Eine dreistündige Doku am Samstagabend? Nein, wir sind nicht bei ARTE und auch nicht beim Discovery Channel. Wenn ProSieben beste Sendeplätze für eine solche Idee freiräumt, kann man davon ausgehen, dass das Ganze publikumswirksam gedacht ist. Ist es auch, denn die ebenso launigen wie intelligenten Sex-Rechercheure Paula Lambert und Thilo Mischke reisen in ihrer XXL-Doku "Unter fremden Decken - Auf der Suche nach dem besten Sex der Welt" von Schweden über Frankreich nach Japan, Brasilien und Kenia. Dabei wollen sie herausfinden, welche Eigenheiten Erotik-Kultur und körperliches Miteinander in den entsprechenden Ländern aufweisen. Herauskam eine poppig-beschwingte Reportage mit durchaus tiefergehenden Erkenntnissen.
Sexvergleich mit Paula Lambert und Thilo MischkeMenschen, die sich Buchtitel wie "Eine Frau mit Penetrationshintergrund" oder "Die Frau fürs Leben braucht keine großen Titten" ausdenken, bringen eben eine gewisse Portion Humor mit. Tatsächlich sind sowohl Paula Lambert (38) wie auch Thilo Mischke (30) als Sexkolumnisten und Buchautoren bekannt geworden, bevor man die Kopulations-Querdenker nun auch via TV unter die Leute bringt. ProSieben schickt seine Experten in fünf Länder, denen in Sachen Liebe ein gewisser Ruf vorauseilt: Schweden sind freizügig, Franzosen hingegen romantisch und liebestoll. Japaner machen's streng, Kenianer animalisch, und Brasilianer fühlen sich 24 Stunden pro Tag dem Sinnlichen verpflichtet.
In welchem Land gibt's den besten Sex? (Foto: ProSieben)
Alles nur Klischees? Ja und nein, wie Lambert und Mischke feststellen. Paula Lambert, die auf ZDFkultur auch den erotischen Matratzen-Talk "Im Bett mit Paula" betreut, freut sich über tatsächlich spielerisch-romantische Franzosen. Enttäuscht ist sie dagegen vom "Lustland" Brasilien, wo der allgegenwärtige Körperkult fast schon antiseptisch daherkommt. Thilo Mischke hingegen wundert sich über die Freizügigkeit, mit der ihm ein Kenianer über sein Sexleben berichtet oder die verklausulierte Erotik Japans, wo das absonderlichste Sex-Spielzeug massenhaft Absatz findet und Bondage vor allem als sportlicher Wettkampf geschätzt wird.
Was bei Lambert und Mischke auffällt, ist die intelligente Lockerheit, mit der sie ihre Themen angehen. Verglichen mit verblichenen "Hihi"-Erotiksendungen wie "Liebe Sünde", "Wa(h)re Liebe" oder "Peep" ist ihre Form des journalistischen Umgangs mit Sex humorvoll, locker und durchaus informativ. Da nerven selbst die drei Stunden nicht, die das (getrennt arbeitende) Duo für seine abwechslungsreichen Sex-Feldstudien durch die Lande zieht. Wenn man schon im TV über Sex reden muss, dann gerne so.
