WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Superstar wider Willen

    Aus die Maus: Direkt nach Abschluss des Drehs zu "The Dark Knight Rises" verkündete Hauptdarsteller Christian Bale, dass er sich zum letzten Mal in das Kostüm des spitzohrigen Rächers von Gotham City gezwängt habe. "Es war ein bittersüßes Gefühl, als ich die Maske zum letzten Mal abnahm, denn mir persönlich hat es sehr viel bedeutet, diese Figur zu verkörpern", so der Schauspieler. "Immer wenn ich dieses Kostüm anzog, bekam ich Gänsehaut, weil ich die Ehre zu schätzen weiß, eine solche Ikone spielen zu dürfen. Ich kann mir nicht helfen - ich bin ungeheuer stolz darauf." Ab 26. Juli ist der letzte Coup des Superhelden im Kino zu bewundern. Mit der Batman-Maske legte Bale, berüchtigt für seine Ausraster, offenbar auch sein Rüpel-Image ab: In der Öffentlichkeit gibt er sich zunehmend verträglich und handzahm.

    Unvergessen Bales Wutausbruch am Set von "Terminator: Die Erlösung" (2009), als er einen Kameramann vor laufendem Tonbandgerät zusammenfaltete. Der Mitschnitt, der 80 Mal "fuck" in allen möglichen Variationen enthält, geistert bis heute durchs Internet und zeigt, dass durchaus ein wenig "American Psycho" (2000) in dem gebürtigen Waliser steckt. Auch die angeblichen Handgreiflichkeiten gegen seine Mutter und seine Schwester brachten dem ehrgeizigen Darsteller 2008 eine Menge negativer Schlagzeilen ein.

    Umso erstaunlicher ist es, dass sich der als Journalistenschreck verschrieene Star aktuell offen und freundlich gibt, sogar über Privates plaudert. "Meine Tochter ist verrückt nach Kunst, also zeichnen, malen und modellieren wir zusammen", schwärmt er im Gespräch mit dem britischen "Mirror" von der siebenjährigen Emmeline. "Sie liebt das. Und sie bringt mich dazu, bei den unmöglichsten Songs mitzusingen und mitzutanzen."

    Die Familie scheint ohnehin einen hohen Stellenwert im Leben des 38-Jährigen einzunehmen. So sieht er seinen Job als gute Gelegenheit, gemeinsam tolle Erlebnisse zu haben: "Das Reisen, seltsame, bizarre und wunderbare Erfahrungen ... Ich will, dass meine Tochter ein Teil davon ist und mich dabei begleitet." Auch seine Frau Sandra Blazic, mit der er seit zwölf Jahren verheiratet ist, sei dieser Meinung.

    Vielleicht wird Bale, dessen Karriere bereits als Teenager mit dem Steven-Spielberg-Film "Das Reich der Sonne" (1987) begann, mit zunehmendem Alter schlicht gelassener. Vielleicht gingen seine früheren Eskalationen aber auch auf einen inneren Druck zurück: "Ich verspüre manchmal das dringende Bedürfnis, meine Überzeugungen auszutesten - und zwar vom ganz anderen Ende des Moral-Spektrums her", gestand der Sohn einer Zirkusartistin und eines Unternehmers einst dem Männermagzin "GQ". "Ab und zu muss man dem Anstand auch mal ins Gesicht lachen. Dazu gehört Mut. Mut, den ich schätze."

    Mut bewies der Wahlamerikaner auch, als er sich 2011 mit der chinesischen Polizei anlegte. Nach Abschluss des Drehs von "The Flowers of War" in China wollte Bale zusammen mit einem Fernsehteam von CNN den Menschenrechtler und Anwalt Chen Guangcheng besuchen - inzwischen fand dieser Asyl in den USA -, und konnte nur gewaltsam von den Beamten davon abgehalten werden. Aktivismus ist dem stattlichen Briten keinesfalls fremd: Wie schon sein Vater engagiert er sich für Greenpeace und den WWF.

    Inwieweit seine Stiefmutter, die streitbare Feministin Gloria Steinem, Einfluss auf Bale hatte, ist allerdings nicht so leicht festzustellen. "Wir brauchen mehr Frauen, die sich behaupten können und intelligent sind", stellt der Oscarpreisträger ("The Fighter", 2010) im Gespräch mit "Mirror" klar. Diese Erkenntnis scheint jedoch eher seiner Tochter als der Arbeit Steinems geschuldet: "Ich merke jetzt erst, wie selten ich vor ihrer Geburt die Musik von Sängerinnen gehört habe. Jetzt höre ich sehr viele Sängerinnen, weil ich ihr beibringen will, dass sie genau dasselbe tun kann wie ein Mann."

    Vorbildlich, möchte man meinen. Oder ist des Widerspenstigen Zähmung doch nur ein kalkulierter Imagewechsel? Vielleicht hat Bale auch ein Statement, dass er vor einigen Jahren in einem BILD-Interview ablegte, noch einmal überdacht. Damals sagte er, er sehe sich nicht als Hollywood-Persönlichkeit und habe nie ein Superstar werden wollen. Beides ist er mittlerweile - und entsprechend hoch sind die Erwartungen an sein öffentliches Auftreten.

    Quizaction

    Empfohlene Artikel

    AKTUELLE TV-NEWS