2008 war ein gutes Jahr für die Coen-Brüder. Am Anfang gab es zwei Golden Globes und vier Oscars für das düstere Meisterwerk "No Country for Old Men". Gegen Ende des Sommers eröffneten sie das Filmfestival von Venedig: "Burn after Reading" hieß der zweite Filmaufsatz über die USA, den Joel und Ethan Coen verfassten und der nun das "SommerKino im Ersten" als Free-TV-Premiere zur Primetime ziert. Mit heiteren Tönen untersuchten die Coens Herz und Hirn ihres pseudo-moralischen Heimatlands - in Washington D.C., der Stadt, in der politische Intrigen und geheime Affären eine Menge Ablenkung vom Wesentlichen bieten.
Wer ein Genre bemühen will, um "Burn after Reading" zu beschreiben: Persiflage trifft's wohl am ehesten. In ihrem augenzwinkernd-gewieften Ausflug in die komplizierte Scheinwelt Washingtons nahmen sich die Coens alle Freiheiten für eine schwarze Spionage-Komödie mit beißender Kritik.
In Langley, Virginia, unweit der US-Hauptstadt, residiert die CIA. Dort, man kennt das aus dem Kino, ist die Intelligenz der Staaten konzentriert. Die muss funktionieren, sonst droht der Kollaps. Also wird der Sachbearbeiter Osborne Cox (John Malkovich) degradiert. Er habe ein Alkoholproblem. "Sie sind Mormone", antwortet er seinem Chef. "Für sie ist jeder ein Alkoholiker." Dann schmeißt er ganz hin, fährt nach Hause und nimmt um 17 Uhr seinen ersten Drink. So wie jeden Tag. Seine Frau (Tilda Swinton), ein kaltes und berechnendes Prachtexemplar der Washingtoner Upper Class, ist erleichtert. Auch sie kann nun guten Gewissens kündigen, und zwar die Ehe. Dann vergnügt sie sich, wie lange schon, mit ihrem Liebhaber Harry Pfarrer (George Clooney), einem recht einfach gestrickten Sex-Maniac im Staatsdienst.
In einem Fitnessstudio am anderen Ende der Stadt arbeiten derweil Linda Litzke (Frances McDormand) und Chad Feldheimer (Brad Pitt), zwei Prototypen des Unterschichtenamerikas. Linda, Single und über 40, will ihren Körper generalüberholen und wundert sich, warum die miese Gesundheitsvorsorge ihres Arbeitgebers dafür nicht aufkommt. Chad liebt seine blondierten Haare, sein Fahrrad und seinen Kaugummi. Und er hilft Linda, wo er kann.
Sie finden im Umkleideraum eine CD mit CIA-Daten des gefeuerten Ozzie Cox. Heiße Ware, heißer Plan: Linda könnte endlich glücklich werden mit einem neuen Körper. Und Chad? Der freut sich auf ein Abenteuer. Also spielen sie Geheimdienst, so wie sie es aus Filmen kennen. Erpressen, tricksen, drohen und das Meiste rausholen aus der Misere anderer. Betroffen sind alle: der Ex-CIA-Mann, dessen kaltschnäuzige Frau, ihr Liebhaber. Es gibt Tote und Verzweiflung. Und irgendwann werden auch die Russen eingeschaltet. "Die Russen?" - "Die Russen!", fragt man sich beim CIA, wo die absurde Groteske heimlich und stillschweigend beobachtet wird. "Was haben wir falsch gemacht?", fragt man sich dort, als die Affäre außer Kontrolle gerät.
Die Antwort: Eigentlich nichts, alles läuft wie immer. Die Toten verschwinden heimlich, und die Strippenzieher kommen davon in diesem großen, hintersinnigen Spaß, der süffisant und mit Verve erzählt - von der Moral zum Beispiel, die den stolzen USA irgendwie abhandengekommen ist.








