“Expedition Familie” im SWR: Die “Super Nanny” macht’s öffentlich-rechtlich

Ach herrje, was war das für eine Getöse, als RTL und "Super Nanny" Katia Saalfrank im November 2011 ihre Trennung bekannt gaben. Nach insgesamt sieben Jahren und 145 Folgen Krawall-Pädagogik schmiss die vierfache Mutter hin, ihre nicht unumstrittene Erziehungsberatung vorwiegend bildungsferner Schichten gehörte der Vergangenheit an. Saalfrank beschwerte sich danach öffentlich, sie hätte immer weniger ihre Wünsche in der "Super Nanny" umsetzen können. Der Sender hingegen klagte über einen deutlichen Schrumpfungsprozess bei den Quoten. Ein gutes Jahr nach dem Aus ist Saalfrank nun zurück im TV. Für den SWR gibt die 41-Jährige im Dritten eine im Ländle umherreisende Anchor-Woman des neuen Formats "Expedition Familie". Pikanterweise läuft das TV-Magazin, welches sich in seiner ersten Folge dem Zusammenleben von Jung und Alt widmet, auf dem gleichen Sendeplatz wie einst die "Super Nanny". Mit dem Schmuddel-TV von RTL will man beim seriösen Südwestrundfunk allerdings nichts zu tun haben - das beeilt sich sogar der SWR-Fernseh-Chefredakteur zu sagen.

Ex-"Super Nanny" Katia Saalfrank (SWR / Tom Oettle)

Ob das redliche dritte Programm aus Baden-Württemberg seinem eigenen Personal-Coup nicht traut? Jedenfalls fühlt sich Fritz Frey, seines Zeichens Fernseh-Chefredakteur des SWR, auf der offiziellen Webseite zur neuen Saalfrank-Sendung dazu berufen, ein paar Dinge geradezurücken. Dass Katia Saalfrank ja in Bad Kreuznach geboren sei und - zum Teil - in Mainz Pädagogik studiert habe. Will heißen: Sie bringt südwestdeutschen Stallgeruch mit. Dass man sich die Frau genau angeguckt habe und dabei festgestellt habe, dass sie ernsthaft am Wohl ihrer Protagonisten interessiert sei. Nun ja, wäre ja auch schlimm, wenn das Gegenteil der Fall sein würde. Für die Pilotausgabe von "Expedition Familie" hat sich Katja Saalfrank nun jedenfalls ein Thema ausgesucht, das zum öffentlich-rechtlichen Portfolio passt und in unsere Zeit sowieso: Wie also, so die staatstragende Frage, kann das Zusammenleben von Alt und Jung besser gelingen?

Katia Saalfrank (Mitte) besucht eine Alten-WG (SWR / I&U TV)

Im Jahr 2060 werden über zehn Millionen Deutsche über 80 Jahre alt sein. Dass man in Zeiten, da Senioren immer zahlreicher werden und die Großfamilie lange passé ist, über neue Lebensformen nachdenken muss - das ist nicht neu. Katja Saalfrank besucht zur Erörterung dieser Frage eine Familie in Karlsruhe, welche sich das Hirn darüber zermartert, ob der demente Großvater noch längere Zeit zu Hause gepflegt werden kann. Zudem trifft Saalfrank eine ungewöhnliche WG: In ihr leben Menschen zwischen 56 und 94 Jahren, die nicht alleine, aber ohne Familie alt werden wollen oder es schon sind.

Deutlich wird schnell, die Tonalität von Saalfranks Sendung hat sich gegenüber RTL-Zeiten erwartungsgemäß geändert. Alles wirkt weniger (selbst-)inszeniert, am Schneidetisch auf Effekt gebürstet und auf emotionale Höhepunkte hin ausgebeutet. Was natürlich nicht nur am ausstrahlenden Sender liegt, sondern auch am weitaus bedächtigeren Thema. Wie Saalfrank im SWR einer Familie mit einer Horde Hartz-IV-Kindern begegnen würde, jene Nagelprobe fällt für die ersten Sendung erwartungsgemäß flach. Das sympathisch-authentische Wesen der bekanntesten Pädagogin Deutschlands, welches man bei der "Super Nanny" nie so richtig mit der effektheischenden Inszenierung der Sendung zusammenbrachte, es kommt in diesem bedächtig-gemütlichen Format konfliktfreier zur Geltung. Vielleicht hat das gereifte Super-Kindermädchen von RTL ja im Südwesten Deutschlands eine bessere, heilere Familienwelt gefunden. Eine, die ihr mehr Freude bereitet als die Plattenbau-Welten von Berlin-Marzahn und Co.

("Expedition Familie", Mittwoch, 16.01., 20.15 Uhr, SWR-Fernsehen)

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