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    Zwischen Pop und Politik

    Deutschland drückt Roman Lob beim Eurovision Song Contest in Baku die Daumen. Aber auch die Menschenrechtslage in Aserbaidschan war vorab ein Thema.

    "Es ist noch alles im grünen Bereich", sagt Roman Lob über den Rummel um seine Person. Wahrscheinlich hat der 21-jährige Mädchenschwarm und ESC-Castinggewinner einen richtig guten Moment für seinen Durchbruch als Sänger erwischt. Zwei Jahre nach dem Lena-Wunder von Oslo und ein Jahr nach dem denkwürdigen Düsseldorfer Grand-Prix-Heimspiel ist der ganz große Erwartungsdruck weg. Zugleich rechnet niemand ernstlich mit einer in früheren Jahren obligatorischen Blamage, wenn der gelernte Industriemechaniker in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku seinen Song "Standing Still" vor einem TV-Publikum von weltweit rund 125 Millionen Menschen vortragen wird. Seit sich ProSieben-Mann Stefan Raab der "nationalen Aufgabe" angenommen hat, ist Zug in der Sache. Die Live-Übertragung des Eurovision Song Contests lässt sich aber auch in diesem Jahr die ARD nicht nehmen. Fast fünf Stunden Sendezeit sind reserviert.

    Wer sich hauptsächlich für den deutschen Starter beim kontinentalen Liederwettbewerb interessiert, wird lange ausharren müssen. Roman Lob, der in Begleitung seines Casting-Mentors Thomas D. nach Baku reist, bekam Startplatz 20 zugelost. Strategisch darf die hohe Nummer als Glücksgriff gelten, dem abstimmenden Publikum ist der junge Mann mit der Street Credibility und der weichen Stimme dann noch lebhaft im Gedächtnis. Wie seine Chancen im Wettbewerb stehen, findet Lob indes schwierig auszurechnen: "Natürlich wünsche ich mir den ersten Platz, aber das wird sehr schwer. Eine Top-Ten-Platzierung würde ich schon richtig abfeiern."

    Eröffnen wird den Abend der für Großbritannien startende Schmalz-Grand-Seigneur Engelbert Humperdinck. Vorab qualifiziert waren auch die Starter der übrigen Geldgeberländer Frankreich (Startplatz 9), Italien (10) und Spanien, (19). Sabina Babayeva, die Teilnehmerin Aserbaidschans, wird auf dem vermeintlichen Unglücksplatz 13 ins Rennen gehen. Sicher eine etwas undankbare Aufgabe - und das nicht nur, weil sie in die Fußstapfen der Vorjahressieger Ell / Nikki ("Running Scared") treten muss. Als Gesandte des Gastgeberlandes steht sie ungewollt auch politisch im Brennpunkt.

    Die Vorbehalte und Proteste gegen den Austragungsort der 58. ESC-Auflage waren im Vorfeld schwer zu überhören. Aserbaidschan mangele es an demokratischer Kultur, Menschenrechte würden nicht eingehalten, die Staatsoberhäupter würden das farbenfrohe Event zur Imagepolitur missbrauchen. Ob sich das Großereignis für die Oberen rechnet oder der Schuss nach hinten losgeht, muss sich zeigen. ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber erwartet jedenfalls "nach allem, was wir in Baku gesehen haben", eine "spannende Show".

    Im Ersten startet der "Countdown für Baku" mit Moderatorin Judith Rakers um 20.15 Uhr, traditionell live von der Hamburger Reeperbahn. Auf das "Wort zum Sonntag" (20.55 Uhr, Pastorin Nora Steen, Hildesheim) folgt um 21 Uhr die von Peter Urban kommentierte Übertragung des Song-Contests aus Baku. Um 0.15 Uhr meldet sich erneut Judith Rakers mit der "Grand Prix Party" (Gäste unter anderem: Peter Maffay, Aura Dione, Tim Bendzko) aus Hamburg.

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