Maria Furtwängler im Doppel-”Tatort”: Frau Lindholm trotzt der Macho-Allianz

Sie wolle beim "Tatort" in Zukunft kürzertreten, ließ Maria Furtwängler unlängst verlauten. Nur noch einmal statt wie bisher zweimal jährlich will sie künftig den beigen Trenchcoat der beliebten NDR-Kommissarin Charlotte Lindholm überstreifen. Eine Meldung, die etwas überrascht, da man die 46-jährige Schauspielerin nun geballt wie nie zur "Tatort"-Stunde im Ersten zu Gesicht bekommt. An zwei Sonntagen in Folge ermittelt die kühle Niedersächsin Lindholm handlungsübergreifend in einem aufwühlenden Fall von Zwangsprostitution und politischem Filz. "Wegwerfmädchen" ist der erste von zwei zusammenhängenden "Tatort"-Krimis aus Hannover — ein nur leicht überzeichnetes Empörstück, das von ausdrucksstarken Bildern lebt.

(Alb-)Traumpaar: Maria Furtwängler und Benjamin Sadler. (Bild: NDR / G. Muehle)(Alb-)Traumpaar: Maria Furtwängler und Benjamin Sadler. (Bild: NDR / G. Muehle)

Vor allem ein Bild brennt sich ins Gedächtnis ein: Wie ein besudelter Engel entsteigt die blutjunge Weißrussin Larissa Pantschuk (Emilia Schüle) den Abfallbergen der Wohlstandsgesellschaft. In einer Müllverbrennungsanlage sollte die hübsche Frau buchstäblich "entsorgt" werden, nachdem sie dem erlesenen Herrenzirkel einer Hannoveraner High-Society-Party zu erzwungenen Liebesdiensten war. Wie durch ein Wunder hat sie die völlig aus den Fugen geratene Privatorgie honoriger Anwälte, Ärzte, Bänker und Immobilien-Unternehmer überlebt. Weniger nachlässig regelten ihre Peiniger die Beseitigung ihrer 16-jährigen Cousine, die ihre bestialische Vergewaltigung nicht überlebte und zwischen stinkenden Abfallsäcken ermordet aufgefunden wird.

Klarer Fall: Der Schlüssel, die konspirative F(r)eiertruppe auffliegen zu lassen, ist die entkommene Larissa Pantschuk, die darob zum Spielball wird. LKA-Frau Lindholm will die misstrauische Frau als Kronzeugin gewinnen. Rockerbandenchef Koschnik (Robert Gallinowski), der mit seinen Benzinbrüdern die Drecksarbeit für seine erlesene Klientel verrichtet, will sie schnellstmöglich zum Schweigen bringen.

Maria Furtwängler selbst soll das diffizile Thema Zwangsprostitution mit angeschoben haben, wie zu erfahren ist: "Es ist wohl die Extremform männlichen Macht- und Allmacht-Gehabes, Frauen zur Ware zu degradieren — das ist der größere Zusammenhang, der mich hier interessiert."

Ausdrucksstarke Bilder der Perfidie: Emilia Schüle als Zwangsprostituierte. (Bild: NDR / G. Mühle)Ausdrucksstarke Bilder der Perfidie: Emilia Schüle als Zwangsprostituierte. (Bild: NDR / G. Mühle)

Natürlich strotzt der von Franziska Meletzki eindringlich inszenierte und von Autor Stefan Dähnert sorgsam recherchierte Krimi bisweilen vor sozialer Empörung. Aber das ist begreiflich angesichts der plausibel geschilderten Kurzatmigkeit der Ermittlungsbehörden im Angesicht korrupter Verfilzungen von Staat, Wirtschaft und organisierter Bandenkriminalität. Bravourös trotzt die zierliche Charlotte Lindholm unter den Neonröhren der sterilen LKA-Flure der zwischenmenschlichen Kälte der Machogesellschaft — und in schmierigen Erotikbars den Übergriffen bulliger Motorradrocker.

Eher unangenehm berührt hingegen das abermals ausufernde Techtelmechtel mit dem geheimniskrämerischen Journalisten Jan Liebermann (Benjamin Sadler). Dass man die Polizistin ständig in Hotelbetten und anderen intimen Situationen beobachtet, mag man unpassend in einem "Tatort" finden — oder auch nicht. Dass der Enthüllungsreporter aber immer just in dem Fall recherchiert, in dem auch seine Freundin vom LKA ermittelt, ist entschieden eine Prise zu viel Kommissar Zufall.

"Tatort: Wegwerfmädchen", Sonntag, 9. Dezember, 20.15 Uhr, ARD

"Tatort: Das goldene Band", Sonntag, 16. Dezember, 20.15 Uhr, ARD

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