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    Sinnkrise im Dämmerlicht

    Einer dunklen Vorahnung gleich spielt Romy Schneider in "Die Liebe einer Frau" eine trauernde Mutter, die sich in ihrem Schmerz verliert.

    Verlust und großer Schmerz dominierten das letzte Drittel von Romy Schneiders Leben. Stets spiegelte die Schauspielerei ihr Leben und bestimmte es gleichermaßen. Im Melodram "Die Liebe einer Frau" (1979) spielte die damals 40-Jährige eine Mutter, die den Tod ihres Kindes nicht verwindet. Nur zwei Jahre später sollte Romy Schneider selbst ihren Sohn David verlieren, der nur 14 Jahre alt wurde. Am 29. Mai 1982, weniger als ein Jahr nach dem tragischen Unfall Davids, starb die Ausnahmeschauspielerin an Herzversagen - oder an gebrochenem Herzen, wie die Klatschpresse ihren Tod damals interpretierte. Im Rahmen einer Themenwoche anlässlich des 30. Todestages von Romy Schneider zeigt 3sat nun das Drama "Die Liebe einer Frau", das aus heutiger Sicht wie eine dunkle Vorahnung anmutet.

    Wenn das Schicksal eine Tür zuschlägt, öffnet sich eine andere, so sagt man. Eine völlig zufällige und zunächst belanglos scheinende Begegnung verändert das Leben von Michel (Yves Montand) von Grund auf. Der Witwer ist vom Tod seiner Frau schwer getroffen und will nach Caracas flüchten. Um seinen Flieger noch zu erreichen, eilt er in einem Taxi zum Flughafen.

    Beim Öffnen der Taxitür schlägt Michel der Passantin Lydia (Romy Schneider) die Einkaufstasche aus der Hand, und die beiden kommen ins Gespräch. Aus der anfänglichen Anziehungskraft entspinnt sich schnell ein sehr persönliches Gespräch, in dem Lydia vom Tod ihrer Tochter erzählt, die sie gerade erst bei einem Unfall verlor. In ihrem Schmerz um den Verlust eines geliebten Menschen stützen sich die Trauernden gegenseitig, ihre aufkeimenden Gefühle füreinander geben ihnen Halt und Zuversicht.

    Nach einer romantischen Nacht in den Variétés von Paris, beschließen Michel und Lydia, fortzugehen und sich eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Doch dann verschwindet die junge Frau ohne ein Wort des Abschieds.

    Das Fachgebiet von Regisseur Costa-Gavras sind eigentlich Politthriller wie "Z" (1969) und später "Music Box" (1989). In "Die Liebe einer Frau" versuchte sich der aus Griechenland stammende Franzose an einem Psychogramm zweier geschundener Seelen, die sich zunächst Hoffnung geben und letztlich doch in ihre Einsamkeit zurückkehren müssen. Die Figuren scheinen stets von dunklen Farben und Dämmerlicht umgeben zu sein, wodurch die Sinnkrisen beider noch bleierner wirken. Die schauspielerische Leistung von Romy Schneider und Yves Montand, die als Ensemble wunderbar harmonieren, besteht vor allem darin, dieser Schwere standzuhalten.

    Die Romy-Schneider-Themenwoche beendet 3sat am Freitag, 1. Juni, mit zwei ganz unterschiedlichen Filmen. Um 16.15 Uhr zeigt 3sat die Verwechslungskomödie "Die Halbzarte" aus dem Jahr 1958, in der sich Romy Schneider als kesses Wiener Mädchen in einen Vamp verwandelt. Um 22.00 Uhr folgt dann Romy Schneiders letzter Film "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" (1982), bei dessen Entstehung sich Schneider auf brutale Weise selbst mit dem Tod ihres Sohnes, der nur wenige Monate vor Drehbeginn verstarb, konfrontierte. "Man kann einen Augenblick lang nachdenken, aber dann muss man weitermachen. Stehenbleiben ist für mich nicht möglich", sagte sie damals.

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