„Circus Halligalli“: Sinnentleert und Spass dabei

Dass sich Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf für nichts zu schade sind, ist bekannt. Dass sie ihr zynisch-nihilistisches Possenspiel jetzt auf PRO7 spielen, wurde in schönen, an Mafiafilme erinnernden Spots groß beworben. Doch ob auf dem Spartenkanal ZDFneo oder nun zur besten Sendezeit vor größerem Publikum: die hohen Erwartungen der anderen sind ihnen egal, nur die Studio-Deko hat sich verändert.

Alles eh egal: Joko & Klaas (Bild: PRO7)Alles eh egal: Joko & Klaas (Bild: PRO7)


Eine Stunde lang nur Enttäuschungen

Mit der Ansage „Der Titel war ein Witz" nehmen Joko & Klaas gleich zu Beginn der Premiere ihrer neuen Show jedem potentiellen Kritiker den Wind aus den Segeln. Und machen im Anschluss dann auch einfach, was sie wollen. Und das ist vor allem: Unsinn produzieren, und sich selbst darüber schlapplachen. Ob sie in Einspielfilmen acht Stunden lang auf dem Kölner Karneval jede ihnen gestellte Frage nur mit „Ja“ beantworten, und dabei allerhand demütigende Erlebnisse haben, oder ob sie dem angeblich vor der Tür wartenden Oliver Pocher in Gangstermanier klarmachen, dass er eh keine Chance hat, jemals in ihre Show eingeladen zu werden – an allem, was passiert (oder nicht passiert), ist eh „Herr PRO7 schuld“.

Der neue Arbeitgeber wird also gründlich aufs Korn genommen. Es scheint so, als wollten Joko & Klaas einfach sehn, wie weit sie gehen können. So werden – und das kommt einer Provokation gleich – in einer Stunde Sendezeit eigentlich nur Enttäuschungen produziert, die nur manchmal witzig sind. Das geschieht freilich im vollen Bewusstsein der Moderatoren und als Ergebnis einer selbstironischen Grundhaltung: Wer nichts ernst nimmt, auch nicht sich selbst, der macht sich fast unangreifbar. Das ist nicht dumm, aber auch langweilig.

Ohne Auftrag und Botschaft unterwegs: Joko & Klaas samt Entourage (Bild: PRO7)Ohne Auftrag und Botschaft unterwegs: Joko & Klaas samt Entourage (Bild: PRO7)

Selbst Helge Schneider kann das seltsame Unterfangen nicht retten. Während die Rolle als Nonsens von sich gebender Patron, der das Geschehen von einem Sessel aus kommentiert, für ihn perfekt scheint, gerät die sinnentleerte Dreifaltigkeit der Komiker schnell zur nervigen Durchhalteprüfung. Immerhin kann Schneider diesen Zirkus ohne Attraktionen gut zusammenfassen: „Auf jeden Fall, bedeutungsvoll ist nichts“ lautet seine angemessene Analyse von Schwachsinn, der mit Schwachsinn gekontert wird, um wiederum neuen Schwachsinn zu produzieren.

Keine Message, nirgends

Da eh alles egal ist, wird auch noch Olli Schulz als „Charles Schulzkowski“ auf die Berlinale geschickt. Als Trinker mit literarischen Ambitionen darf er sich auf der Aftershow-Party beschickern und in diesem peinlichen Zustand peinliche Promis wie Til Schweiger belästigen. Was erwartungsgemäß mit einem Rauswurf endet, wirft auch kein neues Licht auf die Dynamik des angestrebten Humors. „Was die Leute brauchen, ist eine Message“ lallt der Bukowski-Klon noch in die Kamera. Aber es gibt keine Message, nirgends.

Tut auch nur so, als ob – das Konzept von Joko Winterscheidt (Bild: PRO7)Tut auch nur so, als ob – das Konzept von Joko Winterscheidt (Bild: PRO7)

Den klugen Schachzug von Joko & Klaas, den Rapper Cro nur während der Werbepause singen zu lassen, macht Sido mit seinem (komplett gesendeten) Auftritt leider wieder wett. „Bilder im Kopf“, ein Lied über seine Kindheit, hat eine gewohnt simple Botschaft – immerhin die einzig greifbare der gesamten Show. Wie lange Joko & Klaas wöchentlich eine Stunde mit heißem Nichts füllen können und dürfen, ist eine Frage, die die Quote klären wird. Vielleicht zu recht, denn „Grimme-Preis“-verdächtig war die erste Folge von „Circus Halligalli“ wahrlich nicht.

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