Rund 260 Stunden sind ARD und ZDF live auf Sendung. Es gilt, 302 Entscheidungen in 26 Sportarten zu verfolgen. Wie immer sind die Olympischen Spiele - von Medienmacherseite aus betrachtet - etwas für Logistik-Großmeister. Da, wo früher hektisch hin und her geschaltet wurde und Zuschauer Sturm liefen, weil die Springreitübertragung wegen der Schlussphase eines spannenden Hockeyspiels unterbrochen wurde, weiß die digitale Welt mittlerweile Abhilfe zu schaffen.
Bis zu sechs gleichzeitige Live-Streams bieten die Internetangebote von ARD und ZDF während der Olympischen Sommerspiele 2012 in London (27. Juli bis 12. August), damit keine Sekunde der Leibesübungen verpasst wird. Sofern der eigene Netzzugang mitspielt, kann man sogar mehrere Streams parallel betrachten. Und noch eine clevere Idee präsentierten die öffentlich-rechtlichen Sender bei ihrer gemeinsamen Olympia-Pressekonferenz am Donnerstagmittag in Hamburg: An ARD-Sendetagen übernehmen die Reporter des ZDF die Kommentierung der Live-Streams im Netz und umgekehrt. Freie Tage? Die sind wohl gestrichen.
Mit Maßnahmen wie diesen reagieren die gebührenfinanzierten Sender auf Kritik ihrer Berichterstattung aus Peking 2008. "So gilt es, mit verringerter Personalstärke ein Sendevolumen zu stemmen, das dem von Peking nicht nachsteht", geben sich ARD-Programmdirektor Volker Herres und ZDF-Chefredakteur Peter Frey als sparfuchsige Einheitsfront. "ARD und ZDF sind diesmal mit 480 Mitarbeitern vor Ort", zeigt sich Herres durchaus stolz auf eine gegenüber Peking etwa um 200 Kräfte reduzierte Mannschaft. "Umgerechnet auf die Gesamtzahl der Sendestunden, sind das weniger als zwei Leute pro Stunde. Dies soll uns erst mal einer nachmachen." Die Gesamtkosten für die Übertragung liegen - laut Herres - "im oberen einstelligen Millionenbereich pro Sender".
Nach 1908 und 1948 ist London zum dritten Mal Olympiastadt. Die Eröffnungsfeier - kommentiert von Wolf-Dieter Poschmann im ZDF - macht in Sachen Übertragungs-Marathon am 27. Juli von 21.15 Uhr bis 1.30 Uhr den Anfang. Die Moderatoren im Studio des ZDF heißen Rudi Cerne und Michael Steinbrecher. Bei der ARD teilen sich Gerhard Delling und Michael Antwerpes den Olympia-Anchorman-Posten. Die Schlussfeier kommentieren fürs Erste Tom Bartels, Franziska van Almsick und London-Experte Rolf Seelmann-Eggebert.
Zwischendurch gibt es Gelegenheit, bekannte Sender-Stimmen bei Olympia in anderer Funktion zu erleben. So kommentiert ARD-Fußballguru Tom Bartels die Schwimmwettbewerbe, während das ZDF-Pendant Béla Réthy beim Hockey aktiv ist. In Sachen prominente Experten setzt das Erste wieder einmal auf Franziska van Almsick - übrigens als einzige prominente Fachfrau im Programm. Das ZDF leistet sich dagegen mehrere Experten: Christian Keller beim Schwimmen, Ronny Ziesmer kommentiert Turnen, und Philipp Crone ist beim Hockey dabei.
Zudem setzt das Zweite einen Schwerpunkt beim Thema Sportpsychologie. Hans-Dieter Hermann, bekannt von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und einer der bekanntesten Sportpsychologen des Landes, erhält eine tägliche Rubrik und wird sich bei entsprechenden Themen auch live im Studio äußern. Das Erste beginnt seine Sendetage täglich um 9.05 Uhr und schaut bis 9.45 Uhr auf den vorangegangenen Wettkampftag zurück. Im Anschluss beginnen in der Sendung "Olympia Live" die Wettbewerbe des Tages. Sie reichen mitunter bis etwa eine Stunde nach Mitternacht. Das ZDF beginnt seine Live-Berichterstattung ebenfalls um 9.45 Uhr - auch hier unter dem Siegel "Olympia Live".
Der Zuschauer darf sich in Sachen Wettkampfstätten auf eine Menge bekannter Postkartenmotive freuen. So gibt es Beach-Volleyball vor Horse Guards Parade, Triathlon im Hydepark, Tennis aus Wimbledon, Rudern in Eaton Dorney oder den Marathon durch die City. Der Olympia Park im Osten Londons bildet indes das Zentrum der Spiele. Zehn Milliarden Britische Pfund soll Olympia in London kosten, allein für das heikle Thema Sicherheit werden 1,2 Millionen Euro und etwa 40.000 Security-Kräfte eingesetzt. Sogar Flugabwehrraketen, die auf Wohnhäusern installiert werden, sind in der Diskussion.
Ein weiterer Knackpunkt in London dürfte der erwartete Verkehrs-Infarkt sein. Zu drei Millionen täglichen U-Bahn-Nutzern dürften noch einmal eine Million dazukommen. Auf den ohnehin verstopften Straßen wird es nach Einrichtung der "Olympic Lanes", das sind Sonder-Fahrspuren für Menschen in olympischer Mission, noch enger werden. "Viele Londoner planen, für die Zeit der Spiele einige Wochen Urlaub außerhalb der Stadt zu verbringen", sagten die London-Korrespondentinnen Annette Dittert (ARD) und Susanne Gelhard (ZDF). So viel britisches Understatement, denkt man, wäre doch gar nicht nötig gewesen.






