Quicklebendig im Toten Meer: So war „Million Dollar Shootingstar” mit Bar Refaeli

Es geht immer um alles — wissen wir, wissen wir doch. Nach sieben Staffeln „Germany's Next Topmodel" mit Heidi Klum, einer Saison „Das perfekte Model" mit Eva Padberg, dem einen oder anderen Sneak-Peek bei Tyra Banks in Amerika kennen wir die ungeschriebenen Regeln des Model-Castings in- und auswendig.

Man muss sich bemühen, aber es darf nicht bemüht wirken. Man muss total eigenwillig sein, aber immer alles tun, was der Fotograf will. Man muss einen unverwechselbaren Stil haben, aber extrem wandlungsfähig sein. Wenn das Foto öde zu werden droht, soll das Model einfach brüllen. Und so weiter.

Millionenjury in Unterhemden: Peyman Amin, Bar Refaeli, Fotograf Oliver Gast (Foto: Morris MacMatzen)Millionenjury in Unterhemden: Peyman Amin, Bar Refaeli, Fotograf Oliver Gast (Foto: Morris MacMatzen)

Das ist das eigentlich Schöne daran, dass es jetzt mit „Million Dollar Shootingstar" eine ganz neue Runde gibt, auf Sat.1, mit dem israelischen Supermodel Bar Refaeli als Frontgesicht: Wir sind von Anfang an mitten im Thema. Können zeigen, was wir aus anderen Shows gelernt haben, und auch „die Mädchen" (Castingdeutsch für: „die Kandidatinnen") haben sich schon zielsicher die passenden Rollen zurechtgelegt. „Ich bin mehr so der kommerzielle Typ", sagt Catharina, 22, über sich — kann man direkt unten einblenden. „Man braucht eine eigene Persönlichkeit", meint Sandy, auch 22 — druckreif. Yuliya, 23, hat schon für Karl Lagerfeld gemodelt, ist aber „trotzdem total auf dem Boden geblieben". Ja, braucht man überhaupt eine Jury bei solchen Girls, die Kriterien und Vokabular der TV-Shows so buchstabengetreu intus haben?

Man merkt dem „Million Dollar Shootingstar" absolut an, dass hier Profis unter sich sind. Nicht nur Fernsehprofis wie Bar Refaeli und ihr Sidekick, der Ex-Heidi-Klum-Adjutant Peyman Amin — auch die zehn jungen Frauen, die hier antreten und die man mehrfach im Gänsemarsch durch die Wüste laufen sieht. Keine Vorstadtvögelchen wie in der „Topmodel"-Sendung, sondern Models mit einigen Referenzen, denen man nicht mehr viel erzählen muss über Hüftschwünge und Duckfaces, weil sie selbst schon so viel zu erzählen haben. In fünf verschiedenen Ländern werden sie in jeweils zwei Shootings gegeneinander antreten, die zwei Besten bekommen für ihre Fotos je 100.000 Dollar, die Schlechteste muss ausscheiden.

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Eine große Reisereportage mit leicht verständlichen Regeln also, und zumindest die Illusion des Millionengewinns hält nicht lange. In der ersten Folge, in Israel, müssen die zehn Models sich am Stahlseil vom Felsen stürzen und im Toten Meer posieren, am Ende triumphieren Lagerfeld-Muse Yuliya und die 23-jährige Alena, die vorher in einem Filmclip gebeichtet hat, sie habe von ihrer russischen Mutter regelmäßig Backpfeifen gekriegt. Leidgeprüfte Frauen also, aber die Million werden sie beide nicht kriegen. Für die hätte man im kompletten Durchmarsch schon alle zehn Challenges gewinnen müssen.

Bei so viel geballter, konzentrierter Abgeklärtheit wird es knifflig, die Handlung noch minimal dramatisch zu machen. Der Erzähler aus dem Off greift oft zu den Mitteln des Kinder-Krimihörspiels, lässt die Stimme ordentlich beben, wenn er vom „härtesten Modelwettbewerb der Welt" und der „Verletzungsgefahr im Toten Meer" spricht. Man kann sich dort an Salzkristallen ritschen, was der armen Anika auch passiert — an die paar Blutstropfen muss die Kamera allerdings sehr nah rangehen, um den Grusel in ihnen zu finden. Es steht zu befürchten, dass „Million Dollar Shootingstar" nicht wirklich spannend wird. Was überhaupt nicht schlimm wäre. Beim Modeln geht's eigentlich um Bilder, und die Bilder sind beim Showauftakt hervorragend, die von der Landschaft, die von den Girls.

Interview mit Peyman Amin: "Die Bilder werden für sich sprechen!"

Und Bar Refaeli? Sie leidet am Sprachproblem, steht oft nur daneben, wenn sich die anderen unterhalten. Spielt ansonsten die große Schwester, gibt softe Tipps, bricht beinahe als erste in Tränen aus, als sie zum Schluss der 20-jährigen Kathi erklären muss, dass sie rausfliegen wird. Den Stahlhammer und Lageraufseher spielt dafür Peyman Amin, der schon im Timna-Nationalpark immer wieder „Scheiße!" brüllt, wenn er ein Model rügen will, und der 20-jährigen Amy ernsthaft erklärt, dass sie mit ihrer „Hackfresse" höchstens biertrinkende Bauarbeiter becircen könne. Hier bewirbt sich jemand für die Rolle des Modelshow-Dieter-Bohlen, eindeutig. Den gibt es noch nicht.

Die schönste Szene in der ersten Folge von „Million Dollar Shootingstar" kommt allerdings gegen Ende, nach der Fotosession im Toten Meer. Da ruft Amin die Kanidatinnen einzeln nach vorne. Sie sollen als halbwegs erfahrenen Models doch mal selbst entscheiden, ob ihre Bilder gut oder schlecht geworden sind.

Eine Castingshow, in der „die Mädchen" einfach unter sich ausmachen, welche die beste ist. Vielleicht gibt's das ja wirklich bald.

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