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    "Spiel doch einfach Dich selbst ..."

    Köln Marienburg. Beste Gegend. Hier wohnen sie alle, die im TV-Geschäft was zu sagen haben. Klar: Hier wollte er hin. Nun steht der uralte Bus, in dem die Crew ihr Mittagessen zu sich nimmt, also direkt an der Straße zwischen den noblen Villen im englischen Landhaus-Stil. Dazu Wohnwagen, technische Ausrüstung und um die 30 Personen, die an der Produktion der SAT.1-Sitcom "Pastewka" beteiligt sind. Es ist ein gewöhnlicher Drehtag. Und doch ist allen Beteiligten der besondere Stolz anzumerken. Denn: Szenen für die 50. Folge entstehen. Hauptdarsteller Bastian Pastewka hat sich für diesen Moment denn auch einen hübschen Satz zurechtgelegt: "Als wir 2004 angefangen haben, hätte niemand gedacht, dass es 2012 überhaupt noch SAT.1 gibt, geschweige denn eine sechste Staffel unserer kleinen Serie."

    Wie viel davon ist echt? Das ist eine der Schlüsselfragen, von denen die Serie bis heute lebt. Dabei ist die Antwort einfach: eigentlich gar nichts. Doch "Pastewka" ist seit jeher die einzige fiktionale Serie im deutschen Fernsehen, deren Hauptfigur ebenso heißt wie der Darsteller. Nicht nur eine Vermarktungsstrategie, wie Bastian Pastewka klarstellt, sondern eben auch passend zur eigenen Vorgabe, die man sich gab: "Wir haben von Anfang an versucht, unsere Figuren wahrhaftig zu zeichnen. Wie sie leben, wie sie sich verletzen, wie sie gemeinsam lachen können - das ist die Basis von 'Pastewka'."

    Ziel sei es seit jeher gewesen, einen "Bastian" zu erschaffen, der nicht zufrieden ist, der sich selbst im Weg steht. "Ich wollte einen Typen spielen, bei dem man nicht so genau weiß, wo er hingehört, in welcher Zeit er eigentlich lebt. Und der dazu ein anstrengender Querulant ist. Mein Team hat mir geantwortet: 'Naja, spiel doch einfach Dich selbst!'"

    Dennoch: Es sind erfundene Geschichten aus dem Leben eines Comedystars, verfasst von Sascha Albrecht und Chris Geletneky - "den beiden verdanken wir den Erfolg", wie Pastewka klarstellt. Am Set, das wird beim Besuch deutlich, halten sich alle Beteiligten geradezu akribisch an die textlichen Vorgaben. Präzise gefeilt wird indes an der Komik, die aus Gestik, Mimik und dem Tonfall entsteht. Hier, so wirkt es, weiß jeder, wohin die Serie am Ende steuern soll, welche Art von Humor sie bedient.

    Dabei standen die Macher, "Pastewka" wird von der Produktionsfirma "Brainpool TV" umgesetzt, vor neuen Herausforderungen. "Routine ist bei der Arbeit an einer Serie, die ins sechste Jahr geht, nie ganz auszuschließen", sagt Bastian Pastewka. Die Figuren sind, in gewisser Hinsicht, auserzählt. Neuer Schwung musste her: So zieht Pastewka nun also mit seiner Dauerfreundin Anne (Sonsee Neu) in den Kölner Nobelstadtteil Marienburg. Damit, dass sein Bruder Hagen (Matthias Matschke), dessen Freundin und Pastewka-Dauerrivalin Svenja Bruck (Bettina Lamprecht) sowie Nichte Kim (Cristina Do Rego) es ihm gleichtun, konnte er ja nicht rechnen. Mit dabei sind auch diesmal eine ganze Reihe von Gaststars, die stets als sie selbst auftreten und sich dabei gehörig durch den Kakao ziehen: Hugo Egon Balder, Michael Kessler, Henning Krautmacher und "Tatort"-Kommissar Dietmar Bär sind angekündigt.

    Den Erfolg erklärt Pastewka, der vor wenigen Wochen seinen 40. Geburtstag feierte, aber auch mit dem besonderen Themenangebot der Serie. "Pastewka" seien demnach drei Sitcoms in einer: "Es gibt zunächst den klassischen Plot wie etwa: Bastian vergisst den Geburtstag von Anne, und daraus entstehen Verwicklungen. In der nächsten Folge geht es um seinen Bruder Hagen und ihren gemeinsamen Dauerclinch mit Vater Volker. Hin und wieder leisten wir uns überdies Ausflüge in Bastians Berufsleben: Es gibt Ärger in der Comedypreis-Jury, oder Michael Kessler will Bastians Youtube-Klicks überbieten."

    Die Gefahr, dass die Serie dabei - ein von Kritikern gerne geäußerter Vorwurf - zu branchenspezifisch werden und damit am normalen Publikum vorbeizielen könnte, kennt man sehr wohl. "Wir leisten uns in jeder Folge ein paar Seitenhiebe auf das deutsche Fernsehen, eben weil der Fernseh-Bastian ja Teil des Kölner Medienbetriebes ist. Ich bin sicher, viele unserer Zuschauer verstehen die eine oder andere Anspielung nicht", gesteht Bastian Pasteka. Aber: "Dem gegenüber gibt es genug Momente, die ohne Insiderwissen verständlich sind." Gefährlich sei es, die Erwartung oder die Intelligenz des Zuschauers zu unterschätzen. Pastewka: "Jeden, der mir sagt, unsere Serie sei zu fernsehspezifisch, erinnere ich an 'Dr. House': Niemand versteht die vielen medizinischen Fachtermini, aber man kapiert trotzdem in jeder Sekunde, worum es geht. Und man schaut House gerne zu, weil er ein toller Charakter ist."

    Zehn neue Folgen der mehrfach preisgekürten SAT.1-Comedy entstehen derzeit. Eine Woche Dreh ist pro Folge angesetzt. Der Start der neuen Staffel wird aller Voraussicht nach im September sein.

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