Irgendwo hört der Spaß auf - selbst für Sacha Baron Cohen. Um dem verstorbenen King of Pop Respekt zu zollen, kickten er und Regisseur Larry Charles eine komplette Szene aus dem gemeinsamen Werk "Brüno", das RTL jetzt als Free-TV-Premiere zeigt. Darin versuchte Cohen im Verlauf eines Interviews mit Michael Jacksons Schwester LaToya, an die Telefonnummer ihres berühmten Bruders zu kommen. Doch wer glaubt, diese Milde gelte auch für den Rest des Films, wird eines Besseren belehrt: Das Gespann Cohen-Charles, das erst im vergangenen Mai in "Der Diktator" wieder kräftig austeilte, kennt auch in "Brüno" kein Pardon.
Nachdem Cohen als kasachischer Reporter Borat und schriller Rapper Ali G. für Furore sorgte, schickte er 2009 sein drittes Alter Ego auf die Leinwand: Brüno. Mit 19 Jahren kann das Fashion Victim bereits auf eine große Karriere zurückblicken - immerhin moderierte der Österreicher "Funkyzeit", die "wichtigste Modeshow aller deutschsprachigen Länder außer Deutschland". Entscheidend ist jedoch die Vergangenheitsform: Mit einem fragwürdigen Klebebandanzug katapultierte sich der Star in seinem Heimatland ins Abseits.
Aber was ist schon Österreich, wenn einem die ganze Welt zu Füßen liegen kann? Begleitet von seinem treuen Assistenten Lutz (Gustaf Hammarsten) bricht Brüno nach Los Angeles auf, um "Österreichs größter Star seit Hitler" zu werden. Nur wie? Hollywood scheint für ein Talent wie das seine jedenfalls noch nicht bereit zu sein. Weder "Wilhelm Schmidt" (Will Smith) noch "der Führer" Mel Gibson ließen sich zu einem Interview bewegen, Paula Abdul ergriff angesichts der gastarbeitenden mexikanischen "Sitzmöbel" die Flucht. Und auch der Plan, den Kongressabgeordneten Ron Paul zu verführen, will nicht richtig aufgehen.
Doch keine prügelnde Domina, kein wütender Soldat kann Brüno aufhalten: Trendbewusst entschließt er sich, in Afrika seinen I-Pod gegen einen Säugling - den kleinen O.J. - einzutauschen und ganz nebenbei noch den Nahen Osten zu befrieden. Warum seine ahnungslosen Gesprächspartner angesichts dieser noblen Ziele nur immer so seltsam dreinblicken?
Ob nun Brüno oder Borat, Sacha Baron Cohen bleibt seinem Stil treu: Als schriller Vogel provoziert er seine Gesprächspartner, um ihnen ganz nebenbei die unmöglichsten Statements zu entlocken. So räumt die Mutter eines Babymodels ein, dass ihr Kind bis zum Shooting in einer Woche problemlos noch fünf Kilogramm abnehmen könnte. Ein Pfarrer berät ihn hingegen allen Ernstes, wie er seine Homosexualität bekämpfen soll.
Solche Szenen, die dem Publikum wirklich die Kinnlade herunterklappen lassen, bleiben jedoch die Ausnahme. Viel lieber suhlt sich Cohen, der in der Originalversion tapfer Deutsch spricht, in Körperflüssigkeiten: Mit seinem thailändischen Lover (Clifford Bangale) spielt er die absurdesten Sexszenarien durch, dem von einem Wahrsager beschworenen Geist des verstorbenen "Milli Vanilli"-Mitglieds Rob Pilatus spendiert er einen Blowjob.
Mit nicht immer ganz geschmackssicheren Scherzen geht es im Anschluss nahtlos weiter: Mit der Realsatire "Borat", die RTL um 23.50 Uhr wiederholt, wurde Sacha Baron Cohen 2006 berühmt.







