abartig motiviert antreten. Und spätestens nach den Ferien ist er sicher auch wieder furchterregend fit.
