Opdenhövel stoppt locker aus der Hüfte

Eine Show in seiner Konfektionsgröße sollte es werden. Auf ihn zugeschnitten wie sein Maßanzug. Ohne Kompromisse. Und jetzt das: Matthias Opdenhövels Bart ist ab! Der dreieckige Unterlippenbart war das Markenzeichen des Moderators, jetzt gähnt an seinem Kinn haarlose Leere. Ob es eine Anweisung von oben war? Oder Opdenhövels eigener Wunsch? Warum sich der ehemalige "Schlag den Raab"-Moderator von seiner markanten Gesichtsbehaarung trennte, bleibt ein Rätsel, genauso knifflig wie die Spiele seiner neuen Quizshow "Opdenhövels Countdown", die nun im Ersten Premiere feierte. Trotz - oder gerade wegen - Scherben und Fäkalvokabular war die Show eine glattrasierte Sache.Matthias Opdenhövel (M.) mit seinen sympathischen Kandidaten. (Bild: WDR / W. Weber)Vier bunt gemischte Kandidaten rangen um 100.000 Euro Gewinn. Neu an "Opdenhövels Countdown": Die Kandidaten kämpfen sowohl miteinander als auch gegeneinander. In sechs Teamspielen versuchten die Vier gemeinsam, den Jackpot mit der maximal möglichen Summe von 100.000 Euro zu befüllen. Zwischendurch folgten K.o.-Runden, in denen sich jeder selbst der nächste sein musste, frei nach dem Motto: "Der Schwächste fliegt."

Der neue psychologische Twist lag also in der Kombination aus Teamfähigkeit und Einzelkampfgeist - eine gute Idee. Wann gab es schon zuletzt ein beherztes "Scheiße, ey" in einer ARD-Primetimeshow zu hören? Die alleinerziehende Mutter und spätere Abräumerin Alexandra Rauer war im letzten Teamspiel "Bungee-Domino" schlichtweg genervt von Mitstreiter Jörg "Burli" Blohm. Mit unkontrolliertem Schnauben verbaselte der Langzeitstudent im allerletzten Moment die Domino-Reihe und schwups waren ganze 30.000 Euro futsch. Da kann einem schon mal das Mundwerk entgleisen. Nach diesem kleinen Wutanfall kriegte sich die Supermom aber schnell wieder ein und zeigte "Burli" in der letzten K.o.-Runde, wer die Quiz-Hosen anhat. Am Ende gewann Rauer spielend gegen Blohm und durfte 65.000 Euro mit nach Hause nehmen.

Einen Patzer leistete sich auch Matthias Opdenhövel. Vielleicht war die Brille nicht richtig geputzt? Im dritten Teamspiel "Lampen an" fegte Opdenhövel zwei Glühbirnen vom Tisch und sorgte für einen Scherbenhaufen und ein unterbrochenes Spiel. Hier zeigte sich der 41-jährige Routinier von seiner souveränen Seite. Die ganz offensichtlich unvorhergesehene Störung brachte den Moderator keineswegs ins Schwitzen, ganz im Gegenteil: "Das war spitze - wenn ich nicht gewesen wäre", witzelte Opdenhövel. Sympathisch und erfrischend, dass bei einer aufgezeichneten Primetime-Show der ARD auch mal was schiefgehen darf - und dann auch gezeigt wird.

Dass er nicht nur "Sportschau"-Beiräge anmoderieren, sondern auch eine Show beherrschen kann, zeigte Opdenhövel bereits in der Vergangenheit, etwa beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2010 und 2011 oder als jahrelanger "Schlaag den Raab"-Ringrichter. Mit seinem an den 70er-Jahre-Klassiker "Dalli Dalli" angelehnten "Countdown" setzte Opdenhövel nun ein Zeichen: Ich kann Show! Insofern stehen für das nächste Großprojekt alle Lampen auf grün. Das als Eventshow konzipierte Format "Brot und Spiele" soll im Sommer laufen, ebenfalls im Ersten.

Ein Wunsch an Herrn Opdenhövel für die nächste Ausgabe seines "Countdowns" sei aber doch gestattet: Den Bart bitte wieder dranmachen und vorher ein paar alte "Schlag den Raab"-Folgen schauen! Die freche Schnauze darf ruhig auch im Ersten Einzug halten. Auf dass er auch die nächste Show so klangvoll beenden kann: "Das war schön heute. Gute Nacht."

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