Die Münchner “Tatort”-Kommissare und ihr neuer Problemfall

Ein Schulmädchen, das auf dem abendlichen Nachhauseweg entführt und ermordet wird, und ein neuer Kollege, der die Platzhirsche Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit seinem Aktionismus so lange nervt, bis die ihn wegloben wollen und er schließlich im Alleingang zu ermitteln beginnt: Auf diese beiden Handlungsstränge lässt sich der neue Münchner "Tatort"-Krimi "Der tiefe Schlaf" problemlos reduzieren. Klingt erst mal wenig spektakulär, doch am Ende der 90 Minuten bleibt man als Zuschauer aufgewühlt und mit dem Eindruck zurück, zum Ende des Jahres eine der stärksten "Tatort"-Episoden der letzten Monate gesehen zu haben.

Drei Ermittler und ein Todesfall (v. links): Batic (M. Nemec), Engelhardt (F. Hinrichs) und Leitmayr (U. Wachtveitl) bei Carlas Beerdigung (Bild: BR / K. Stelter).Drei Ermittler und ein Todesfall (v. links): Batic (M. Nemec), Engelhardt (F. Hinrichs) und Leitmayr (U. Wachtveitl) …

Es ist weniger die recht überschaubare Story, die hier beeindruckt, sondern die Art, wie sie erzählt wird. "Ich geh zu Fuß. Da bin ich schneller", spricht die junge Carla noch ins Handy, dann macht sie sich auf den Weg durch die Dunkelheit. Es ist das letzte Lebenszeichen, das ihre Eltern von ihr erhalten ...

So fängt alles an: Carla (Anna Willecke) hat den Bus verpasst (Bild: BR/K. Stelter).So fängt alles an: Carla (Anna Willecke) hat den Bus verpasst (Bild: BR/K. Stelter).

Der atmosphärisch und dicht inszenierte Krimi (Buch und Regie: Alexander Adolph) beginnt so packend wie ein Klassiker aus "Aktenzeichen XY ... ungelöst" und lässt die Zuschauer die vollen 90 Minuten nicht mehr los. Was ganz wesentlich auch mit dem großartigen Schauspieler Fabian Hinrichs ("Sophie Scholl - Die letzten Tage") zu tun hat, der dem Neuen im Münchner Kommissariat, Gisbert Engelhardt, eine psychologische Tiefe verpasst, wie man sie selten in so einer Episodenrolle erlebt.

Der junge Kommissar stürzt sich mit geradezu manischem Ehrgeiz in die Arbeit, bleibt dabei jedoch allzu lange erfolglos. Aber auch wenn er vor allem bei Leitmayr einen schweren Stand hat, lässt sich Engelhardt nicht beirren. Aus einer Geräuschanalyse des letzten verzweifelten Notrufversuchs des Mädchens glaubt er, entscheidende Aufschlüsse über den Mörder zu erhalten, der offensichtlich ein Serientäter ist, aber den ganzen Film über ein Phantom bleibt. Da ihn niemand wirklich ernst nimmt, beschließt der unter einem schwer erklärbaren Druck stehende Jung-Kommissar, auf eigene Faust zu ermitteln. Ein fataler Anfängerfehler, der dem erfreulich gewaltfreien, aber absolut atemlosen Krimi noch eine späte Wendung verpasst. Ein Film, der bis zu seinem verwirrenden Ende in so manche Sackgasse führt und immer für eine Überraschung gut ist - so geht "Tatort".

("Tatort: Der tiefe Schlaf", Sonntag, 30. Dezember, 20.15 Uhr, ARD)

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