WAS IHRE FREUNDE LESEN

    TV total Autoball Europameisterschaft 2012: Kampfschweine unter sich

    Bälle platzen, Scherben klirren, Motoröl tropft auf den Boden. Alle paar Minuten müssen kaputte Einzelteile von den Sportgeräten gepflückt werden, später sorgt ein unkontrollierter Scheibenwischer für spontane La-Ola-Wellen beim Publikum. Stellt man sich so eine Sport-Europameisterschaft vor? Wohl eher nicht. Aber die TV total Autoball Europameisterschaft ist ja auch ein Fall für sich.

    Die üblichen Verdächtigen: Raab gegen Kelly bei der Autoball Europameisterschaft (Bild: ProSieben)Die üblichen Verdächtigen: Raab gegen Kelly bei der Autoball Europameisterschaft (Bild: ProSieben)

    Von Scheibenwischern und La-Ola-Wellen

    Sie ist quasi die motorisierte Variante des klassisch Raabschen Promi-Spektakels. Schon bei der mit Blasmusik untermalten „Einfahrt der Nationen" hat der Zuschauer so seine Aha-Erlebnisse: Die Halbprominenz in den Autos hat er schon mal im Wok durchs Bild flitzen oder vom Turm springen sehen — nur Schauspieler Manuel Cortez ist neu. Der unvermeidbare Elton darf heute zum Glück nur als Field Reporter kalauern, moderiert wird von der bewährt uninspirierten ProSieben-Nase Steven Gätjen. Wie immer gibt es dazu Musikacts aus dem Mainstream: Diesmal die feuerverliebten Rocker von Linkin Park, die hüftwackelnde Oceana und ESC-Gewinnerin Loreen.

    Sport steht natürlich auch auf dem Programm, oder zumindest etwas, das so ähnlich aussieht. Denn die riesigen aufblasbaren Bälle mithilfe der Autos irgendwie in die nicht weniger riesigen Tore zu bugsieren, sollte eigentlich keine größere Schwierigkeit darstellen. Zumindest, wenn man irgendwann mal einen Führerschein gemacht hat. Rapper Eko Fresh, der für die Türkei antritt, hat just das nicht getan und nimmt nun vor den Augen der Fernsehnation seine ersten Fahrstunde. Wie er munter gegen die Banden kracht oder am Ball vorbeifährt, hat er natürlich keine Chance, die Vorrunde zu überstehen. Auch wenn er für La-Ola-Wellen sorgt, weil er es nicht schafft, den Scheibenwischer abzustellen, verliert er gegen Manuel Cortez (Portugal), den Moderator Christian Clerici (Österreich) und Giovanni Zarrella (Italien), den Protagonisten so einiger ProSieben-Promi-Dokus. Kurzum: die gesamte Gruppe A. Sein Gegenstück ist der wendige und trickreiche Zarrella, der alle Spiele haushoch gewinnt. Clerici startet plan- und strategielos, entwickelt aber eine gewisse Besessenheit. Cortes schlägt sich wacker, scheidet aber ebenfalls in der Vorrunde aus.

    Ohne Führerschein: Rapper Eko Fresh nutzt die Gelegenheit für erste Fahrstunden (Bild: ProSieben)Ohne Führerschein: Rapper Eko Fresh nutzt die Gelegenheit für erste Fahrstunden (Bild: ProSieben)

    Dschungelkönig im Pech

    Die Gruppe B wird deutlich von den beiden Kampfschweinen Stefan Raab (Deutschland) und Joey Kelly (Irland) dominiert. Beide greifen an, aber Raab hat auch das Abwarten drauf. Kelly dagegen kommt oft ziemlich verbissen rüber. „Wir Iren können nicht spielen, aber wir sind ein bisschen hart", meint er. Raab zum selben Thema: „Die erste gelbe Karte kam ungefähr drei Fouls zu spät." Ross Antony (England) dagegen kann zwar winken wie die Queen,  spielt aber eindeutig zu defensiv. Dementsprechend wird er von allen besiegt, sogar von Harry Wijnvoord (Niederlande), der ebenfalls nach der Vorrunde ausscheidet.

    Im Halbfinale geht es dann zur Sache. Im Match Italien gegen Irland machen die Kontrahenten die Räume extrem dicht, allerdings ist Zarrella taktisch geschickter und nützt den wenigen Platz zum Auskontern. Ein 2:0 ist das Resultat. Joeys Wagen ist nach dem Abpfiff so geschrottet, dass Helfer ihn vom Spielfeld schieben müssen. Im zweiten Halbfinale führt Stefan Raab Christian Clerici vor — der schaltet einfach nicht so schnell wie Raab und muss sich mit einem blamablen 5:2 verabschieden. Im Finale stehen sich schließlich Zarrella, amtierender Autoball-Weltmeister, und Raab, Noch-Europameister, gegenüber. Sie belauern sich erst gegenseitig, machen dann aber doch jeweils Fehler, die der andere für sich nutzen kann. Letztlich patzt Raab einmal mehr und ist das entscheidende Mü langsamer als Zarrella, der mit 2:1 den Europameistertitel erringt.

    Finale dahoam: Zarrella (r., Italien) siegt gegen Raab (Deutschland) in Köln (Bild: ProSieben)Finale dahoam: Zarrella (r., Italien) siegt gegen Raab (Deutschland) in Köln (Bild: ProSieben)

    Dass das Publikum Zarrella dafür ausbuht, hat übrigens nichts mit seiner sportlichen Leistung zu tun, sondern damit, dass er bei früheren Events gern mal eine dicke Lippe riskiert hat. Diesmal hat er sich dagegen sehr zurückgehalten — das ist zwar sportlich, aber auch ein bisschen langweilig. Etwas mehr Mut zum Spektakel, bitte!

    Quizaction