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    Kein Diätzwang, kein Hanteln-Stemmen

    "Ich mache keine Beratung am Schreibtisch", sagt Alexa Iwan energisch. "Ich coache die Leute, indem ich mich bei ihnen zu Hause neben sie stelle und in ganz alltäglichen Fragen berate." Tatsächlich ist die 45-jährige Ökotrophologin trotz ihrer etwas einschüchternden, weil zungenbrecherischen akademischen Vorbildung eine sehr patente Ratgeberin für alle Fragen rund ums richtige Essen und die Arbeit an überflüssigen Pfunden. Ab Mittwoch, 11. Juli, geht sie mit ihrer im Vorjahr bereits einmal erfolgreich getesteten Abnehm-Reihe "Alexa - Ich kämpfe gegen ihre Kilos!" acht Folgen lang jeweils mittwochs, 20.15 Uhr, ran an den Speck.

    "Wenn man als Coach unterwegs ist", sagt Alexa Iwan, "dann tritt man nicht als Missionar auf." Ihr persönlich gehe es nicht darum, die Menschen zu rüffeln, runterzumachen oder mit all ihren Schwächen im Fernsehen vorzuführen. Deswegen legt sie Wert darauf, dass sie nur mit denjenigen Übergewichtigen arbeitet, die von sich aus auf sie zukommen und Hilfe einfordern. "Ich gebe den Impuls", erklärt sie und möchte die Familien, die sie in den neuen Folgen ihrer Reihe besucht, dazu motivieren, selbst etwas besser auf ihre Ernährung und auf die Herkunft der Lebensmittel zu achten.

    Die Expertin reagiert etwas gereizt, wenn man ihren Kampf gegen die Kilos mit der Abspeckreihe "The Biggest Loser" vergleicht, die zunächst bei kabel eins und zuletzt bei SAT.1 zu sehen war. "Was wir machen, ist keine Show", beteuert Alexa Iwan. "Es ist der ganz ernsthafte Versuch, übergewichtigen Menschen zu helfen." Daher soll man von ihrer Sendung auch gar nicht erwarten, dass in kürzester Zeit spektakuläre Abnehm-Erfolge präsentiert werden. "Es geht hier um Verhaltensänderungen", sagt sie. "Das ist wie beim Rauchen-Abgewöhnen - es ist ein mühsamer, langer Prozess." Deswegen hat es angeblich seit der ersten Test-Sendung, die im April vergangenen Jahres über vier Millionen Zuschauer zu RTL lockte, auch so lange gedauert, bis das Format jetzt in eine reguläre Acht-Folgen-Staffel geht. "Man braucht Zeit, solche Folgen zu produzieren", sagt Alexa Iwan. Seit Sommer 2011 steht sie wieder vor der Kamera - um in ihrer Dokusoap deutschlandweit betroffenen Familien zu helfen.

    Ihr Schwerpunkt ist die Beratung über gesunde Ernährung und entsprechend hochwertige Lebensmittel - aber es geht in der Sendung auch um praktische Haushaltstipps. So legt die gelernte Ernährungswissenschaftlerin, die während ihres Studiums lange in einer Hamburger Großküche gejobbt hat, Wert auf vermeintliche Kleinigkeiten. Wer Hackfleisch in einer beschichteten Pfanne anbrät, braucht dafür kein zusätzliches Fett, mahnt sie - und stößt mit dieser Erkenntnis bei vielen Zuviel-Essern oft auf blankes Erstaunen. Andere Familien klärt sie darüber auf, dass vieles, was sie für "frische" Lebensmittel halten, eigentlich bedenkliche Fertigprodukte sind. Manchmal muss sie sogar bei der ganz elementaren Gemüse-Kunde anfangen.

    "Ich mache keine Diät mit den Leuten", sagt sie. "Es geht darum, zu verstehen, wie man sich mit einer guten und ausgewogenen Lebensmittelauswahl richtig ernährt." Natürlich spielt dann in einem Abnehmkonzept auch der Sport eine Rolle. Nur wer sich bewegt, kann die Pfunde purzeln lassen. Ein Trainingsprogramm mit Hanteln, Step-Geräten und Bauchmuskel-Übungen wird man in ihrer Sendung aber lange suchen. "Ich jogge nicht mit den Menschen", erklärt Alexa Iwan. "Das muss dann ein anderer machen."

    Beim Umkrempeln ungesunder Ernährungsmuster spielt für sie auch ein kritischer Blick auf das Freizeit- und Fernsehverhalten eine wichtige Rolle - ein Ansatz, der im RTL-Programm durchaus ungewöhnlich und mutig wirken kann. "Fernsehen kann sehr blöde machen", sagt Alexa Iwan unumwunden, "weil es blöde Sendungen gibt". Gleichzeitig kann man den TV-Konsum aus dem Leben nicht wegdiskutieren - vor allem nicht, wenn das Fernsehen auch Lebenshelfer sein kann. "Es geht um den maßvollen Umfang", sagt die Ernährungswissenschaftlerin. "Die Dosis macht das Gift." Ehrensache, dass sie ihre eigene Sendung natürlich nicht für Zeitverschwendung hält. "Danach muss man ja nicht noch sieben Stunden fernsehen", scherzt sie.

    Ihre Leidenschaft für alle Fragen rund um Ernährung und Genuss - auch Letzterer ist für sie alles andere als ein Tabu - begann für Alexa Iwan schon in früher Jugend. Als kleines Mädchen hatte sie eine regelrechte Back-Manie entwickelt, erzählt sie. Weil ihre Mutter die vielen Kuchen irgendwann nicht mehr einfrieren konnte, inserierte die kleine Alexa eines Tages in den lokalen Anzeigenblättern - und baute so einen schwunghaften Nachbarschaftshandel auf. "Ich habe ganze Wochenenden lang nichts anders getan als zu backen", sagt sie im Rückblick. Zu ihrem Wunschstudium war dann kein allzu weiter Weg - obwohl sie zwischendurch ernsthaft mit einer Restaurant-Karriere liebäugelte. Allerdings merkte sie beim Geldverdienen in Restaurants und Kneipen bald: "Wenn man Koch ist, arbeitet man immer dann, wenn die anderen feiern", so Iwan. Den Plan ließ sie also wieder fallen.

    Heute genießt Alexa Iwan es durchaus, für Freunde und ihre Familie mit den beiden Töchtern zu kochen - und kennt dabei keine "Sünde". Immerhin fällt es der sportlichen Mutter trotz der vielen Verpflichtungen nicht schwer, ihren Körper in Schuss zu halten. "Ich habe das Glück, gute Gene geerbt zu haben", sagt sie. Natürlich spielt auch die Veranlagung eine große Rolle, ob man sein Gewicht halten kann oder nicht. "Allerdings ist das auch keine Entschuldigung für Dicke."

    In ihrer Sendung möchte sie nicht als Spaßverderberin auftreten. "Man darf das Allermeiste", sagt Alexa Iwan. Allerdings lohnt es sich sehr oft, lieber zweimal als einmal oder gar keinmal nachzudenken. Wie man lecker kocht - und gleichzeitig Kalorien spart, zeigt sie den Familien in ihrer Sendung. Und auch dem Publikum verspricht sie jetzt schon: "Sie werden den Unterschied nicht schmecken." Ihrem resoluten Charme, der Strenge süß serviert, kann man sich kaum entziehen.

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