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    X Factor 2012: Casting geht auch freundlich

    Nach dem gelungenen Auftakt der dritten Staffel kehrt bei "X Factor" nun der Castingalltag ein. In den nächsten Wochen werden jeden Sonntag die überzeugendsten Kandidaten für den finalen Drill im "Bootcamp" ausgewählt. Was aber nicht heißt, dass es ab jetzt alltäglich wird — oder gar langweilig. Den recht schwachen Einschaltquoten von weniger als 2 Millionen Zuschauern trotzen eine motivierte Jury und ein bunter Haufen ziemlich unterschiedlicher Gesangs- und Musiktalente. Höhe- und Tiefpunkte liegen hier, ganz wie im echten Leben, nah beieinander — was auch in der menschenfreundlichen "X Factor"-Variante weiterhin den Reiz solcher Formate ausmacht.

    Hop oder top: Die Jury vergibt in den nächsten Wochen ihre Wertung mit „X“ (Bild: Vox)Hop oder top: Die Jury vergibt in den nächsten Wochen ihre Wertung mit „X“ (Bild: Vox)

    Ein Comeback und zwei Freundinnen

    Reizend ist auch Anke (35), die das mit langem Ledermantel und ziemlich wenig darunter auch auszuspielen weiß. Tina Turners "Proud Mary" gerät ihr zu Beginn ein wenig aus den Händen. Sie kriegt die Wendung aber mitten im Lied und beweist, dass sie eine echte Rampensau ist. "Selten hat man jemanden so schön schreien hören", attestiert ihr ausgerechnet H.P. Baxxter, der sie, genauso wie der Rest der Jury, zufrieden weiter winkt.

    Barne (20) ist in der letzten Staffel knapp ausgeschieden und bekommt nun seine zweite Chance. Bei "After Tonight" (Justin Nozuka) gibt er den Jungen mit der Gitarre und besticht trotz einiger Verspieler durch Stimme und Ausstrahlung. Sarah Connor freut sich sichtlich, ihn wieder dabei zu haben und ins Bootcamp mitzunehmen.

    Mach’s noch einmal, Barne: Sarah Connors Lieblingskandidat tritt erneut an (Bild: VOX)Mach’s noch einmal, Barne: Sarah Connors Lieblingskandidat tritt erneut an (Bild: VOX)

    Die Freundinnen Dana und Klementine wollen, jede für sich, die Jury überzeugen und gemeinsam eine Runde weiterkommen. Danas Version von "Put Your Records On" klingt wie dünne Dutzendware aus dem Radio. Sarah Connor bleibt hier ihren Wurzeln treu und zückt schnell das erste X. Moses Pelham und H.P. Baxxter tun es ihr nach ("Das war so 'ne Herzensentscheidung, die war so süß"). Klementine dagegen hat diese Nettigkeiten gar nicht nötig. Ihre ganz eigene Interpretation des Amy Winehouse-Klassikers "You Know I'm No Good" ist so gut, dreckig und eigenständig, dass ihr die Sympathien direkt zufliegen. Möglicherweise werden sich die Wege der beiden Freundinnen im Verlauf des Bootcamps trennen müssen.

    Stimmung mit und ohne Stimme

    Die harten Jungs der Berliner Heavy Metal-Band "Riff Raff" tun das Unerwartete und liefern ein brachiales Tattoo-Schweiß-und-Leder-Cover von ABBAs Schmusehit "Super Trooper" ab. Die Show ist lustig und unterhält das Publikum, aber der Gag zündet dank fehlender Gesangskünste und uninspirierter Brüllerei bei der Jury nicht wirklich. Gescheitert ist bisher auch die Kandidatentaktik, ein Lied zum Besten zu geben, das von einem Jurymitglied geschrieben oder erfolgreich performt wurde. Dieses Mal scheint Moses Pelham das Opfer seiner eigenen Ergüsse: Als Vanessa zu "Wenn das Liebe ist" ansetzen will, reagiert er skeptisch. Die nun folgende Gänsehaut-Version der 23-Jährigen ist aber so gefühlvoll, dass Pelham und die gesamte Jury ihr gerne den Weg ins Bootcamp freimachen.

    Zu Tränen gerührt: Bei Arbesas Auftritt weint Jurorin Sandra Nasic (Bild: Vox)Zu Tränen gerührt: Bei Arbesas Auftritt weint Jurorin Sandra Nasic (Bild: Vox)

    Eigene Songs und echte Tränen

    Mit selbst geschriebenen Songs können die Magdeburger Band "In My Days" und der Sylter Maurer Björn punkten. Beide begeistern auf komplett unterschiedliche Art und Weise mit ihren Eigenkreationen. "Normalo" Björn singt auf Deutsch und bedankt sich mit dem traurigen "Denn ich geh" berührend und ehrlich bei seiner Familie. "In My Days" spielen knackigen und tief gehenden Indie-Pop und haben mit "This Is Love" einen Ohrwurm im Gepäck. Natürlich werden beide mit einem klaren "Weiter" belohnt.

    Aber es geht noch besser: Die 16-jährige Arbesa singt jenseits von jeder Geste, komplett bei sich und unverstellt "You Found Me" von The Fray. Die Jury ist sichtlich beeindruckt. Diese Intensität wird Sandra Nasic zu viel — sie bricht vor Rührung in Tränen aus. Das wirkt nicht gestellt, genauso wenig wie alles andere in dieser Staffel von "X Factor". Wenn die weiteren Kandidaten im Casting so abwechslungsreich und talentiert bleiben, ist auch gegen den manchmal nervigen Schmusekurs der Jury wenig einzuwenden: Warum etwas Gutes niedermachen und echte Talente vorführen, wenn es auch freundlich und trotzdem unterhaltsam geht?

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