“Mal eine richtige Tunte”: Hannes Jaenicke im Gespräch

Der Schauspieler über Antikriegskomödien, seinen Spagat zwischen Naturschutz und Schauspielerei und andere moralische Gratwanderungen.

Mission Antikriegskomödie: Hannes Jaenicke im Auslandseinsatz (Bild: ProSieben)Mission Antikriegskomödie: Hannes Jaenicke im Auslandseinsatz (Bild: ProSieben)

Vorab-Kritik: „Stop War, Make Fun" - Willkommen im Krieg

Ihr neuer Film „Willkommen im Krieg" bezeichnet sich als „Antikriegskomödie". Eine Gratwanderung. Gab es für Sie während der Dreharbeiten Momente, die moralisch grenzwertig waren?

Ich werde ständig gefragt, ob man so einen Film über den Krieg überhaupt machen darf. Die Amerikaner zeigen seit 50 Jahren, dass es großartig geht, Komödie und Tragödie zu mischen. Ich finde es peinlich, dass man sich diese Frage hier in Deutschland überhaupt stellt. Ich fand das Drehbuch hervorragend. Es ist weder respekt- noch geschmacklos, sondern produziert die Comedy über die Charaktere. Aus meiner Sicht gibt es keine heiklen Stellen, auch in dieser Hinsicht ist man in Amerika im Übrigen viel mutiger.

Haben Sie der Bundeswehr gedient? Wenn ja, was war Ihre eindrücklichste Erfahrung?

Nein, ich habe den Wehrdienst verweigert.

Sie spielen den Major der Truppe in Afghanistan und auch sonst verkörpern Sie eher starke Männer — kann man das so sagen?

Das ist sehr unterschiedlich. Ich habe über den Ehemann von Katharina der Großen — der ein infantiler Alkoholiker war — über Psychopathen, die ihre Frauen quälen, so ziemlich alles gespielt. Ich habe wenig Lust, mich auf eine Rolle festlegen zu lassen. Bauarbeiter, Schönheitschirurgen, bisexuelle Varieté-Künstler wie in 'Hindenburg' — da war alles dabei!

Wenn Sie sich eine ganz andere Rolle aussuchen dürften, welche wäre es?

Es gibt seit Jahren die Idee, dass ich mal eine richtige Tunte spiele. Eine Reihe von Produzenten hat schon versucht, das unterzubringen, nur zieht leider kein Sender mit. Und ich würde gerne einmal einen richtigen Mafiafilm machen, so wie 'Casino', 'Goodfellas', 'Gangs of New York', 'Heat'. Das trauen wir uns in Deutschland aber nicht - wir sind eben einfach kein mutiges Filmvolk. Ich wünschte allerdings, das würde endlich mal jemand wagen.

Sie setzen sich für Umwelt- und Naturschutz ein. Wie viel Freizeit verbringen Sie mit Reisen in gefährdete Gebiete?

Das ist ganz einfach. Hauptberuflich mache ich Filme als Schauspieler, in meiner Freizeit mache ich Umwelt-Dokus. Ich drehe jetzt zum Beispiel in Südafrika und danach in Berlin. Im Juni habe ich dann frei und mache eine neue Doku für die ARD, "Brunos Brüder". Es geht um den Problembär Bruno, der von der bayerischen Staatsregierung abgeschossen wurde. Wir fahren unter anderem nach Slowenien, Italien und Österreich, um die gesamte Lebensgeschichte des Bären zu verfolgen. Der Film wird vermutlich zum Jahreswechsel ausgestrahlt.

Einige Medien werfen Ihnen in dem Zusammenhang Eigen-PR vor. Wie stehen Sie dazu?

Das finde ich lächerlich — diesen Vorwurf verstehe ich nicht. Wenn ich PR brauche, mache ich einen "Tatort" mit Maria Furtwängler, einen "Schimanski" mit Götz George oder gehe mit der Bildzeitung kuscheln. Ich mache seit fünf oder sechs Jahren Dokus. In Deutschland werden einem immer erst einmal niedere Motive unterstellt. Das ist so dämlich, dass ich mich damit gar nicht beschäftigen will.

Sind Sie ein Weltverbesserer?

Nein. Ich denke nur, dass ich das Medium, für das ich arbeite, auch für etwas anderes nutzen kann als Unterhaltung. Wir haben die Aufgabe, zu unterhalten, aber auch die Aufgabe, zu informieren. Die Balance stimmt allerdings nicht. Es ist größtenteils erschreckend dämlich, was im Programm läuft, jeden Abend werden irgendwelche Super-Talente oder Möchtegern-Models oder Schwiegertöchter gesucht. Unfassbar viel seichte Unterhaltung, aber wenig im ambitionierten Bereich.

Haben Sie vor, an weiteren Naturdokumentationen zu arbeiten?

Jetzt mach ich erst mal "Bruno den Bären" fertig, mehr als eine pro Jahr schaffe ich nicht. Wir setzen die Dokumentations-Reihe im ZDF vermutlich fort, aber wir wissen noch nicht genau, wann.

Sie sagten einmal „Je weniger ich mich nur um mich selbst und je mehr ich mich um andere kümmere, desto zufriedener steige ich abends ins Bett" — Schlafen Sie gut, im Moment?

Ich schlafe immer gut!

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade? Dürfen Sie schon etwas verraten?

Derzeit drehe ich eine deutsch-südafrikanische Koproduktion für die ARD mit dem Arbeitstitel „Weit hinter dem Horizont". Es geht um ein Resozialisierungsprojekt, bei dem kriminelle Jugendliche aus Deutschland auf Farmen in Südafrika resozialisiert werden. Danach mache ich in Berlin den 4. Teil von „Allein unter Töchtern" für Sat.1, Arbeitstitel „Allein unter Kopftüchern".

Gut beschäftigt, auf jeden Fall!

Ich kann nicht meckern.

Sie blicken bisher auf ein abenteuerliches Leben zurück. Sind Sie jetzt sesshaft geworden?

Nein, im Gegenteil! Es ist mein Job, viel zu reisen, das gehört ja dazu. Und es macht mir immer noch Riesenspaß. Wenn ich das nicht mehr möchte, muss ich mir einen anderen Beruf suchen. Oder ich müsste in einer Serie spielen, irgendeinen Krimi-Fuzzi. Ich habe einmal eine Serie gemacht, aber das war nicht so mein Ding. Ich brauche bei meinen Rollen die größtmögliche Abwechslung.

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