Brüste weg, Bart dran: Theresa Scholze hat sich auf ein Experiment eingelassen, das vor ihr noch nicht so viele Schauspielerinnen im deutschen Film und Fernsehen unternehmen konnten. Die 32-Jährige spielt einen Mann beziehungsweise eine Frau, die sich in einer Komödie als Mann ausgibt. Am Dienstag, 28.8., ist "Mann kann, Frau erst recht" bei SAT.1 zu sehen (20.15 Uhr): Das Experiment ist geglückt. Den Schwanzvergleich mit all den Männern, die sich vor der Kamera schon erfolgreich als Frau austoben durften, braucht Theresa Scholze, Spross einer Schauspiel-Dynastie, nicht zu scheuen. Im Interview erzählt die selbstbewusste Potsdamerin, die lieber mal nichts spielt als Rollen, die sie nicht überzeugen, was sie über sich und das andere Geschlecht erfahren hat.
teleschau: Frau Scholze, wie lange brauchen Sie in der Regel, um sich für eine Party schön zu machen?
Theresa Scholze: Mit allem Drum und Dran? Eine Stunde.
teleschau: Beneiden Sie da manchmal die Männer, bei denen es meist schneller geht?
Scholze: Eigentlich macht mir das als Frau so viel Spaß - ich fände es fast schade, wenn ich ein Mann wäre und das nicht machen könnte. Frauen haben immerhin die Möglichkeit, Schminke aufzulegen, wenn ihnen nicht gefällt, was sie im Spiegel sehen! Das ist eine Situation, in der ich die Männer nicht beneide.
teleschau: Wann tun Sie's denn?
Scholze: Naja, sie müssen nicht auf Stöckelschuhen laufen, ihr Leben lang!
teleschau: Müssen Frauen ja auch nicht zwangsläufig ...
Scholze: Ich muss das nicht, aber bei 1,60 Meter Körpergröße sieht es einfach besser aus.
teleschau: Wen haben Sie sich zum Vorbild genommen dafür, wie sich Männer benehmen?
Scholze: Alle Männer, die mir begegneten! Zum Beispiel in der S-Bahn. Die schauten mich dann auch manchmal schräg an, weil sie dachten, ich flirte sie vielleicht an ... Es war ein bisschen schwierig, als junge Frau Männer anzustarren. Mache ich sonst so nicht. Und der Regisseur Florian Gärtner gab mir das Buch von Norah Vincent, die sich eineinhalb Jahre lang als Mann verkleidet und darüber geschrieben hat - auch viel über das Empfinden.
teleschau: Diese US-amerikanische Journalistin hat undercover die Männerwelt erforscht ...
Scholze: Krass, oder? Sie klebte sich einen Bart an und ging da raus. Diese Übereinkunft funktionierte sofort: Man sieht einen Menschen mit kurzen Haaren und Bart, der sich männlich kleidet - also ist das ein Mann, zack, fertig. Ich finde es total interessant, dass die Konvention so funktioniert. Das war für mich auch beruhigend: Wenn sie das im echten Leben durchgezogen hat, kann ich das auch im Film. Die Frage für mich ist ja: Wird der Zuschauer das annehmen?
teleschau: Wie wichtig ist es dabei vorzutäuschen, man hätte was in der Hose?
Scholze: Am Anfang dachte ich, ein gefülltes Kondom in der Hose hilft mir bestimmt dabei, mich wie ein Mann zu fühlen! War aber falsch gedacht. Das ist eigentlich Quatsch, das merkste auch gar nicht.
teleschau: Was half dann?
Scholze: Das Kostüm! Die Maskenbildnerin sagte zu mir: "Kaum kommst du aus der Garderobe, sprichst du gleich eine Oktave tiefer!" Wenn die Brüste abgebunden werden, wird einem auch ein Stück Weiblichkeit genommen.
teleschau: Sind Sie auch mal so raus auf die Straße, um die Wirkung zu testen?
Scholze: Ne, ich habe hier in Potsdam sehr viele Freunde. Die hätten gesagt: Oh ne, Theresa wieder! Ich bin aber einmal raus, um den Gang zu üben. Nur hier oben im Wohnviertel, als es auch schon dunkel war. Ich zog mir einen großen Pullover mit einer riesigen Mütze an und lief da so männlich lang. Ich dachte: Wenn dir jetzt jemand entgegenkommt, denkt der garantiert, du bist ein kleiner Kerl! Das war wie ein Schutz. Ich bin nun keine sehr ängstliche Person, aber es gibt gewisse Strecken, da möchte ich nach einer Party nicht alleine mit dem Fahrrad fahren, geschweige denn laufen. Dieses Gefühl war komplett weg! Männer haben da weitaus weniger zu befürchten. Das ist eigentlich beneidenswert.
teleschau: Lustig ist auch, dass Sie nicht etwa mit einem Mann geprobt haben, sondern mit Ihrer Mutter Sabine Scholze ...
Scholze: Die ist ja Schauspielerin! Außerdem beobachten sich Männer wahrscheinlich nicht unentwegt. Ich lief vor ihr herum, trank Bier - aus der Flasche natürlich - und sagte: Mama, schau dir das an und sag mir, wenn's zu weiblich ist! Sie war mein Schauspiel-Coach.
teleschau: Wie hat eigentlich Ihr Freund reagiert, als er sie zum ersten Mal so gesehen hat?
Scholze: (lacht) Der war geplättet und meinte: "Ich kann dich jetzt nicht lange so anschauen, das ist total komisch!" Für einen Mann ist das merkwürdig. Am Set lief er fast an mir vorbei, weil er sich nicht sicher war, ob ich das wirklich bin.
teleschau: Aber eigentlich ist er aus der Branche und kennt solche Verkleidungstricks, oder?
Scholze: Ja, aber trotzdem ist es im deutschen Fernsehen eher selten, als Frau einen Mann zu spielen.
teleschau: Es gibt etliche Komödien, in denen sich Männer als Frauen verkleiden. Umgekehrt wird eher ein Drama draus, wie in "Die Päpstin" ...
Scholze: Mir fällt eigentlich nur die Komödie "Was ihr wollt" von Shakespeare ein. - Ja, ich weiß noch, dass ich zwei Tage vor Drehbeginn riesiges Muffensausen hatte, ob das funktionieren würde. Aber beim Dreh empfand ich die Rolle als großes Geschenk.
teleschau: Haben Sie jetzt auch irgendwie Ihre eigene männliche Seite erforscht?
Scholze: Ich glaube, ein bisschen männlich und weiblich sind wir ja alle. Dadurch, dass ich die männliche Seite aber so oft spielte, war es eher so, dass ich im Privatleben noch weiblicher war. Wenn ich abends den Bart abnehmen konnte, freute ich mich immer: Ich bin 'ne Frau, ich bin 'ne Frau! Dann fand ich's super, auf Stöckelschuhen zu laufen - das klackte auch so schön! Dadurch, dass mir die Weiblichkeit den ganzen Tag weggenommen wurde, war ich mir ihrer noch viel bewusster. Die männlichen Seiten, die ich als Frank Schmidt zeige, waren jetzt nicht so überraschend für mich.
teleschau: Haben Sie das Gefühl, dass Sie die Männer jetzt ein bisschen besser verstehen?
Scholze: Ja, schon. Aber das kommt eher wieder durch das Buch von Norah Vincent, die auch viel aus der Sicht der Männer beschreibt. Beim Lesen dachte ich oft: Stimmt, so habe ich das ja noch gar nicht gesehen!
teleschau: Zum Beispiel?
Scholze: Zum Beispiel, was diese ganze Frauen-ansprechen-Nummer betrifft. Männer fangen sich ja neun Körbe ein, ehe sie einmal erfolgreich sind. Ich als Frau gehe nicht los, spreche Männer an und fange mir einen Korb ein. Das machen wir halt nicht. Und wie Frauen dann werten und wählen - da müssen sich Männer einer ganz anderen Beurteilung aussetzen. Das fand ich sehr interessant. Wenn ich das nächste Mal einem Mann einen Korb gebe, werde ich das vielleicht ein bisschen charmanter machen!





