Jacques ist übellaunig, beleidigend, abweisend, gefühlskalt. Lucas hingegen ist die Güte und Warmherzigkeit in Person. Die beiden lernen sich im Krankenhaus kennen, wo Jacques nach seinem fünften Herzinfarkt landet. Lucas hingegen hat einen Selbstmordversuch hinter sich. Die Verlorenheit in der Welt bringt sie zusammen - in Dagur Káris nett gemeinter Studie über menschliche Einsamkeit mit schmerzhaftem Sendungsbewusstsein: Bei "Ein gutes Herz" (2009) wäre der verräterische Titel gar nicht nötig gewesen, um schon nach wenigen Minuten zu wissen, wie die Außenseiterdramödie, die ARTE nun als Free-TV-Premiere zeigt, enden wird.
Jacques (Brian Cox) will den jungen Obdachlosen Lucas (Paul Dano) nach seinen Vorstellungen formen, um ihm schließlich sein Lokal zu überlassen. Doch vorher muss er ihn in die Geheimnisse des Barkeepings einweihen. Die Grundregeln: Nur Stammgäste werden bedient, Frauen sind nicht erwünscht, und man verbrüdert sich keinesfalls mit den Kunden.
Leider lässt Regisseur Dagur Kári die Zwischentöne vermissen, die seine Winterkomödie "Nói Albínói" (2003) zu einem spröden Kleinod gemacht hatten. Der Isländer betont in seinem Film, der 2010 nur etwas mehr als 20.000 Zuschauer ins Kino lockte, lediglich das Offensichtliche. Jacques ist ruppig, schmuddelig, düster - wie seine Bar. Lucas kümmert sich sich um jede Seele - rettet eine Ente vor dem Straßenverkehr und bringt sogar einen seit Jahren schweigsamen Espressotrinker zum Reden.
Paul Dano, der ab 11. Oktober in der Komödie "Ruby Sparks" im Kino zu sehen ist, wirkt in dieser Rolle wie ein Kaninchen vor der Schlange. Bei einem Gegenspieler wie dem außer Rand und Band herumtobenden Brian Cox ("Planet der Affen: Prevolution") ist das aber verständlich.
Eine echte Spannung entsteht zwischen Jacques und Lucas nicht - dafür entwickeln sich die Charaktere zu sehr nach dem Gutmenschenprinzip von bedeutungsschweren, geschwätzigen Independent-Komödien. Irgendwann muss also eine aufgelöste und durchnässte Frau (Isild Le Besco) für Aufregung sorgen. Sie wirkt zwar wie ein Fremdkörper - in Bar und Film gleichermaßen. Aber wenigstens ist mal was los.





