Vorteil Jauch: Während er für seine Polit-Talkshow „Günther Jauch" zuletzt immer wieder Kritik kassierte, ist er als Promi-Quizmaster ganz in seinem Element. Streberanzug und gestreifte Krawatten stehen ihm. Er weiß genau, wie er den Spannungsbogen um die Fragen baut, wann es ein kesser Kommentar sein darf und an welcher Stelle er besser nur am Wasserglas nippt. Kein Wunder: Ist ja auch sein 24. WWM-Promi-Special.
Günther Jauch und seine Gäste im Flitterregen beim WWM Prominentenspecial (Bild: RTL)
„Oparation" und Ameisen auf dem Schleudersitz
Die Frage ist immer dieselbe: Wird es einen Millionär geben? Wird nach Oliver Pocher, Thomas Gottschalk und Barbara Schöneberger ein vierter Promi eine Wohltätigkeitsorganisation reich beschenken? Fernsehkoch Horst Lichter tippt die Qualifikationsfrage am schnellsten und darf beginnen. Er hat seine „Mamma" mit dabei und setzt auf seine typische Mischung aus sentimentaler Gemütigkeit und Kalauern. Bei der ersten Frage gibt es gleich eine kleine Krise, denn dass ein Seniorenteller auch „Oparation" heißen kann, fällt ihm erst bei genauerem Hinlesen auf. Danach aber flutscht es: Klar, Max Schmeling kannte Ali, der Mops spielt Fidel und Jacob Zuma hat vier Ehefrauen am Start. Später erzählt Lichter, wie er in seinem Bond-Spielauto Ameisen mittels Schleudersitz gen Himmel beförderte. Bei der 64.000 Euro-Frage ist dann Schluss: Ob es mehr als Tausend Schnuckelschnaken, Schnirkelschnecken, Schnörkelschnuckel oder Schniedelschnepfen gibt (richtige Antwort B), wissen weder der Publikumsjoker noch Telefonjoker Jan Hofer.
Fürstliche Bildungslücken
Die nächste Kandidatin, Gloria von Thurn und Taxis, ernennt Jauch einfach selbst. Angeblich sah er als Ministrant in Berlin-Lichterfelde mal so aus wie sie. Aha. Die Fürstin setzt sich die Lesebrille auf und los geht's. Bei der 500 Euro-Frage eiert Gloria zwar ein bisschen herum, kommt dann aber auf den Trichter, dass ein Fotomodell post und nicht supermarkt, und hat bis 16.000 Euro keine größeren Schwierigkeiten. Die Frage, welche Sportart Heinrich VIII. gespielt hat (Tennis), offenbart allerdings fürstliche Bildungslücken. Was Rugby ist, könnte man wissen. Ob ihr Unwissen auf diesem Gebiet daran liegt, dass Frau Fürstin nie fernsieht? Angeblich hat sie bisher auch noch keine WWM-Folge gesehen ... Wobei: Das Prinzip der Sendung scheint sie schnell begriffen zu haben, schließlich setzt sie ihre Joker so geschickt ein, dass sie erst bei der 125.000 Euro-Frage nach dem genauen Untergangsort der Titanic passen muss.
Promis im Händevergleich: Haben Männer wirklich längere Ring- als Zeigefinger? (Bild: RTL)
Die Moderatoren Daniel Hartwich und Sylvie van der Vaart treten als Team an, sie kombinieren angeblich weibliche Intuition mit „männlichem Halbwissen" (Hartwich). Tatsächlich ist Hartwich ein ziemlicher Streber, der Fragen gern auch mal beantwortet, bevor sie ganz gestellt sind. Van der Vaart wird zwar immer artig um ihre Meinung gebeten, kann aber nur bei der Frage nach der prominenten Namensgeberin einer Handtasche richtig glänzen: Natürlich, Grace Kelly wollte ihren Babybauch mit der Kelly Bag von Hermès verstecken. So etwas weiß die Sylvie, ist doch klar. Hauptsächlich aber wuppt Hartwich das Ding. Bei 500.000 Euro und der Frage nach der Stadt, in der die Währungen von drei Ländern geprägt werden (Rom), ist dann auch für ihn und seine schweigsame Teampartnerin Sense.
Anke Engelke in Siegerpose: Schlagfertig räumt sie 125.000 Euro ab (Bild: RTL)
„Sind Sie immer noch Klassensprecher?"
Was folgt, ist der unterhaltsamste Teil des Abends. Anke Engelke bekennt nicht nur selbstironisch, dass es gerade angeblich nicht so gut läuft („Ich bin keine Comedy-Queen mehr"), sie kaspert auch virtuos in einem pseudo-spanischen Akzent herum. Besonders witzig ist der Schlagabtausch, den sie sich mit Jauch liefert, als der ihre überdimensionierte Lesebrille als „Bomber" bezeichnet. „Welche Kommentare haben Sie denn schon zu Ihrer Brille gehört, Herr Jauch? Sind Sie immer noch Klassensprecher?", kontert sie. Später ordnet sie die Pantoffeltierchen noch der Tierart der Schuhfetischisten zu. Anke Engelke verdient mit ihren Antworten am Ende 125.000 Euro für den guten Zweck. Zusammen mit ihren Kollegen sind es 346.000 Euro. Für die Million hat es also in diesem Prominentenspecial bei weitem nicht gereicht — für einen unterhaltsamen Fernsehabend aber allemal.
