Finale “Supertalent 2012″: “Ich steh mehr auf schnelle Nummern!”

Kurz vor Weihnachten bietet RTL den Zuschauern ein „Supertalent"-Finale mit vielen Effekten, erstaunlich wenigen Gefühlsausbrüchen und zahlreichen Längen. Das Lob gleich vorneweg: Trotz besinnlicher Stimmung bleibt das zu Feuerwerk der Gefühlsduseleien erfreulicherweise aus. Statt emotionaler Lebensschauen sorgen romantischen Light-Shows (von brennenden Herzen bei der rhythmischen Sportgymnastikgruppe Tabea bis zum Teelichtinferno bei Sänger Jean-Michel Aweh) für Gänsehaut. Irgendwie war aber auch jede Lebensgeschichte auf dem zähen Weg ins Finale ausreichend durchgekaut worden. Von der Callboy-Vergangenheit bis zum Krebsleiden war nichts zu persönlich, um nicht vor den öffentlichen Auftritten thematisiert zu werden. Ein erstaunlich leichtfüßiges Finale als Vorbild für kommende Staffeln?

„Aus Dieter einen besseren Menschen machen": Zumindest Thomas Gottschalk verfolgt hehre Ziele. (Bild: RTL)

Überlange Auftritte werden vom Publikum abgestraft

Die Leichtigkeit ist schnell dahin. Die Auftritte mancher Kandidaten ziehen sich so zäh in die Länge, dass man sich dabei erwischt, Stoßgebete gen Fernseher zu senden: Es möge endlich ein Ende nehmen! Zum Beispiel die Darbietung von Bensalah. Moderator Daniel Hartwig unterbricht dessen Auftritt fälschlicherweise nach angemessenen fünf Minuten. Wie hätte dieser auch ahnen können, dass sich die Seifenblasen-Nummer des sympathischen Algeriers über eine Viertelstunde erstreckt? So zerplatzte sein Traum vom „Supertalent" wie einige seiner Seifenblasen frühzeitig: Er scheidet als einer der Ersten aus.

Dan Sperry enttäuscht

Deutlich Überlänge hat auch die Zaubershow von Magier Dan Sperry. Der Bruder von Marilyn Manson und Batman-Bösewicht Joker fasziniert Publikum und Jury mit seiner skurrilen Grusel-Show — allerdings nicht für 20 Minuten. „Ich steh mehr auf schnelle Nummern!", bemerkt Jury-Mitglied Dieter Bohlen. Die Mehrheit der Zuschauer offenbar auch. Trotz großer Fanbase bei Twitter und Co. schafft es der US-Amerikaner nicht, die Sendung zu gewinnen.

Herr Gottschalk hat aber auch ein Herz für Kandidaten. Thomas mit Dan Sperry. (Bild: RTL)

Musik gibt auch beim „Supertalent" den Ton an

Auch Paradiesvogel Nummer zwei hat keine Chance. Der singende Papagei Jacko trällert wieder einmal sein Meisterstück „Hänschen Klein". Aller guten Dinge sind drei? Nicht für das Publikum des „Supertalents". Das setzt auf einen abwechslungsreicheren Barden. Jean-Michel Aweh geht voll auf Risiko und präsentiert einen selbst komponierten Song. Man kann davon ausgehen, dass die sanfte Ballade „Komm raus aus dem Nebel" schon allein witterungsbedingt in den nächsten Wochen die Charts stürmen wird. So könnte der 20-Jährige zusätzlich zum Preisgeld von 100.000 Euro einen kleinen Geldsegen einstreichen, bevor er vermutlich wie seine Vorgänger in der Versenkung verschwinden wird.

Goldregen und 100.000 Euro Siegesprämie für Jean-Michel Aweh. (Bild RTL)

Gottschalk klärt Rätsel um sein Engagement bei RTL auf

Kein Wunder, bei den vielen Casting-Formaten, die derzeit vermeintliche Superstars am Fließband produzieren. Ob „Deutschland sucht den Superstar", „The Voice" oder „X-Factor": die ehemalige DSDS-Kandidatin Juliette Schoppmann, Soul-Sängerin Deidra Jones oder eben Sieger Jean-Michel Aweh hätten auch in diesen Sendungen nicht gestört. Dafür verrät die Lanze gegen Casting-Uniformität, Thomas Gottschalk, im Finale endlich, warum er sich überhaupt als (sichtlich widerwilliges) Jury-Mitglied verpflichtet hat. Sein Engagement bei RTL sei eine Mission, aus Dieter Bohlen einen besseren Menschen zu machen. Ah, na sicher, hätten wir uns ja gleich denken können. Und hoffen dennoch inständig, dass in der nächsten Runde der Zweck nicht erneut die Mittel heiligt.

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