J.J. Abrams hat ein Problem. Ein ziemlich gewaltiges sogar ...
J.J. Abrams hat ein Problem. Ein ziemlich gewaltiges sogar. Er muss sein Mystery-Meisterwerk "Lost" irgendwann, nein, irgendwie beenden. Und wenn er die Millionen von Fans nicht enttäuschen will, die diese herrlich verwirrende Robinsonade auch hierzulande hat, sollte ihm ein Geniestreich gelingen. Über kaum eine andere Serie wird dermaßen heiß diskutiert und spekuliert wie über "Lost", die bei ProSieben bereits zwei Staffeln lang lief und im Herbst fortgesetzt wird.
Doch Abrams ("Alias", "Mission: Impossible 3") hat Zeit. In Amerika, wurde vor Kurzem beschlossen, drei weitere Staffeln bis Mitte 2010 zu produzieren. Eine Kompromisslösung offenbar, denn ursprünglich wollten die Produzenten das Geheimnis schon früher lüften, der Sender ABC drängte indes auf eine längere Laufzeit. Die Staffeln werden allerdings anstelle von 24 nur noch 16 Folgen umfassen. Was gleichzeitig aber auch bedeutet, dass das Rätsel, das die Insel, die darauf Gestrandeten und die Anderen umgibt, so schnell nicht gelüftet wird.
In den Fan-Foren kann also munter weiter spekuliert werden. Sie quellen allerdings jetzt schon vor abstrusen Deutungsversuchen und fantasievollen Mutmaßungen über das Geheimnis der Insel schier über. Eine Theorie scheint sich jedoch bei den Fans durchzusetzen. Nicht wenige glauben, das Ganze sei das gigantische wissenschaftliche Experiment eines Unternehmens, einer Regierung oder einer außerirdischen Spezies, die die Menschen wie Laborratten in einem Labyrinth über die Insel tollen lassen. Die Hardcore-Version von "Big Brother", wenn man so will. Da passt es prima, wenn man glaubt, "Lost" stehe für "Land of scientific testing". Andere Thesen, nach der zweiten Staffel kaum noch zu halten, sind da weit philosophischer, gar von religiöser Natur: Die Insassen des abgestürzten Fluges befinden sich demnach im Fegefeuer und kämpfen um ihr Leben und ihre Seelen, ohne es zu ahnen. Natürlich gibt es auch unter den Fans Abtrünnige, die sich ihre eigene Erklärung zurechtgesponnen haben.
Die Kult-Serie, die in den USA im Herbst 2004 und in Deutschland im Frühjahr 2005 erstmals ausgestrahlt wurde, dient mittlerweile als gewichtige Referenz für ähnlich konzipierte Formate ("Jericho"), die Darsteller avancierten zu Superstars. Hierzulande scheinen viele TV-Zuschauer allerdings das stete Gefühl der Ungewissheit und - nun ja - Verlorenheit, das die mit Preisen überhäufte Serie vermittelt, nicht sonderlich zu mögen. ProSieben hatte sich zumindest bessere Quoten für die zweite Staffel des Mystery-Krachers erhofft, die im Schnitt elf Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte. Ordentlich, aber eben unter dem Senderschnitt. Doch die Fanbasis ist eine breite, und die Kult-Serie so wundersam überraschend, dass jetzt schon die Tage bis zum Wiedersehen auf der Insel gezählt werden. 42, 23, 16, 15, ....
